Steigende Energiepreise Uniper pumpt sich Milliardenbeträge

Wegen der stark steigenden Strom- und Gaspreise hat der Versorger Uniper mit seinem Mutterkonzern Fortum und der KfW Bank Kreditlinien in Milliardenhöhe vereinbart. Rivale RWE sieht sich unterdessen für die Turbulenzen am Energiemarkt gewappnet.
"Wirtschaftlich ist Uniper ein kerngesundes Unternehmen", sagt Uniper-Finanzchefin Tiina Tuomela

"Wirtschaftlich ist Uniper ein kerngesundes Unternehmen", sagt Uniper-Finanzchefin Tiina Tuomela

Foto: Tomi Parkkonen / Uniper

Die starke Nachfrage im Zuge der Konjunkturerholung hat die Preise für Gas ebenso nach oben getrieben wie niedrige Speicherstände und Spekulationen über das Lieferverhalten Russlands. Das setzt nicht nur Verbrauchern zu, sondern stellt auch Energieunternehmen vor Herausforderungen. So hat der Versorger Uniper mitgeteilt, mit der staatlichen KfW eine Kreditfazilität in Höhe von bis zu zwei Milliarden Euro vereinbart zu haben, deren Laufzeit am 30. April 2022 endet. Die Möglichkeit sei bislang jedoch nicht gezogen worden. Es handele sich laut der Mitteilung um eine Absicherungsmaßnahme für den Fall extremer Marktentwicklungen in der Zukunft.

Bei seinem Mutterkonzern Fortum habe Uniper zudem einen Kreditrahmenvertrag über bis zu acht Milliarden Euro teilweise gezogen, berichtete das Düsseldorfer Unternehmen, nannten aber keine Details. Bei seinen Kernbanken habe Uniper eine bestehende Kreditfazilität über 1,8 Milliarden Euro komplett abgerufen. "Wirtschaftlich ist Uniper ein kerngesundes Unternehmen", betonte Finanzchefin Tiina Tuomela (55) in diesem Zusammenhang.

Erst kürzlich habe der Konzern seine Ergebnisprognose für 2021 angehoben. "Uniper ist verpflichtet, Sicherungsleistungen für Commodity-Geschäfte bereitzustellen, die sich aus Unipers gewöhnlicher Geschäftstätigkeit zur Absicherung des Portfolios ergeben", erläuterte das Unternehmen. Die Höhe dieser temporären Sicherungsleistungen hinge vom allgemeinen Energiepreisniveau ab. "Der Grund für die zusätzlichen finanziellen Absicherungsmaßnahmen sind die nie da gewesenen Preissteigerungen von teilweise mehreren Hundert Prozent innerhalb weniger Monate in einem hochgradig volatilen Marktumfeld", sagte Tuomela.

Die Gaspreise in Europa seien um bis zu 1000 Prozent in die Höhe geschossen und kletterten damit bereits im Dezember auf ein nie dagewesenes Niveau, erklärte auch Fortum. Die Finnen halten nach letzten Angaben rund 76 Prozent der Uniper-Anteile. Sie hatten zugesagt, bis Ende 2021 keinen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag anzustreben. Es sehe so aus, als ob es Fortum mit einer Zwangsabfindung (Squeeze Out) der Minderheitsaktionäre nicht besonders eilig habe, sagte ein Händler. Die Fortum-Aktie  notierte am Mittwoch zeitweise mehr als 3 Prozent im Minus, die Nachricht über den erhöhten Finanzierungsbedarf sorgte auch bei Uniper  für einen Kursrutsch von 2,7 Prozent, am Donnerstag jedoch erholte sich die Aktie.

RWE sieht sich gewappnet

Rohstoff- und Energiehändler müssen zusätzliche Mittel zur Sicherung des Wertes ihrer offenen Handelspositionen bis zur Lieferung hinterlegen. Diese sogenannten Margin Calls dienen dazu, bei steigenden und fallenden Kursen Kredit- und Ausfallrisiken abzudecken. "Starke Preisschwankungen führen naturgemäß zu einem temporär großen Liquiditätsbedarf", erklärte in diesem Zusammenhang der Essener RWE-Konzern. Dafür sei entsprechend Vorsorge getroffen worden. Der Uniper-Rivale sieht sich gegen Preissprünge bei Strom und Gas gewappnet. "Wir haben hierfür durch unsere Kreditlinien und weitere Finanzierungsinstrumente Vorsorge getroffen", sagte eine RWE-Sprecherin auf Anfrage. Doch auch die Aktie von RWE war am Mittwoch zunächst unter Druck geraten und erholte sich am Donnerstag leicht.

hr/Reuters
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