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Jaguar XF Hingucker

Das neue Spitzenmodell von der Insel besticht durch sein Äußeres, findet Tester Schweins.
aus manager magazin 8/2008

Auf dem Firmenparkplatz des "rheinischen Mittelständlers aus der Kleinstadt Hilden", wie die Mitarbeiter des TecDax-Dickschiffs Qiagen gern tiefstapeln, sticht der Jaguar XF sofort heraus. Weil seine auffällige Metalliclackierung im Farbton "Emerald Fire" grüngolden in der Sommersonne funkelt. Und durch seine Größe: Mit knapp fünf Metern Länge und elegant gestreckten Karosserieformen wirkt der von Grund auf neu konzipierte Viertürer nicht wie ein Wettbewerber zu BMWs 5er-Reihe oder zum Mercedes CLS. Eher wie aus der Liga der Cheflimousinen, dem Audi A8 zum Beispiel.

"Optisch ein dolles Ding" sei dieser Jaguar, findet dann auch Testfahrer Thomas Schweins, Vice President für Marketing und Strategie beim Biotech-Ausrüster Qiagen. Bewundernd streicht er über die lange Motorhaube und die Frontscheibe, die mit ihrer starken Neigung an einen Sportwagen erinnert.

Drinnen findet sich der Manager sofort zurecht: Der Starterknopf in der Mittelkonsole macht sich durch rotes Blinken bemerkbar; der große runde Wahlschalter für die Getriebeautomatik, an ähnlich zentraler Stelle wie das Bedienelement für BMWs I-Drive, fährt elektrisch aus, sobald der Motor läuft.

Eigentlich, sagt Thomas Schweins, schalte er lieber von Hand. Doch eine Automatik mit Drehknopf sei "definitiv mal was Neues". Die Innenausstattung des XF, so viel stellt er noch fest, bevor er sich auf die Radarfallen im Straßengewirr der Düsseldorfer Vorstädte konzentrieren muss, wirke dank des schweren Leders und der soliden Verarbeitung "seriös und gediegen".

Der Biochemiker, ausgezeichnet mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft, hat sich nach seinem BWL-Aufbaustudium an der Universität von Südkalifornien ganz zum Marketingexperten gemausert. So plaudert Schweins lieber über die Strategie von Jaguar, die jetzt mit der Eingliederung der Marke in den Konzern des indischen Industriemoguls Tata "vor einer großen Herausforderung" stehe, als auf technische Details wie Schaltzeitpunkte oder die Fahrwerksabstimmung zu achten. Erst auf Nachfrage konzediert der Tester dem XF eine "feste, präzise Lenkung" und eine "sensationelle Motorkultur". Vor allem der kernige Sound der Acht-Zylinder-Maschine, der wohldosiert ins Cockpit dringt, hat es dem 41-Jährigen angetan.

Auf den kurvigen Landstraßen entlang der Wupper und beim anschließenden Anstieg nach Solingen erprobt Thomas Schweins immer wieder das Herausbeschleunigen aus den zum Teil steilen Kehren. Das schlägt sich im Verbrauch nieder: 14,8 Liter auf 100 Kilometer meldet der Bordcomputer am Ende der Testfahrt. "Zu viel", findet Schweins.

Der Vielfahrer ist verwöhnt von seinem Dienstwagen, einem Audi A6 Turbodiesel. Der schluckt nach den Angaben seines Nutzers, der normalerweise maßvoller fährt, im Alltag nur gut die Hälfte.

Aber auch mit einem Dieselaggregat würde sich Thomas Schweins den XF nicht zulegen. "Die Marke passt nicht zu unserem Firmenimage", sagt der Qiagen-Manager. Für ihn ist ein Jaguar "das Auto eines Elder Statesman, nicht der Dienstwagen aus der Flotte eines dynamischen Hightech-Unternehmens". Tatsächlich fährt bei Qiagen nur Detlev Riesner, der 67-jährige Chef des Aufsichtsrats, einen Jaguar.

Außerdem kauft sich Thomas Schweins prinzipiell nur Kombis. In die großen Modelle, die seiner Gehaltsgruppe offenstehen, passt auch das Fahrrad, das der begeisterte Mountainbiker immer dabeihaben möchte.

Michael O. R. Kröher

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