Rangliste Das sind die größten Hedgefonds der Welt

Ob Elliot, Bridgewater oder Renaissance – kündigen sich Hedgefonds an, haben sie in der Regel Milliarden Dollar im Gepäck. Einige halten Hedgefonds für Heuschrecken, die abgrasen und weiterziehen, andere sprechen ihnen eine wichtige Funktion am Kapitalmarkt zu. Wer die größten ihrer Art sind und was das Besondere an ihnen ist, erklärt Wirtschaftsprofessor Oliver Spalt.
Hedgefonds: Stets auf der Suche nach der größtmöglichen Rendite

Hedgefonds: Stets auf der Suche nach der größtmöglichen Rendite

Foto: Sergey Nivens / Shotshop / imago images

Sie bewegen Milliarden Dollar, wetten auf fallende oder steigende Kurse – Hedgefonds sorgen in der Wirtschaftswelt immer wieder für Aufsehen. Was sind die Merkmale von Hedgefonds, welche sind die größten Hedgefonds und warum sind sie so umstritten? manager magazin sprach darüber mit Oliver Spalt, Wirtschaftsprofessor an der Universität Mannheim.

Was sind Hedgefonds?

Seit der damalige SPD-Chef Franz Müntefering Hedgefonds im Jahr 2005 als "Heuschrecken" brandmarkte, wird in Deutschland kontrovers über die Rolle von Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften diskutiert. Klar ist: Hedgefonds gehen riskante Geschäfte ein, oft mit geliehenem Geld, um im Erfolgsfall ihre Rendite zu hebeln ("leverage"). Sie sind auch weniger transparent als zum Beispiel börsennotierte Gesellschaften.

Hedgefonds wurden in den 50er Jahren für institutionelle Investoren in den USA gegründet, in Deutschland wurden sie erst Jahrzehnte später erlaubt. Das Management oder der Fondsmanager versucht dabei mit dem Geld der Anleger eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Hohen Gewinnen im Erfolgsfall stehen dramatische Verluste gegenüber, wenn die Wette des Fondsmanagements schief geht. Dann ist auch ein Totalverlust möglich.

Das Wort Hedgefonds stammt vom Englischen "to hedge", was mit "absichern" übersetzt wird. Hedge meint hier den Mechanismus, dass Verluste an den Aktienmärkten mit Hilfe von Derivaten wie Futures und Optionen aufgefangen werden sollen. Die ursprüngliche Idee war, Portfolios zum Beispiel aus Aktien gegen Kurseinbrüche abzusichern. Die Fondsmanager sollen demnach zugleich Termingeschäfte und Optionsgeschäfte eingehen, die im Fall fallender Märkte einen Gewinn erzielen. Auf diese Weise kaufen sie eine Absicherung ein.

Trotz aller Risiken ist die Anlage über einen Hedgefonds offensichtlich attraktiv, was der Blick auf das verwaltete Vermögen durch Hedgefonds beweist. So stieg das Volumen bis Ende 2021 auf über 4,5 Billionen US-Dollar weltweit.

Welche Hedgefonds sind die größten?

Hedgefonds werden von einzelnen oder mehreren Managern aktiv gesteuert. Bekannte Hedgefonds-Manager sind beispielsweise Ray Dalio (73), James Simons (84), George Soros (92), Christopher Hohn (55) und Paul Singer (78). Zu den größten Hedgefonds-Unternehmen weltweit gehören laut "Pensions & Investments"  Bridgewater Associates, Man Group, Renaissance Technologies, Elliott und Millennium Management.

Die 15 größten Hedgefonds 2022

Rang

Unternehmen

Verwaltetes Vermögen in Milliarden Dollar*

1

Bridgewater Associates

126,4

2

Man Group

73,5

3

Renaissance Technologies

57

4

Elliott Investment Management

55,7

5

Millennium Management

54,968

6

Citadel

52,97

7

D.E. Shaw Group

47,861

8

Two Sigma Investments

40,969

9

David Kemper Capital Management

37,45

10

Farallon Capital Management

37,4

11

TCI Fund Management

36,2

12

Marshall Wace

34,4

13

Ruffer

31,662

14

AQR Capital Management

28,2

15

Anchourage Capital Group

27,1

Quelle: Pensions&Investments (ergänzt durch manager magazin), * Stand: 30. Juni 2022

Die größten Hedgefonds verwalten Milliarden-Dollar-Beträge. Viele konnten ihre Volumina in den vergangenen Monaten sogar noch steigern, andere verloren dagegen.

Welche Strategien verfolgen Hedgefonds?

Hedgefonds sind mit ihren Investments nicht auf bestimmte Anlageklassen beschränkt wie zum Beispiel herkömmliche Investmentfonds. "Hedgefonds können prinzipiell in jegliche Art von Vermögensgegenstand investieren", erklärt Oliver Spalt, Professor für Finanzwirtschaft und Finanzmarktinstitutionen an der Universität Mannheim, gegenüber manager magazin.

