Preisrutsch in USA Warum der Holzpreis wieder krachend einbricht

Steigende Rohstoffpreise haben Anleger und Häuslebauer im Frühjahr in Atem gehalten. Allein der Holzpreis hat sich binnen weniger Monate verdreifacht. Dass er nun wieder einbricht, hat mit effektiven Märkten und den Ferien in den USA zu tun.
Fichten-Langholz in Sachsen: Nach dem jüngsten Preissturz wird kein Holz mehr in die USA verschifft

Fichten-Langholz in Sachsen: Nach dem jüngsten Preissturz wird kein Holz mehr in die USA verschifft

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Das Frühjahr 2021 hat manchem Häuslebauer auch in Deutschland schlaflose Nächte beschert: Bauholz war kaum zu bekommen oder so teuer, dass zahlreiche Bauherren neu kalkulieren mussten. Zwischen November 2020 und Mai 2021 hat sich der durchschnittliche Preis von rund 500 auf 1600 US-Dollar (je 1000 board foot) mehr als verdreifacht. Anlass für den Preisschub war der Immobilienboom in den USA, wo Häuser meist in Holzständerbauweise gebaut werden. Die rasant steigende Nachfrage in den USA hatte zur Folge, dass auch europäische Sägewerke am Anschlag arbeiteten – um das Holz dann über den Atlantik zu verschiffen.

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Zahllose Heimwerker, die während der Corona-Pandemie das Eigenheim renovieren oder ausbauen wollten, standen in Baumärkten vor leeren Regalen oder sahen den wöchentlich steigenden Preisen mit Sorge zu. Holzwirte und Ökonomen warnten früh vor einer Preisblase und betonten, dass es kein dauerhaftes Geschäftsmodell sei, Holz aus Europa in die USA zu befördern. Und sie sollten Recht behalten: Nach dem halbjährigen Boom ist der Holzpreis nun wieder krachend eingebrochen – seit dem Rekordhoch Mitte Mai ist Holz binnen 8 Wochen wieder um rund 70 Prozent billiger geworden , der Durchschnittspreis pro 1000 board feet liegt mit rund 500 US-Dollar wieder auf dem Niveau vom vergangenen November.

Der Preisrutsch ist Ergebnis eines effektiv funktionierenden Marktes

Der rasche und drastische Preisrückgang überrascht manche Spekulanten, da wegen der jüngsten Waldbrände in Kanada und den Vereinigten Staaten wieder ein geringeres Angebot droht. Doch der starke Preisrutsch ist vor allem ein Ergebnis eines effektiv funktionierenden Marktes: Während Sägewerke in USA, Kanada und Europa in den vergangenen Monaten Sonderschichten fuhren und dadurch das Angebot stark ausweiteten, haben viele Häuslebauer angesichts der horrenden Preise ihre Bauprojekte erst einmal verschoben – und sind in die Sommerferien gefahren. Die Zurückhaltung der Kunden hat seit Mai zu einer schwächeren Nachfrage bei gleichzeitig stark steigendem Angebot geführt – eine Kombination, die den Holzpreis nun wieder stark gedrückt hat.

Nach dem Preisrekord im Mai war der Holzpreis Im Juni bereits um rund 40 Prozent eingebrochen, der stärkste Preiseinbruch seit 43 Jahren. Der Juli könnte ein ebenso schwacher Monat werden – sofern die Urlaubsrückkehrer angesichts der stark gesunkenen Preise nicht sofort wieder zugreifen. Die derzeit stark fallenden Preise für Bauholz ermuntern manchen Bauherren in den USA, mit dem Einkauf weiter abzuwarten. Nach Berechnungen von CNBC haben sich die Baukosten für ein Einfamilienhaus in den USA seit Mitte Mai bereits um mehr als 20.000 US-Dollar wieder verbilligt . Nach Berechnungen der US-Association of Home Builders waren die Baukosten zuvor um rund 30.000 US-Dollar gestiegen.

Der Preis dürfte wieder steigen, aber nicht zur Rekordmarke zurückkehren

Der Preissturz kommt für viele Holzproduzenten und Sägewerke in den USA, die ihre Kapazitäten und Lieferungen von Schnittholz gerade erst deutlich hochgefahren haben, sehr früh. Einige Produzenten haben bei einem Preis von unter 500 Dollar je 1000 Board Feet sogar Mühe, ihre Produktionskosten wieder einzuspielen, heißt es beim Branchendienst Madison Lumber.

Ein dann sinkendes Angebot könnte bei wieder leicht anziehender Nachfrage dazu führen, dass sich der Preis wieder stabilisiert oder leicht steigt. Eine Rückkehr zur Mai-Rekordmarke ist jedoch äußerst unwahrscheinlich – zur Beruhigung der Bauherren in Europa und den USA.

la
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