50-Prozent-Schwelle überschritten Finanzinvestoren bei Zooplus am Ziel

Mehr als die Hälfte der Zooplus-Aktionäre dienen Hellman & Friedman und EQT ihre Aktien an. Das Gebot der einstigen Rivalen bewertet den Tierbedarfshändler mit 3,7 Milliarden Euro. Ein Übernahmekampf mit seltener Wendung endet, Zooplus wird von der Börse verschwinden.
Millionen mit Tierbedarf: Zooplus erwirtschaftete im zweiten Quartal ein Umsatzplus von 17 Prozent auf rund 494 Millionen Euro

Millionen mit Tierbedarf: Zooplus erwirtschaftete im zweiten Quartal ein Umsatzplus von 17 Prozent auf rund 494 Millionen Euro

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und EQT sind bei der milliardenschweren Übernahme des Online-Tierbedarfhändlers Zooplus am Ziel. Mehr als die Hälfte der Zooplus-Aktionäre nahmen die Offerte an, teilten sie am Donnerstag mit. Damit ist die Schwelle von 50 Prozent der Aktien plus einer überschritten, die sich die Investoren als Zielmarke gesetzt hatten. Das finale Ergebnis werde voraussichtlich am Montag veröffentlicht. EQT und H&F wollen Zooplus nach der Übernahme von der Börse nehmen.

Zooplus schraubte zugleich seine Prognose herunter. Als Folge des voraussichtlichen Vollzugs des Übernahmeangebots entstünden dem Unternehmen einmalige Transaktionskosten in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags, teilte das Unternehmen mit. Deswegen dürfte der Betriebsgewinn (Ebitda) im Gesamtjahr in einer Bandbreite zwischen 20 und 35 Millionen Euro liegen, nachdem zuvor noch 40 bis 80 Millionen Euro vorhergesagt wurden.

Offerte bewertet Zooplus mit 3,7 Milliarden Euro

Die beiden Finanzinvestoren bieten 480 Euro je Zooplus-Aktie, die Offerte ist damit insgesamt 3,7 Milliarden Euro schwer. Sie hatten sich Mitte August ein Rennen um das Münchner Unternehmen geliefert und schließlich vergangene Woche auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Das Angebot liegt um 85 Prozent über dem Kurs der Zooplus-Aktie vor dem ersten Anlauf.

Zooplus-Chef Cornelius Patt war im Frühjahr selbst auf die Suche nach einem neuen Geldgeber gegangen. Er will die Expansion im Ausland mit Investitionen beschleunigen, ohne gleichzeitig an der Börse unter dem Erfolgsdruck zu stehen, stets gute Zahlen zu liefern.

Dass sich zwei Rivalen zusammentun, die zuvor gegeneinander um ein Unternehmen gebuhlt hatten, ist in Deutschland selten. 2007 hatten der australische Investor Macquarie und BC Partners letztlich gemeinsam für den Zählerableser Techem geboten - brachten es aber trotzdem nicht auf die angestrebte Mehrheit. Ein Jahr später kam Macquarie allein zum Zug.

500 Prozent Kursplus seit Januar 2020

Zooplus ist an den Finanzmärkten einer der großen Gewinner der Corona-Krise. Das Papier zog bereits vor dem Übernahmekampf seit Ausbruch der Pandemie um rund 240 Prozent an. Durch den Kampf der Finanzinvestoren um das Unternehmen summiert sich das Plus inzwischen auf fast 500 Prozent - mehr hat seit Ende Januar 2020 kein Wert im Dax oder MDax zugelegt. Im SDax gibt es in Westwing (plus 755 Prozent) nur einen Wert mit einem höheren Kursgewinn.

rei/Reuters
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