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Hartmut Gasser

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn graust vor der Zukunft. Privatbahner Hartmut Gasser hingegen freut sich drauf. Der Netlog-Chef organisiert einen viel versprechenden Container-Shuttle - und eine persönliche Revolution.
aus manager magazin 2/2001

Hartmut Gasser (58) ist Deutschlands umtriebigster Bahn-Beamter. Nicht dass der Autor dieser Zeilen das Tagwerk aller Bahn-Beamten überblickte. Aber leistet einer mehr für den Verkehr auf Schienen als Hartmut Gasser?

Gäbe es ihn nicht, würden heute alle Post-Pakete mit dem Lkw kutschiert. Und ohne ihn wäre die Welt um eine bemerkenswerte Privatbahn ärmer.

Gasser ist zwar Beamter, auf dem Papier. Doch sein Geld verdient er schon seit 1984 bei privaten Unternehmen. Die haben ihn ausgeliehen, zahlen ihm ein hübsches Gehalt und der Bahn die Pensions-Rückstellungen.

Seine erste Großtat vollbrachte er beim internationalen Speditionskonzern TNT. Der hatte 1994 von der Deutschen Post den Auftrag erhalten, eine Art Transport-Gau zu verhindern. Bei ihrem neuen Paketsystem hatte die Post ganz auf den Lkw gesetzt und kräftig Ohrfeigen kassiert. Gasser sollte dafür sorgen, dass wenigstens ein gewisser Teil der Pakete auf der Schiene bliebe.

Die Mission gelang. Inzwischen fahren werktags wieder 20 Prozent der Post-Pakete mit dem Zug, an Wochenenden sogar 50 Prozent.

Dann entwickelte Gasser einen Aufsehen erregenden Zug-Shuttle, den die Deutsche Post und United Parcel Service (UPS) gemeinsam nutzen wollten. In letzter Minute sprangen die Auftraggeber ab, aus gegenseitigem Argwohn. "Wirklich schade um das Projekt", blickt Gasser zurück, "aber vielleicht bekommt es bald noch mal eine Chance."

Seit Juni 2000 stellt Gasser nun selbst die Weichen. Als Chef der Netlog GmbH in Bad Honnef führt er Deutschlands erste private Container-Bahn an. Die verbindet als Boxxpress.de mit fünf Loks und 130 Waggons täglich die Seehäfen Hamburg und Bremerhaven mit München, Nürnberg und Stuttgart.

Pioniere brauchen Geduld. "Am Anfang lief bei uns noch vieles schief", gesteht der verbeamtete Privatunternehmer. Loks blieben liegen, der Leasingpartner Siemens kam mit den Reparaturen nicht nach, und die Deutsche Bahn schickte den Konkurrenten wegen der Expo öfter mal unvorhergesehen aufs Nebengleis.

Mittlerweile steht der Fahrplan. Die Waggons sind gut ausgelastet, von prominenten Kunden wie Quelle, Adidas oder dem Hofbräuhaus.

Nur einer bremst die Fahrt: die Bahn. Die, klagt Gasser, verlange von den Privaten deutlich mehr Wegegeld als von ihrer eigenen Gütertochter, der DB Cargo. Dagegen lehnt er sich auf, auch als Chef des neuen Europa-Verbands "Netzwerk Privatbahnen".

Dass er seinem alten Arbeitgeber an den Karren fährt, sieht Gasser "ganz lässig". "Wettbewerb auf der Schiene ist politisch erwünscht", argumentiert er. Und ein ordentlicher Beamter nimmt den politischen Willen ernst. Michael Machatschke

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Unternehmen So schlank kann eine Bahn sein: Die Netlog Netzwerk-Logistik GmbH in Bad Honnef beschäftigt lediglich zehn Mitarbeiter. Geschäftsführer Hartmut Gasser und sein Team organisieren; den eigentlichen Bahnbetrieb erledigen Partnerfirmen, ebenso den Weitertransport per Lkw. Ihr größtes Projekt ist eine Containerbahn, Boxxpress.de genannt. Sie verbindet die Häfen Hamburg und Bremerhaven mit Nürnberg, Stuttgart und München. Der Shuttle soll 2001 rund 24 Millionen Mark umsetzen. Netlog gehört zur TX Logistik AG, einer Gründung ehemaliger Manager des Transportkonzerns TNT.

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