"In der Praxis existieren viele verschiedene Anlagestrategien", erklärt der Experte. Verglichen mit anderen Investmentvermögen wie offene Investmentfonds, unterliegen Hedgefonds nur wenigen Beschränkungen. So können sie beispielsweise in Aktien, Rohstoffe, Währungen aber auch Immobilien investieren.

Der Wirtschaftsprofessor betont jedoch: "Es gibt nicht einfach 'den Hedgefonds'." Gemein ist ihnen, dass sie in der Regel "eher risikoreiche und renditeträchtige Anlagestrategien" verfolgen. "Oftmals umfassen sie den Einsatz von hohem Leverage (Anm. d. Red.: Fremdkapitaleinsatz) sowie Leerverkäufen", so Spalt. Dabei leihen sich Hedgefonds in der Regel für einen gewissen Zeitraum Aktien, um sie zunächst zu verkaufen und später bei gefallenen Kursen wieder zurückzukaufen. Die Differenz ist der Gewinn.

Im Kurzporträt: Die fünf größten Hedgefonds 2022

Der Hedgefonds wurde schon 1975 von Ray Dalio (73) gegründet. Der Hauptsitz liegt in den USA in Westport, Connecticut. Mittlerweile verwaltet der Starinvestor ein Vermögen von 105,7 Milliarden Dollar (Stand 2021). Bridgewater gilt als quantitativer Hedgefonds. Hunderte Mathematiker und Physiker analysieren dabei die Daten verschiedenster Finanzmärkte und Wirtschaftsbereiche, um daraus Anlagestrategien zu entwickeln. In den Fonds werden Dutzende bis Hunderte Strategien gleichzeitig eingesetzt. Neben Bridgewater werden aus den Top Ten auch Man Group, Renaissance Technologie, DE Shaw, Two Sigma und Citadel zu den quantitativen Hedgefonds gezählt.

Roy Dalio sorgte Mitte des Jahres mit seiner Wette auf fallende Kurse von europäischen Konzernen für Aufsehen, darunter auch zehn Dax-Konzerne. Das Investitionvolumen lag bei 10,5 Milliarden Dollar. Bridgewater hat die Leerverkaufspositionen inzwischen teilweise wieder deutlich reduziert. Ob Dalios Wette letztendlich aufgegangen ist, ist unklar.

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Unterschiedliche Strategien von Hedgefonds:

  • Long-Short-Strategie: Hedgefonds-Manager kaufen und verkaufen Unternehmensaktien in der Hoffnung auf eine bestimmte Aktienentwicklung, um schellen Gewinn machen zu können. Dies ist die am häufigsten verbreitete Strategie, oftmals beinhaltet sie auch Leerverkäufe.

  • Arbitrage-Strategie: Hierbei nutzen die Manager Preisdifferenzen von Aktien an unterschiedlichen Aktienmärkten.

  • Event-Driven-Strategie: Hedgefonds-Manager nutzen bestimmte Ereignisse, um mit Aktien Gewinn zu erzielen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Unternehmenszusammenschlüsse und -fusionen und Übernahmen.

  • Global-Makro-Strategie: Hier werden makroökonomische Entwicklungen genaustens beobachtet und analysiert, um dann entsprechend über Anlagen zu entscheiden. Typisch sind hier Investitionen zum Beispiel in Währungen.

Warum sind Hedgefonds so umstritten?

Einige Hedgefonds spekulieren auf fallende Unternehmenskurse. Das sind sogenannte Shortseller. Andere setzen beispielsweise auf steigende Rohstoffpreise. "Solche Hedgefonds machen Gewinn, wenn es Unternehmen schlecht geht oder wenn beispielsweise Preise für Weizen in die Höhe schießen", erklärt Spalt. "Moralisch argumentiert, profitieren solche Hedgefonds von der Not von Mitarbeitenden, die vor der Entlassung stehen oder von der Not von Bevölkerungen, die sich möglicherweise bald kein Brot mehr leisten können."

2005 brandmarkte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering (82) Hedgefonds als "Heuschrecken". Für Aufsehen hatte damals unter anderem der Einstieg der Beteiligungsfirma Texas Pacific Group (TPG) bei dem westfälischen Sanitärhersteller Grohe im Jahr 2004 gesorgt. Gründersohn Charles Grohe sprach seinerzeit von einem "Termiteneinfall". Im gleichen Jahr übernahm zudem TPG-Konkurrent Blackstone die Chemiefirma Celanese und brachte sie später an die Börse. Das Bild der gierigen Investoren war zum Synonym für die Auswüchse des Kapitalismus geworden.

