Game Changer Award 2022 Hellofresh kocht die Erwartungen hoch

Der Kochboxenversender Hellofresh gehört neben Personio und Sartorius zu den drei Titelträgern des diesjährigen Game Changer Awards. CDU-Wirtschaftssprecher Jens Spahn forderte bei der Preisverleihung in Berlin ein neues Geschäftsmodell für Deutschland.
Von Claus Gorgs
Game Changer 2022 - die Jury und die Gewinner (v. l. n. r.): Walter Sinn, Geschäftsführer Bain & Company Deutschland, Verena Pausder, Gründerin von Fox & Sheep und HABA Digitalwerkstätten, Dominik Richter, Chief Executive Officer & Gründer Hellofresh SE, Rainer Lehmann, Finanzvorstand CFO Sartorius AG, Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender Sartorius AG, Gerry Mackay, Mitglied des Vorstands Sartorius AG, René Fáber, Mitglied des Vorstands Sartorius AG, Roman Schumacher, Co-Founder & Chief Product Officer Personio GmbH, Philipp Justus, Vice President Central Europe Google, Inc., Simone Salden, Stellvertretende Chefredakteurin manager magazin und Martin Noé, Chefredakteur manager magazin

Game Changer 2022 - die Jury und die Gewinner (v. l. n. r.): Walter Sinn, Geschäftsführer Bain & Company Deutschland, Verena Pausder, Gründerin von Fox & Sheep und HABA Digitalwerkstätten, Dominik Richter, Chief Executive Officer & Gründer Hellofresh SE, Rainer Lehmann, Finanzvorstand CFO Sartorius AG, Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender Sartorius AG, Gerry Mackay, Mitglied des Vorstands Sartorius AG, René Fáber, Mitglied des Vorstands Sartorius AG, Roman Schumacher, Co-Founder & Chief Product Officer Personio GmbH, Philipp Justus, Vice President Central Europe Google, Inc., Simone Salden, Stellvertretende Chefredakteurin manager magazin und Martin Noé, Chefredakteur manager magazin

Foto: Bain & Company

Erst am Mittwoch überraschte das Dax-Unternehmen Hellofresh die Börse mit guten Quartalszahlen und bescherte der Aktie ein zweistelliges Kursplus. Nur einen Tag später legt Vorstandschef Dominik Richter (36) die Latte noch höher. "Derzeit werden 0,1 Prozent aller selbst gekochten Gerichte mit Boxen von Hellofresh zubereitet", sagte er bei der Preisverleihung des Game Changer Awards 2022 am Donnerstagabend in Berlin. "Ich denke, daraus könnten auch 0,2 Prozent oder 0,3 Prozent werden." Das entspräche einer Verdopplung beziehungsweise Verdreifachung des Umsatzes.

Ehrgeizige Ziele gehören dazu, um sich als Unternehmen für den Game Changer Award zu qualifizieren. Um ihn zu gewinnen, sollte man sie allerdings auch erreichen. In diesem Jahr ist das neben Hellofresh dem Medizintechnikkonzern Sartorius und dem Softwareanbieter Personio gelungen.

Der Game Changer Award wird seit 2015 von manager magazin und Bain & Company verliehen. Ausgezeichnet werden Unternehmen, denen es mit Innovationen gelungen ist, die Spielregeln in ihrer Branche zu verändern. Der Preis wird in drei Kategorien vergeben, die Gewinner von einer siebenköpfigen Jury ausgewählt.

Die Preisträger des Game Changer Award 2022

- Customer Experience: Hello Fresh

- Product & Service Innovation: Sartorius

- Operations of the Future: Personio

Der Kochboxen-Versender Hellofresh habe mit seinem Konzept den Nerv der Zeit getroffen , sagte Jurymitglied und Gründerin Verena Pausder (43) in ihrer Laudatio. Vorportioniertes Essen zuzubereiten, entspreche dem Lebensgefühl der jungen Generation und sei gleichzeitig ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. "Ihr sorgt dafür, dass wir gesünder essen und weniger Lebensmittel wegwerfen." Den Preis übergab sie CEO Richter persönlich. "Wir wollten ihn nicht in einer Box zuschicken." 2021 hatte die Preisverleihung aufgrund der Pandemie virtuell stattfinden müssen.

Game Changer Hellofresh: Walter Sinn, Geschäftsführer Bain & Company Deutschland, Dominik Richter, Chief Executive Officer & Gründer Hellofresh, Verena Pausder, Gründerin von Fox & Sheep und HABA Digitalwerkstätten und Martin Noé, Chefredakteur manager magazin (v. l. n. r.)

Game Changer Hellofresh: Walter Sinn, Geschäftsführer Bain & Company Deutschland, Dominik Richter, Chief Executive Officer & Gründer Hellofresh, Verena Pausder, Gründerin von Fox & Sheep und HABA Digitalwerkstätten und Martin Noé, Chefredakteur manager magazin (v. l. n. r.)

Foto: Bain & Company

Nachhaltigkeit ist für Bain-Deutschland-Chef Walter Sinn (56) das unternehmerische Erfolgskriterium der Zukunft. Neun von zehn deutschen Vorstandschefs sagten in einer Umfrage der Beratung, der ökologische Umbau sei das Topthema auf ihrer strategischen Agenda. "Nachhaltigkeit ist keine Frage der Haltung mehr, sondern der Handlung. Wir stehen nicht vor einer Zeitenwende, wir sind schon mittendrin."

