Eigentümer vom Flughafen Hahn Chinesisches Luftfahrt-Konglomerat HNA bricht zusammen

Die Gläubiger des chinesischen Firmenkonglomerats HNA haben einen Insolvenzantrag gegen den Konzern gestellt. Der Konzern ist auch Haupteigentümer des Frankfurter Flughafens Hahn.
Rettendes Frachtgeschäft in der Corona-Krise: Der Flughafen Hahn besitzt eine Nachtflugerlaubnis und ist damit besonders für Logistikfirmen interessant

Rettendes Frachtgeschäft in der Corona-Krise: Der Flughafen Hahn besitzt eine Nachtflugerlaubnis und ist damit besonders für Logistikfirmen interessant

Foto: Thomas Frey / dpa

Das chinesische Firmenkonglomerat HNA ist pleite. Gläubiger hätten Insolvenzantrag gegen den Konzern gestellt, erklärte die HNA Group am Freitag und berief sich dabei auf eine Mitteilung des zuständigen Gerichts in der Provinz Hainan. HNA kämpft seit Langem gegen einen Schuldenberg, der das Konglomerat angesichts der Reisebeschränkungen in der Corona-Pandemie und der brachliegenden Luftfahrt- und Tourismusbranche überfordert. Nach Angaben der Luftfahrt-Aufsichtsbehörde CAA haben drei der börsennotierten Firmen unter dem HNA-Dach selbst Insolvenzantrag gestellt. Die Börsenaufsicht und Gerichte müssen dem aber noch zustimmen.

Am Ende könnten große Teile des Konzerns an die Gläubiger oder an neue Investoren gehen. Gu Gang, Leiter einer Arbeitsgruppe der Regierung zur Sanierung des Konzerns, bis vor Kurzem Konzernchef und seit dieser Woche Parteisekretär bei HNA, schrieb am Freitag einen Brief an die Belegschaft, der Reuters vorlag. "Wir haben uns seit drei Jahren in einem pechschwarzen Tunnel vorwärts getastet (...), doch jetzt sehen wir Licht am Ende des Tunnels", heißt es dort. "Nur durch Konkurs und Restrukturierung können wir neu geboren werden."

HNA ist Eigentümer vom deutschen Flughafen Hahn

HNA hat seine Wurzeln in der Regionalfluggesellschaft Hainan Airlines, war aber jahrelang in und außerhalb Chinas aggressiv auf Einkaufstour gegangen, überwiegend finanziert mit Krediten. So hatte sich der Konzern für insgesamt 50 Milliarden Dollar an Firmen von der Hotelkette Hilton bis zur Deutschen Bank beteiligt. Bis Mitte 2019 hatte HNA 707 Milliarden Yuan (90 Milliarden Euro) Schulden angehäuft. Neuere Zahlen liegen nicht vor.

Bei der Deutschen Bank war HNA über den Vermögensverwalter C-Quadrat aus Wien eingestiegen, zwischenzeitlich hielt dieser im Auftrag der Chinesen fast 10 Prozent an dem größten deutschen Geldhaus. 2019 hatte HNA seine letzten Deutsche-Bank-Aktien verkauft und war bei C-Quadrat ausgestiegen. C-Quadrat-Gründer Alexander Schütz sitzt aber immer noch im Aufsichtsrat der Bank.

In Deutschland gehört HNA der Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz, der zwar unter der Ferienflug-Flaute leidet, aber nach Angaben des Branchenverbandes ADV starke Zuwächse bei Frachtflügen verzeichnet. Hahn besitzt eine Nachtflugerlaubnis. Nur vier andere größere deutsche Airports haben ebenfalls eine. Der Flughafen gehört zu 82,5 Prozent dem chinesischen Großkonzern, die restlichen 17,5 Prozent liegen beim Bundesland Hessen. Der chinesische Konzern zahlte damals rund 15 Millionen Euro. Der ehemalige US-Militär-Airport ist der einzige größere Flughafen in Rheinland-Pfalz.

Die Airport-Geschäftsführung versuchte am Samstag ihre Belegschaft zu beruhigen. Die angekündigte Neuausrichtung des Großkonzerns HNA betreffe nicht den Betrieb des Hunsrück-Flughafens und seine Betreibergesellschaft, betont die Hahn-Geschäftsführung. "Die deutsche Gesellschaft erfüllt unverändert ihre Verpflichtungen voll umfänglich und wird dies auch in Zukunft so tun", heißt es weiter in dem Schreiben an die Mitarbeiter, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Es endet mit folgenden Sätzen: "Die in China eingeleiteten Maßnahmen haben keine Auswirkung auf Ihre Tätigkeit. An unserer Zusammenarbeit mit allen Airlines, Kunden, Behörden und Partnern wird sich nichts ändern."

Das rheinland-pfälzische Innenministerium teilte mit, ihm würden derzeit keine entsprechenden Informationen vorliegen. "Das Ministerium hat in einem Schreiben an den chinesischen Generalkonsul in Frankfurt am Main um weitere Informationen gebeten, vor allem auch, ob und welche Auswirkungen auf das Engagement der HNA Group am Flughafen Frankfurt-Hahn zu erwarten sind", hieß es aus Mainz.

Die Regierung in Peking, aber auch Aufsichtsbehörden in Übersee geboten dem Expansionsdrang von HNA letztlich Einhalt, die meisten Auslandsbeteiligungen wurden verkauft. Seit drei Jahren hatte sich das Unternehmen wieder auf das Kerngeschäft Luftfahrt und Tourismus konzentriert. Doch dann ließ die Corona-Pandemie die Erlöse einbrechen. Seit fast einem Jahr arbeitete eine Gruppe von Experten der Provinzregierung von Hainan an einem Sanierungskonzept. Vor einer Woche hatte sie die Prüfung der Bilanzen abgeschlossen und Vorschläge für einen Abbau von Risiken gemacht. Die Finanzzeitung "Caixin" berichtete, die Pläne seien "extrem kompliziert". Zur HNA Group gehörten mehr als 2300 Firmen.

mg/Reuters, dpa-afx
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