"Man sollte die Bezeichnung 'Heuschrecken' nicht zu voreilig verwenden", meint Spalt. Hedgefonds könnten auch marktbereinigend wirken. Durch ihre Handelsaktivitäten, die oft auf "harten Informationen" basieren, können Hedgefonds Preise auch effizienter machen." Letzten Endes käme das allen Marktteilnehmern zugute, so der Wirtschaftsprofessor.

Zwar gebe es auch Hedgefonds, die auf steigende Unternehmenskurse oder auf sinkende Weizenpreise spekulieren. Die Kernfrage sei aber, ob Hedgefonds durch ihr Handeln die Preise bewegen, egal in welche Richtung. Im Fall von Grohe kam ein späteres Gutachten der Bundesregierung beispielsweise zu dem Schluss, TPG wie auch BC Partners, die schon früher bei Grohe eingestiegen waren, hätten dem Unternehmen gutgetan.

Was sind aktivistische Hedgefonds?

Ein besonderer Typus von Hedgefonds sind die sogenannten aktivistischen Hedgefonds. Diese Fonds kaufen sich bei Unternehmen ein und versuchen dann die strategische Ausrichtung der Unternehmen zu beeinflussen. "Die Befürchtung ist, dass solche Hedgefonds sich an den Unternehmen kurzfristig bereichern", sagt Spalt.

Empirische Studien deuteten tatsächlich darauf hin, dass es nach einem Einstieg eines aktivistischen Hegefonds vermehrt zu Entlassungen komme. Maßnahmen im Bereich Sustainability würden zurückgefahren und ganz allgemein Ausgaben gekürzt, erläutert Spalt. Allerdings müsse man bei der Bewertung dieser Befunde beachten, dass es auch Unternehmen gebe, die ineffizient wirtschafteten und mit besserer Organisation, weniger Ausgaben und weniger Mitarbeitern mehr leisten könnten. Falls ein aktivistischer Hedgefonds in einer solchen Firma aktiv wird, können die durch den Fonds angestoßenen Veränderungen das Unternehmen profitabler machen, was wiederum den Unternehmenswert für alle Aktionäre steigert. Empirische Studien zeigen, dass dies häufig der Fall sei.

Wie sich das Geschäft der aktivistischen Hedgefonds wandelt und was das für Deutschland bedeutet, lesen Sie hier ausführlich.

Wie wird sich die Wirtschaftskrise auf das Ranking auswirken?

Die Ukrainekrise, Inflation und Rezessionsängste sowie die Auswirkungen der Covid-Pandemie mit gestörten Lieferketten wirbeln die wirtschaftlichen Entwicklungen weltweit durcheinander. Von einer Zeitenwende sprechen Politiker, von drohenden neuen Wirtschaftsblöcken, die die Wirtschaftsordnung fundamental ändern könnten, spricht Gita Gopinath (50), stellvertretende Direktorin des IWF. Roy Dalio (73) warnte in einem Interview vor einer neuen Wirtschaftskrise  und einem Krieg zwischen den USA mit Russland und China. Wie stellen sich die Fondsmanager auf diese Zeiten ein?

"Hedgefonds sind nicht sonderlich transparent und lassen sich selten in ihre Karten schauen", erklärt Spalt. Es sei also im Einzelnen schwierig zu sagen, ob und wie Portfolios umgeschichtet werden. "Allgemein befinden wir uns aber in volatilen Zeiten", sagt der Wirtschaftswissenschaftler. "Und volatile Zeiten sind Zeiten, in denen Hedgefonds durch ihre große Flexibilität und Risikobereitschaft besonders profitieren können."

Dass es nicht nur Gewinner geben wird, steht aber auch schon fest. Das zeigen einige Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. So hatte sich etwa der Hedgefonds Melvin Capital gründlich verhoben, als der Fonds massiv gegen die Aktie der Spielekette GameStop gewettet hatte. Der Fond verlor Milliarden Dollar, ein Jahr später löste ihn der Gründer ganz auf. Ebenfalls im vergangenen Jahr kollabierte der Hedgefonds Archegos Capital Management. Er hatte sich insbesondere mit Papieren von Viacom CBS verspekuliert und schickte mit seiner Pleite Schockwellen durch die Bankenbranche.

Mitte dieses Jahres sorgte dann der Pleite-Hedgefonds Three Arrows Capital für Aufruhr – vor allem in der Kryptowelt. Der Fonds galt als einer der wichtigsten Player im Markt für Kryptowährungen. Am Ende scheiterte er unter anderem am Kollaps zweier angeblicher Stablecoins.

Angesichts der starken Marktschwankungen derzeit könnte sich das Ranking der größten Hedgefonds im laufenden Jahr deutlich ändern. "Volatilität ist da", meint Spalt. "Und damit auch das Potenzial für große Gewinne - und Verluste."

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