Boomgeschäft Kochboxen HelloFresh hebt erneut Prognose an

Die Lieferung von Kochboxen boomt in der Corona-Krise. HelloFresh erhöht deshalb erneut seine Versprechen an die Aktionäre.
HelloFresh profitiert von Corona-Krise

HelloFresh profitiert von Corona-Krise

Foto: DPD

Der Kochboxenlieferant HelloFresh  entwickelt sich immer mehr zu einem der größten Gewinner der Corona-Krise. Der Umsatz sei im zweiten Quartal währungsbereinigt um 122 Prozent auf rund 972 Millionen Euro geklettert, teilte das in Berlin ansässige Unternehmen mit. Es habe eine hohe Anzahl wiederkehrender Bestellungen gegeben und ein Bestellvolumen, "das so groß war, wie noch nie", sagte Firmenchef Dominik Richter (34) am Dienstag. Die Zahl der Kunden sei auf von 2,4 auf fast 4,2 Millionen gestiegen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) legte auf bisher nie erreichte 153,6 Millionen Euro zu.

Bereits am Montagabend hatte HelloFresh die Prognose für das Gesamtjahr erneut angehoben. Beim Umsatz werde jetzt ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 75 bis 95 Prozent erwartet, teilte der seit März im MDax notierte Konzern in Berlin mit. Zuvor hatte Hellofresh ein Plus von 55 bis 70 Prozent angepeilt. Die um Sondereffekte bereinigte Marge auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde bei 9 bis 11 Prozent liegen (zuvor 8 bis 10 Prozent).

Die Aktie  legte anfangs mehr als 8 Prozent zu, zuletzt aber nur noch rund eineinhalb Prozent. Der Erfolg des Unternehmens in der Corona-Krise spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Seit Ende 2019 zog der Kurs um gut 150 Prozent an. Damit ist sie der größte Gewinner unter den deutschen Standardwerten. Dank des Kursanstiegs der vergangenen Monate ist Hellofresh an der Börse derzeit acht Milliarden Euro wert und belegt damit einen Platz im oberen Mittelfeld des MDax, in den Hellofresh erst im März aufgestiegen ist.

Das Unternehmen hatte zuletzt Mitte Juli bei der Vorlage der Eckdaten für das zweite Quartal die Prognosen erhöht. Zu diesem Zeitpunkt hieß es, der Umsatz in den drei Monaten bis Ende Juni liege zwischen 965 Millionen Euro und 975 Millionen Euro - nach 437 Millionen Euro im zweiten Quartal des Vorjahres. Das war nach Angaben des Unternehmens deutlich mehr, als Experten erwartet hatten. Vor allem die Nachfrage in den USA weiter boomt. So sei neben dem durchschnittlichen Bestellwert auch die durchschnittliche Anzahl der Bestellungen pro Kunde gestiegen, hieß es bei der Präsentation.

Das kräftige Umsatzwachstum zahlt sich auch beim operativen Ergebnis aus. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte zwischen 145 Millionen Euro und 155 (Vorjahresquartal: 18,3) Millionen Euro gelegen haben - auch hier hatten die Experten nach Angaben des Konzerns bisher mit deutlich weniger gerechnet.

Hellofresh wurde 2011 gegründet mit finanzieller Unterstützung des Samwer-Inkubators Rocket Internet. Doch Oliver Samwer (48) verkaufte im Mai 2019 die letzten Anteile an dem Kochboxenversender und hat damit den Boom und den kräftigen Kursanstieg verpasst. 2012 beteiligte sich zudem die Vorwerk-Gruppe an Hellofresh.

akn/dpa