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Was macht eigentlich ... Hans Reischl?

Was macht eigentlich Hans Reischl?
aus manager magazin 6/2008

Den 29. April 2004 wird Hans Reischl (68) nicht vergessen. An jenem Tag wurde der Mann, der die Kölner Handelsgruppe Rewe zu dem gemacht hat, was sie heute ist, zum Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Burghard zitiert. Der legte dem Vorstandschef einen Aufhebungsvertrag vor. Wenn er nicht einwillige, werde ihn der Aufsichtsrat zwei Stunden später entlassen - acht Monate vor dem geplanten Abschied. Reischl wusste nicht, warum - aber er unterschrieb.

Es sollte schlimmer kommen. In einem im Auftrag der Rewe verfassten Dossier wurde Reischl verdächtigt, von einem Obstlieferanten 100 Millionen Euro Schmiergeld angenommen zu haben. Dieses Papier übergab Rewe der Staatsanwaltschaft, über den "Stern" wurde es an die Öffentlichkeit lanciert.

Reischl stand als Verbrecher da, seine Frau wurde geschnitten. Zwei Firmen, die ihm Aufsichtsratsmandate angeboten hatten, sagten ab. Ein Tankwart fragte ihn, ob er im Kofferraum sein Geld spazieren fahre; Reischl konterte, dazu reiche der Platz nicht aus, und wunderte sich selbst über seine Schlagfertigkeit. Die Reischls erwogen, Köln zu verlassen und nach Österreich zu ziehen.

Der Korruptionsvorwurf erwies sich als haltlos, die Staatsanwaltschaft nahm nicht einmal Ermittlungen auf. Eine minore Beschuldigung, Reischl habe sein Gesellschafterkonto bei Rewe wie ein privates Girokonto geführt und so gegen das Kreditwesengesetz verstoßen, wurde fallen gelassen.

Was blieb, war der Rufschaden. Doch Reischl verzichtete darauf, Rewe zu verklagen. Auf eine Entschuldigung aus dem Unternehmen, dem er fast sein ganzes Berufsleben diente, wartet er bis heute. Es mag ihm eine Genugtuung gewesen sein, dass Aufsichtsratschef Burghard 2007 aus dem Amt gejagt wurde.

Reischl hat sich gefangen: "Ich schaue nach vorn." Er wirkt wie eh und je im Familienbeirat des Schuhhändlers Deichmann, außerdem in Aufsichtsräten wie bei Arcandor oder der Alten Leipziger. Zwei Jahre lang gehörte er dem Europa-Beirat des Finanzinvestors Cerberus an. In wöchentlichen Telefonkonferenzen war seine Handelsexpertise gefragt. Meistens, so gesteht er, riet er von Deals ab, und Cerberus fuhr gut damit.

Und dann der geliebte Golfsport. Einmal jährlich geht er mit der "Honourable Brighton Golfing Society" auf Reisen. Hinter dem hochtrabenden Namen verbirgt sich eine Runde, der die einstigen Unilever-Manager Okko Müller und Manfred Stach angehören, der Werber Ingo Zuberbier (Lintas), der frühere Edeka-Chef Hans-Jürgen Klußmann und der Golfplatzkritiker und Bifi-Erfinder Ortwin Klang.

In jüngster Zeit hat Reischl das Golfen etwas eingeschränkt - der Familie wegen. Vor einem Jahr machten ihn sowohl sein Sohn als auch seine Tochter zum Großvater. Seine beiden Enkelinnen helfen ihm über manch böse Erinnerung hinweg. Sören Jensen

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