Rabattschlacht frisst Gewinn Zalando-Aktie stürzt nach roten Zahlen

Die Läden sind wieder offen - und damit die besten Zeiten für Zalando vorbei. Rabatte und Investitionen brocken dem Internethändler einen Verlust ein. Der Vorstand erwartet ein langsameres Wachstum. Die Aktie bricht in der Spitze um 9 Prozent ein.
Weniger Zalando-Päckchen: Zalando gewinnt Millionen Kunden hinzu, doch mit der Öffnung der Läden kaufen Menschen auch wieder stationär ein - die Umsätze wachsen deutlich langsamer

Weniger Zalando-Päckchen: Zalando gewinnt Millionen Kunden hinzu, doch mit der Öffnung der Läden kaufen Menschen auch wieder stationär ein - die Umsätze wachsen deutlich langsamer

Foto: Michele Tantussi/ Getty Images

Hohe Ausgaben für Rabatte angesichts wiedereröffneter Läden haben den Gewinn von Europas größtem Online-Modehändler Zalando fast verschlungen. Im dritten Quartal fiel das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) auf 9,8 Millionen Euro nach 118,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, teilte das Berliner Unternehmen am Mittwoch mit, das erst kürzlich in den Leitindex Dax eingezogen ist. Zalando-Finanzchef David Schröder (38) begründete den Rückgang mit der "neuen Normalität", die durch wegfallende Corona-Beschränkungen entstehe. Die Marge von 0,4 Prozent sei mit Ergebnissen aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 vergleichbar.

Unter dem Strich stand ein Verlust von 8,4 Millionen Euro - teils bedingt auch durch hohe Marketingkosten. Im Vorjahresabschnitt, als das Unternehmen unter anderem von niedrigen Rabatten an Kunden profitierte, erzielte Zalando einen Gewinn von 58,5 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte hingegen - auch dank sechs neuer Märkte wie Kroatien und Estland - um 23,4 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen von Analysten. Zalando hatte während der Hochphase der Pandemie mit Lockdowns und geschlossenen Geschäften stark vom Online-Boom profitiert und verzeichnete teils rasante Umsatzzuwächse von bis zu 50 Prozent in einzelnen Quartalen.

Die Aktie  gab gegen Mittag um bis zu 9 Prozent nach. Mit rund 76 Euro notierte das Papier nur 2 Euro über dem 52-Wochentief. Zalando musste seine Kunden mit hohen Rabatten und viel Werbung zum Einkauf locken, auch weil laut Schröder der konkurrierende Einzelhandel seine Lagerbestände zum Teil mit sehr hohen Nachlässen losschlug. Zum anderen kauften Kunden im warmen September lieber noch Sommerkleidung und griffen weniger bei den teureren Herbst- und Winterkollektionen zu. Das vierte Quartal sei gut gestartet, sagte Schröder mit Blick auf die im Oktober gesunkenen Temperaturen.

Auch Zalando-Mitgründer und Chef Robert Gentz (38) bereitete in einer Telefonkonferenz die Märkte auf ein geringeres Wachstumstempo vor: "Wir sehen wieder eine deutliche Rückkehr zum Normalen." Der Großteil des Einzelhandels funktioniere wieder nach den gewohnten Mustern. Für das kommende Jahr rechne er damit, dass die gesamte Modeindustrie inklusive des stationären Handels wieder das Nachfrageniveau von vor der Krise erreiche, sagte Gentz.

Plattformgeschäft soll Umsätze hoch und Kunden bei der Stange halten

Zalando zählt inzwischen 46,3 Millionen Kunden in 23 Ländern - innerhalb eines Jahres kamen elf Millionen hinzu. Nun müssen sich die Berliner einiges überlegen, um ihre Kunden bei der Stange zu halten. Dabei setzt Zalando vor allem auf das Plattformgeschäft, bei dem andere Händler, Modemarken oder stationäre Läden ihre Waren über Zalando verkaufen können und dafür wie auch für Logistikdienstleistungen Geld zahlen. "Wir werden es unseren Partnern noch einfacher machen, über uns alle Märkte zu erreichen", kündigte Gentz an.

Zalando bestätigte den Ausblick für das Gesamtjahr. Demnach soll 2021 das Betriebsergebnis (Ebit) am oberen Ende der Spanne zwischen 400 und 475 Millionen Euro liegen - in den ersten neun Monaten sind rund 260 Millionen Euro erzielt worden. Der Umsatz soll weiterhin maximal um 31 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro klettern. Mit Blick in die Zukunft versprach Finanzchef Schröder, Zalando werde keine Probleme haben, jährlich zwischen 20 und 25 Prozent zu wachsen. Zunächst drohten auch keine Lieferengpässe - die Lager seien gut gefüllt. Mit Start der Frühjahrs- und Sommersaison könne sich das allerdings ändern. Der britische Anbieter Next warnte am Mittwoch vor Lieferproblemen.

rei/Reuters, DPA
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.