Personio: Digitalisierer des Personalwesens

Noch nie haben es so viele Unternehmen, bei denen Nachhaltigkeit zum Kern des Geschäftsmodells gehört, in den Kreis der 15 Finalisten geschafft wie in diesem Jahr. Mit Personio hat es ein weiteres von ihnen aufs Treppchen geschafft: Personio digitalisiert mithilfe einer selbst entwickelten Software grundlegende Aufgaben des Personalwesens  für kleinere und mittlere Unternehmen, vom Urlaubsantrag bis zur Dokumentation von Personalgesprächen. "Das ist ein sehr effizientes Tool, das hilft, jede Menge Papier einzusparen", so Juror Philipp Justus, Vice President Central Europe bei Google.

Game Changer Personio: Walter Sinn, Geschäftsführer Bain & Company Deutschland, Roman Schumacher, Co-Founder & Chief Product Officer Personio GmbH, Philipp Justus, Vice President Central Europe Google, Inc. und Martin Noé, Chefredakteur manager magazin (v. l. n. r.)

Game Changer Personio: Walter Sinn, Geschäftsführer Bain & Company Deutschland, Roman Schumacher, Co-Founder & Chief Product Officer Personio GmbH, Philipp Justus, Vice President Central Europe Google, Inc. und Martin Noé, Chefredakteur manager magazin (v. l. n. r.)

Foto: Bain & Company

Mit einer Bewertung von aktuell 6,3 Milliarden US-Dollar sei Personio inzwischen Deutschlands drittgrößtes nicht börsennotiertes Start-up. "Dass die Investoren derart auf unser Potenzial wetten, motiviert uns", sagt Co-Gründer Roman Schumacher (30) in seiner Dankesrede.

Die Jury des Game Changer Award:
  • Nicola Leibinger-Kammüller (Vorsitzende der Geschäftsführung Trumpf)

  • Andreas von Bechtolsheim (Chairman und CDO Arista)

  • Philipp Justus (Vice President Central Europe Google)

  • Joe Kaeser (Aufsichtsratsvorsitzender Siemens Energy und Daimler Truck)

  • Harald Krüger (Berater und ehemaliger CEO von BMW)

  • Verena Pausder (Gründerin Fox & Sheep / Haba Digitalwerkstätten),

  • Martin Noé (Chefredakteur manager magazin)

  • Walter Sinn (Managing Partner Bain & Company)

Sartorius: Revolutionäre Ideen in der Medizintechnik

In der Kategorie Product & Service Innovation ging der Preis in diesem Jahr an Sartorius. Dank revolutionärer Ideen in der Medizintechnik  sei das Göttinger Dax-Unternehmen inzwischen systemrelevant, sagte der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser in seiner Laudatio. "Ohne Sartorius hätte die Herstellung des Corona-Impfstoffs von Biontech nie so schnell hochgefahren werden können." Das Biotech-Unternehmen hatte im vergangenen Jahr den Game Changer Award gewonnen. Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg (57) führt die Innovationskraft seines Unternehmens auch auf die Offenheit gegenüber Impulsen von außen zurück. "Wir kooperieren sehr viel mit Kunden, mit Wissenschaftlern, mit Start-ups. In der Branche verändert sich alles so schnell, dass unser Unternehmen heute schon wieder ganz anders aussieht als noch vor drei Jahren."

Game Changer Sartorius AG: Walter Sinn, Geschäftsführer Bain & Company Deutschland, René Fáber, Mitglied des Vorstands Sartorius AG, Rainer Lehmann, Finanzvorstand CFO Sartorius AG, Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender Sartorius AG, Gerry Mackay, Mitglied des Vorstands Sartorius AG und Martin Noé, Chefredakteur manager magazin (v. l. n. r.)

Game Changer Sartorius AG: Walter Sinn, Geschäftsführer Bain & Company Deutschland, René Fáber, Mitglied des Vorstands Sartorius AG, Rainer Lehmann, Finanzvorstand CFO Sartorius AG, Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender Sartorius AG, Gerry Mackay, Mitglied des Vorstands Sartorius AG und Martin Noé, Chefredakteur manager magazin (v. l. n. r.)

Foto: Bain & Company

Spahn fordert "Game Changer für das Geschäftsmodell Deutschland"

Einen vergleichbaren Willen, sich neu zu erfinden, forderte Jens Spahn (41) auch von der Wirtschaft als Ganzes. "Wir brauchen einen Game Changer für das Geschäftsmodell Deutschlands", sagte der frühere Bundesgesundheitsminister, der seit dem Regierungswechsel in der CDU-Bundestagsfraktion für die Themen Wirtschaft und Energie zuständig ist, bei seinem Gastauftritt. "Bisher basierte unser Konzept darauf, dass die Amerikaner uns beschützen, wir unsere Waren in alle Welt verkaufen, insbesondere nach China, und Russland uns die günstige Energie für deren Produktion liefert. Nichts davon funktioniert heute noch." Die globalen Krisen könnten dazu führen, dass die Inflation am Ende des Jahres zwischen acht und zehn Prozent liege", so der Oppositionspolitiker.