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Hoch hinaus

Alcatel SEL: Vorstandschef Dutiné macht im Mutterkonzern Karriere und gibt den AG-Vorsitz auf.
Von Anne Preissner
aus manager magazin 3/2000

So weit hat es noch kein Deutscher in dem französischen Unternehmen gebracht: Im Januar übertrug Alcatel-Chef Serge Tchuruk (62) seinem Stuttgarter Statthalter Gottfried Dutiné (47) die Verantwortung für die Internet-Strategie des Telekommunikationsausrüsters. Eine Schlüsselposition: Über fünf Milliarden Dollar haben die Franzosen in den Aufkauf amerikanischer Internet-Firmen investiert. Das soll sich jetzt möglichst schnell auszahlen.

Seither verstummen die Gerüchte in der Schwabenmetropole nicht mehr: Wie lange wird Dutiné die Mehrfachbelastung als Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Alcatel SEL AG, als Chef der deutschen Alcatel-Holding, als Regionalmanager für Zentraleuropa einschließlich Russland und als Monsieur Internet durchhalten?

Wohl nicht mehr lange. Insider rech- nen damit, dass der Aufsichtsrat im März bekannt gibt, dass sich Dutiné als Vorstandschef der AG zurückzieht.

Mit dieser Personalie steht binnen sechs Jahren der vierte Wachwechsel im deutschen Teilkonzern an. Und das mitten im Umbruch. Dutiné hat den Teilkonzern zwar erfolgreich saniert, doch die Umsatzentwicklung und die Ertragslage der wichtigen Deutsch- land-Tochter sind nach wie vor unbefriedigend (siehe Grafik Seite 48).

Die Aussichten für Alcatel SEL, nach jahrelanger Dauerkrise wieder Tritt zu fassen, stehen allerdings gut. Seiteneinsteiger Dutiné, der 1998 von Blaupunkt zu Alcatel SEL wechselte, nutzte sein Stuttgarter Gastspiel für eine radikale Programmänderung. Während seiner Amtszeit wechselte er das gesamte Vorstandsteam aus. Von 40 Topmanagern, die 1998 noch direkt an den Vorstand berichteten, wurden über 20 sukzessive ausgetauscht.

Mit nicht weniger Nachdruck suchte Dutiné die große Abhängigkeit vom traditionellen Geschäft mit der Deutschen Telekom zu verringern. Binnen zwei Jahren nahm der Telekom-Anteil am Gesamtumsatz um 15 auf 25 Prozent ab. Der Export- anteil stieg um fast 10 auf rund 40 Prozent.

In zäher Kärrnerarbeit schafften es der promovierte Nachrichteningenieur und seine Mannschaft, gegen massive Konkurrenz, darunter Siemens, wichtige Kunden zu gewinnen; darunter das Finanzministerium, das Bundeskanzleramt und zahlreiche Behörden. Auch die defizitäre Sparte Bahntechnik weist wieder zweistellige Zuwachsraten und ordentliche Erträge aus.

Für Alcatel-Chef Tchuruk war das wohl Beweis genug, dass sein deutscher Topmann auf Konzernebene noch mehr bewegen kann. Als Mitglied des neu geschaffenen europäischen Management Committee soll Dutiné als Internet-Stratege eines der wichtigsten Zukunftsgeschäfte des Telekommunikationsausrüsters ausbauen. Gelingt ihm das, wird auch der Deutschland-Ableger profitieren. Anne Preissner

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