Samstag, 24. August 2019

Grafik der Woche Deshalb gewinnt Zara den Kampf der Mode-Titanen


Gäbe es da nicht den neuen 100-Milliarden-Mann Bernard Arnault, Amancio Ortega wäre der reichste Mann Europas. In gut fünfzig Jahren hat der Sohn eines Eisenbahnarbeiters aus Galicien in Nordspanien das größte Textilimperium der Welt aufgebaut; Inditex hat mit Marken wie Zara, Massimo Dutti oder Bershka mittlerweile auch H&M, dem Modekonzern der schwedischen Persson-Familie, den Rang abgelaufen, zeigt die Grafik von Statista.

Die Schweden stecken seit längerem in der Krise. Zuletzt holten sich die Perssons externe Berater ins Haus, die etwa die mauen Online-Aktivitäten des einstigen Branchenprimus aufmöbeln sollen. Zuletzt häuften sich die medialen Abgesänge: zu altbackene Mode, zu wenig Innovation, dazu Skandale und gefloppte Innovationen. Der Aktienkurs von Ortegas Inditex war im vergangenen Jahr zwar ebenfalls eingebrochen, hat sich mittlerweile aber wieder erholt.

Die Spanier sind Pioniere der Fast Fashion - "schnelles Abkupfern von Laufstegtrends zum Mitnahmepreis" (so die "Süddeutsche Zeitung" nach einem Besuch in der Inditex-Zentrale im nordspanischen Arteixo). Zwischen Entwurf und Erstverkauf lägen teils nur zehn bis 14 Tage. Zwar sind mittlerweile auch andere Hersteller so schnell unterwegs; so konsequent auf Fast Fashion, auf Flexibilität und das Aufgreifen neuer Trends ausgerichtet wie Inditex ist laut Experten allerdings niemand. Und über das "Abkupfern" regt sich in der Branche kaum einer mehr auf, zumal sich Kopiertwerden offenbar gar nicht negativ auf das echte Luxusgeschäft auswirkt.

Pro Jahr verdient der Schulabbrecher Ortega nun allein 400 Millionen Euro an Inditex-Dividenden; das Geld fließt zuletzt vermehrt in Immobilienprojekte in aller Welt. Schwerreich mit abgekupferter Mode, für den einen oder anderen mag das ungerecht wirken. Immerhin: Bernard Arnault, der einzige Europäer, der momentan reicher ist als Ortega, hat sein Geld mit den Originalen verdient. Ihm gehört Luxusgigant Louis Vuitton Moet Hennessy.

luk

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung