Auch Fusionspartner Faurecia rudert zurück Hella kappt Jahresprognose wegen Chipmangels

Hella und sein französischer Fusionspartner Faurecia bekommen den Mangel an Elektronikteilen und Mikrochips zu spüren. Die beiden Autozulieferer nahmen daher am Donnerstag ihre Jahresziele zurück.
Autozulieferer Hella: Umsatz von nur noch 6 bis 6,5 Milliarden Euro erwartet

Autozulieferer Hella: Umsatz von nur noch 6 bis 6,5 Milliarden Euro erwartet

Foto: WOLFGANG RATTAY / REUTERS

Der weltweite Chipmangel durchkreuzt auch die Geschäftspläne des Autozulieferers Hella. Das Management kappte seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr: Weil die Autohersteller infolge der Engpässe weniger Fahrzeuge bauen können, rechnet Hella im laufenden Geschäftsjahr bis 31. Mai 2022 nur noch mit einem Umsatz von 6 bis 6,5 Milliarden Euro. Bisher war der Vorstand von 6,6 bis 6,9 Milliarden Euro ausgegangen. Währungseffekte sowie der Kauf- und Verkauf von Unternehmensteilen sind dabei ausgeklammert.

Zudem dürfte ein geringerer Teil des Umsatzes als bereinigter operativer Gewinn beim Unternehmen hängen bleiben: Das Management rechnet jetzt mit einer bereinigten operativen Marge von 5 bis 7 Prozent. Bisher hatte Hella etwa 8 Prozent angepeilt. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,5 Prozent auf nun 1,5 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Gewinn legte ebenfalls zu - von 56 auf nun 91 Millionen Euro. Der Start ins neue Geschäftsjahr sei dennoch "sehr herausfordernd", sagte Hella-Chef Rolf Breidenbach.

Trotz voller Auftragsbücher machten Hella die Materialengpässe zunehmend zu schaffen, erklärte Breidenbach am Donnerstag. "Durch pandemiebedingte Produktionsstillstände bei einigen Chiplieferanten in Asien hat sich die Situation in den letzten Wochen weiter verschärft." Daher sei mit einem deutlichen Rückgang der weltweiten Fahrzeugproduktion zu rechnen.

Auch Faurecia leidet unter Halbleitermangel

Auch die Faurecia-Gruppe, die erst vor wenigen Wochen den Zuschlag für die Übernahme von Hella erhalten hatte, ächzt unter dem Halbleitermangel. Wegen der aktuell hohen Volatilität und des zu erwartenden starken Rückgangs der Autoproduktion nehme der Vorstand seine Prognose für 2021 zurück, hieß es. Der Informationsdienst IHS Markit prognostiziert, dass 2021 aufgrund der Chip-Knappheit weltweit nur 72 Millionen Fahrzeuge produziert werden würden, 4,8 Millionen weniger als ursprünglich erwartet.

Chipmangel kommt Autoindustrie teuer

Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Prognose der Unternehmensberatung Alix Partners werden in diesem Jahr weltweit 7,7 Millionen Fahrzeuge weniger produziert als ursprünglich angenommen. Während die Autobauer dies zum Teil mit höheren Fahrzeugpreisen kompensieren könnten, täten sich die Zulieferer damit schwerer, analysierte Marcus Kleinfeld von Alix Partners in Deutschland. Deshalb treffe der Chipmangel sie noch stärker als die Autobauer. Das Geschäft der Autozulieferer hängt vor allem vom Produktionsvolumen der Hersteller ab.

Der Kurs der Hella-Papiere reagierte kaum auf die gesenkte Jahresprognose. Allerdings befindet sich der Automobilzulieferer momentan mitten in einem Übernahmeprozess. Der französische Konkurrent Faurecia übernimmt von den Hella-Eigentümerfamilien Hueck und Röpke 60 Prozent der Aktien und will den übrigen Aktionären ein Kaufangebot in Höhe von 60 Euro je Aktie unterbreiten

la/reuters/dpa-afx
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