Investoren im Profifußball Die 120-Millionen-Euro-Frage

Wenn Konzerne sich im Profifußball engagieren, geschieht das meist geräuschlos und effizient. Das gilt jedoch nicht für Unternehmer-Persönlichkeiten. Nun wagt auch Milliardär Klaus-Michael Kühne einen neuen Versuch, beim Hamburger SV die Macht zu übernehmen.
Mehr Geld gegen mehr Einfluss: Milliardär Klaus-Michael Kühne

Mehr Geld gegen mehr Einfluss: Milliardär Klaus-Michael Kühne

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Christina Sabrowsky/ dpa

Nur einen Tag nach der offiziellen Trauerfeier für das verstorbene Hamburger Fußballidol Uwe Seeler setzte Klaus-Michael Kühne (85) sein Lockangebot ab. 120 Millionen Euro möchte er in den Hamburger SV investieren, seinen Lieblingsclub, der als mehrfacher Deutscher Meister und Europapokalsieger der Landesmeister 1983 seit nunmehr fünf Jahren in der Zweiten Bundesliga antritt und zudem als finanziell angeschlagen gilt.

Mit diesem hohen Betrag verbindet der in der Schweiz lebende Kühne jedoch ein "Zehn-Punkte-Programm". Dieses würde dem Milliardär und der mit ihm verbundenen Kühne Holding einen starken Einfluss beim HSV sichern. Neben einer Aufstockung der Anteile an der HSV Fußball AG von derzeit 15,21 Prozent auf 39,9 Prozent könnte das sogar so weit gehen, dass Kühne Einfluss auf die personelle Besetzung der Gremien hätte – statt derzeit einer dann sogar mindestens zwei Personen in den Aufsichtsrat entsenden könnte. Unter dem Strich bedeutet das: Kühne bekäme ziemlich viel Macht bei dem traditionellen Sportverein.

Pikant ist der Zeitpunkt des Angebots gar nicht mal so sehr wegen des nur kurzen Abstands zur Uwe-Seeler-Trauerfeier, sondern vielmehr deshalb, dass am Tag darauf eine Aufsichtsratssitzung  ansteht. Und genau hier soll ein lange ausgetüftelter Sanierungsplan für den HSV vorgestellt werden, der nun angesichts der millionenschweren Kühne-Offerte zu verblassen droht. Finanzvorstand Thomas Wüstefeld (53) ist darüber gewiss nicht amüsiert, auch wenn er sich nach außen entspannt zeigt: "Das ist in jedem Fall gut für den Verein", so Wüstefeld gegenüber der Deutschen Presseagentur zum Kühne-Angebot.

Falls dessen Zehn-Punkte-Programm wirklich eine Zukunft haben sollte, gibt es vor allem ein Problem: Laut Satzung dürften nicht mehr als ein Viertel der Anteile an Eigner außerhalb des Vereins veräußert werden. Kühne würde deutlich darüber liegen und fordert deshalb schon jetzt eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Da er weiß, dass auch sein bisheriges Engagement beim HSV unter den Anhängern nicht unumstritten ist, verspricht er nun, das Volksparkstadion in Uwe-Seeler-Stadion umzubenennen. Das würde Kühne zwar mittelfristig drei bis vier Millionen Euro pro Jahr kosten, er würde jedoch vielen Fans ihren Herzenswunsch erfüllen und könnte sie so eventuell auf seine Seite ziehen.

Finanziell wäre das alles für Kühne zu verkraften, verläuft doch ein anderes Engagement des Unternehmers in Hamburg äußerst lukrativ. Durch seine 30-Prozent-Beteiligung an Hapag-Lloyd fließen wegen der derzeit sehr hohen Gewinne der Reederei sogar Milliarden-Beträge auf das ohnehin schon bestens gefüllte Konto Kühnes.

Viel Geld schießt nicht immer Tore

Doch egal, ob der HSV den Verlockungen des 120-Millionen-Euro-Deals mit Kühne erliegt oder nicht, sicher ist, dass viel Geld nicht immer auch den vollen sportlichen Erfolg bringt. Prominente Beispiele dafür gibt es genug. So investierte der einst als Wunderkind der deutschen Wirtschaft  gefeierte Unternehmer Lars Windhorst (45) mittlerweile 374 Millionen Euro in den Hauptstadtclub Hertha BSC. Der sportliche Erfolg blieb zwar aus, doch der Verein konnte sich sanieren und verhinderte zugleich, dass Windhorst einen zu großen Einfluss bekommen konnte.

Zweifelhaften Ruhm erlangte auch Martin Kind (78). Der Unternehmer, Marktführer im Hörgeräte-Einzelhandel, führte den Verein Hannover 96 mit einer kurzen Unterbrechung über 20 Jahre als Vorstandsvorsitzender. Nach seinem Rücktritt 2019 war er jedoch noch Geschäftsführer der Hannover 96 Management GmbH. Von diesem Spitzenposten beorderte ihn nun der Vorstand zurück. Kind habe "mehrfach und gravierend gegen Weisungen und vertragliche Vereinbarungen verstoßen", heißt es in der Begründung. Ein Streit, der sich gewiss noch über Monate erstrecken wird. Ein Großteil der Anhänger hatte sich am Maschsee jedoch wegen seiner oft despektierlichen Äußerungen über die Fanszene schon lange vorher von Kind abgewandt. Und der sportliche Erfolg blieb zuletzt auch aus, in den vergangenen Jahren haben sich die Hannoveraner im Mittelfeld der Zweiten Bundesliga festgesetzt.

Wesentlich erfolgreicher agieren dagegen Clubs, deren Investoren in der Regel zurückhaltender auftreten, weil sich keine Einzelpersonen aus Unternehmen in den Vordergrund drängen. Dafür sorgt im deutschen Profifußball eigentlich schon die 50+1-Regel, die verhindern soll, dass der Einfluss von Investoren, wie es in anderen Ländern üblich ist, zu groß wird. Allerdings werden auch hier Ausnahmen gewährt.

Die drei Erstligaclubs aus Leverkusen, Hoffenheim und Wolfsburg bleiben trotz einer höheren Investorenbeteiligung von der Deutschen Fußball Liga (DFL) unbehelligt. Begründet wurde dies bislang stets damit, dass die jeweiligen Investoren bereits seit mehr als 20 Jahren aktiv sind und es keine unverhältnismäßige Bevorteilung der drei Klubs im sportlichen Wettbewerb gebe – für finanziell unterlegene Ligakonkurrenten nur schwer nachvollziehbar.

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