Neue Filme werden 2021 sofort gestreamt Hollywood-Riese Warner schaltet die Kinos aus

Diese Entscheidung könnte eine ganze Branche verändern: Das US-Studio Warner Bros. will alle seine Filme im kommenden Jahr zeitgleich zum Kino auch ins Onlinestreaming bringen. Grund ist zunächst die Corona-Krise - doch was kommt danach?
Blockbuster: Szene aus "Wonder Woman 1984" mit Gal Gadot - der Filmstart wurde wegen geschlossener Kinos verschoben und landet jetzt zeitgleich im Streaming.

Blockbuster: Szene aus "Wonder Woman 1984" mit Gal Gadot - der Filmstart wurde wegen geschlossener Kinos verschoben und landet jetzt zeitgleich im Streaming.

Foto: Clay Enos / AP

Der Unterhaltungskonzern Warner Bros. hat eine Entscheidung verkündet, die weitreichende Folgen für die gesamte Kinobranche haben könnte. 2021 will das Unternehmen alle seine neuen Filme zeitgleich im Kino und per Online-Streaming herausbringen. Die Maßnahme wurde zunächst für das kommende Jahr vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie beschlossen. Kinobesitzer dürften sich jedoch spätestens jetzt fragen, ob ihr Geschäft jemals wieder so laufen wird, wie vor der Krise.

"Wir leben in beispiellosen Zeiten, die nach kreativen Lösungen verlangen", erklärte Warner-Bros.-Chefin Ann Sarnoff (59). "Niemand wünscht sich Filme auf der großen Leinwand mehr zurück als wir. Wir wissen, dass neue Inhalte das Herzblut für Kinos sind, aber wir müssen das mit der Tatsache ausbalancieren, dass die meisten Kinos in den USA das Jahr 2021 über wahrscheinlich nur mit begrenzten Kapazität betrieben werden."

Wegen der Pandemie wolle man im kommenden Jahr diese neue Vermarktungsstrategie einführen, gab das Hollywood-Studio am Donnerstag bekannt. Nach diesem Model sollen 17 Filme, darunter "Godzilla vs. Kong", "The Suicide Squad", "Dune" und "Matrix 4", in den USA gleichzeitig mit dem Kinostart auch beim Streamingdienst HBO Max des Medienkonzerns Warner Media erscheinen. Gewöhnlich liegen Wochen zwischen der Veröffentlichung im Kino und der späteren Streaming-Verwertung.

"Wonder Woman 1984" macht den Anfang

Die Filme seien einen Monat lang bei HBO Max zu sehen, hieß es. Danach sollten sie in den USA und weltweit dann nur noch in den Kinos laufen.

Dieses Veröffentlichungsmodell hatte Warner Bros. kürzlich bereits für den Film "Wonder Woman 1984" angekündigt. Der Superheldinnenstreifen kommt am 25. Dezember gleichzeitig bei HBO Max und in den US-Kinos heraus. Wegen der Coronavirus-Pandemie war der Kinostart zuvor mehrmals verschoben worden.

Disney hatte schon vor der Pandemie damit begonnen , Titel auf den eigenen Streamingdienst Disney+ statt ins Kino zu bringen - und treibt den radikalen Wandel jetzt voran. Anders als Disney oder auch Netflix  ist HBO Max aber nicht global aufgestellt. So wird für Warner Bros. noch schwieriger, die Kosten für die Produktion von Blockbuster-Filmen mit dem Streamingangebot hereinzuspielen.

Eigentlich gehe es bei der Entscheidung nur um wenige Blockbuster-Titel, erklärte der Analyst und Investor Matthew Ball, früher Chefstratege von Amazons Streamingeinheit. Die Zuschauerzahlen seien seit Langem rückläufig, das Kino habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend zum Kanal für Blockbuster entwickelt, von denen Einspielergebnisse von 750 Millionen Dollar bis zu einer Milliarde Dollar erwartet werden. Viele Titel hätten ohnehin nie eine Aussicht gehabt, im Kino zu landen.

In wichtigen Märkten in den USA und weltweit sind viele Kinos wegen der Coronavirus-Krise geschlossen oder dürfen nur mit geringer Auslastung öffnen. Zahlreiche geplante Filmstarts sind in den letzten Monaten auf 2021 verlegt worden.

cr, rs/dpa, AFP
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