Homeoffice und mobiles Arbeiten Spotify will Beschäftigte "von überall" arbeiten lassen

"Arbeit ist nichts, wofür man ins Büro kommt", heißt es beim Streamingdienst Spotify. Auch andere Firmen stellen sich auf eine bleibende Veränderung des Joballtags nach der Pandemie ein. Doch die neue Arbeitswelt hat auch Nachteile.
Arbeiten lässt sich von überall: So zumindest behauptet es ein neues Konzept bei Spotify

Arbeiten lässt sich von überall: So zumindest behauptet es ein neues Konzept bei Spotify

Foto: Patrick Seeger/ picture alliance / dpa

Mitarbeiter des Musikstreaming-Marktführers Spotify werden nach dem Ende der Corona-Pandemie nicht ins Büro zurückkehren müssen. Die in Schweden beheimatete Firma stellte am Freitag ihr Konzept "Arbeiten von überall" vor. "Arbeit ist nicht etwas, wofür man ins Büro kommt, sondern das, was man tut", lautet einer der Grundsätze davon. Und Effizienz messe man nicht an der Zahl der Stunden, die Leute im Büro verbringen. Stattdessen sei Spotify überzeugt, dass die Beschäftigten effizienter sein werden, wenn sie selbst entscheiden können, wo sie arbeiten.

Entsprechend der neuen Firmenpolitik sollen die Spotify-Mitarbeiter vom Sommer im Büro oder Zuhause oder abwechselnd an beiden Orten arbeiten können. Die Entscheidung darüber treffen sie gemeinsam mit ihren Vorgesetzten. Spotify will auch flexibler werden, was das Arbeiten von anderen Städten und Ländern aus angeht - allerdings mit der Einschränkung, dass dies nicht zu zusätzlichen Schwierigkeiten durch Zeitunterschiede führen solle. In Städten ohne Spotify- Standorte werde die Firma Mitarbeitern, die trotzdem Office-Gefühl haben wollen, die Mitgliedschaft in Gemeinschaftsbüros bezahlen.

Spotify hatte zuletzt rund 5600 Mitarbeiter. Etwa 30 Prozent von ihnen leben in Schweden. Ein Großteil der Beschäftigten sind Software-Entwickler.

Auch andere Unternehmen stellen sich auf eine dauerhafte Veränderung des Joballtags durch die Corona-Krise mit ihrer monatelangen Heimarbeit ein. So prognostizierte bereits im Frühjahr Facebook-Chef Mark Zuckerberg, (36) dass in zehn Jahren jeder zweite Beschäftigte des Online-Netzwerks außerhalb des Büros arbeiten werde.

Twitter will seiner Belegschaft die Freiheit geben, von zu Hause aus zu arbeiten. Und der SAP -Konkurrent Salesforce stellt sich auf eine Zukunft ein, in der die meisten Beschäftigten nur einen bis drei Tage pro Woche ins Büro kommen - für Arbeit im Team, Treffen mit Kunden oder Präsentationen. "Der Arbeitstag von 9.00 bis 17.00 Uhr ist tot", hieß es in einem Blogeintrag des Unternehmenssoftware-Spezialisten.

Die schöne neue Arbeitswelt hat auch Nachteile

Unternehmen haben im Zusammenhang mit der Pandemie das Homeoffice auch als verlockende Option kennengelernt, den Bedarf an teuren Büroflächen für die Zukunft gehörig zusammenzustreichen, um so Kosten zu sparen. Umgekehrt entstehen Beschäftigten mit dem Homeoffice nicht selten Mehrkosten, deren Übernahme keineswegs immer geregelt ist.

Zur Wahrheit von Homeoffice und mobiler Arbeitswelt gehört auch, Menschen am mobilen Arbeitsplatz oder Heimarbeitsplatz sind öfter Stresssituationen ausgesetzt - weil sich berufliche und private Sphäre in diesem Fall signifikant öfter gegenseitig stören, heißt es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).  Auch erledigten mobile Computerarbeiter oder Heimarbeiter Tätigkeiten deutlich öfter in ihrer Freizeit.

Zudem gingen die neuen Freiheiten des mobilen Arbeitens oder im Homeoffice nicht selten mit mehr Ergebnisverantwortung einher. Dies wiederum schlage sich zusehends öfter in variablen Vergütungsstrukturen nieder, heißt es in der Studie. Erfolgsabhängige Löhne aber sind keinesfalls jedermanns Sache.

rei/dpa-afx