Modehändler Zalando senkt Prognose deutlich

Der Online-Modehändler hat seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr deutlich gesenkt. Nachfrageflaute und eine hohe Inflation belasten das Geschäft, zudem sind Zalando-Gründer Robert Gentz einige Topmanager weggelaufen.
Prognose senkt: Zalando-Mitgründer Robert Gentz geht von Herausforderungen aus, die länger anhalten und intensiver sind als zunächst angenommen

Prognose senkt: Zalando-Mitgründer Robert Gentz geht von Herausforderungen aus, die länger anhalten und intensiver sind als zunächst angenommen

Foto: Britta Pedersen/ picture alliance / dpa

Der Online-Modehändler Zalando kappt wegen der Kaufzurückhaltung angesichts der hohen Inflation seine Erwartungen für das Gesamtjahr. Im schlechtesten Fall werde der Umsatz bei rund 10,4 Milliarden Euro stagnieren, teilte der Berliner Dax-Konzern am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Maximal rechnet Zalando noch mit einem Umsatzplus von drei Prozent auf 10,7 Milliarden Euro. Bisher hat Europas Branchenprimus einen Zuwachs am unteren Ende einer Spanne von 12 bis 19 Prozent in Aussicht gestellt. Nun gehe man von makroökonomischen Herausforderungen aus, die länger anhielten und intensiver sein würden als zunächst angenommen, hieß es. Zalando reagiert darauf mit Einsparungen im Marketing, Anpassungen in der Logistik und der Einführung eines Mindestbestellwertes in weiteren Märkten.

Die Aktie  brach am Donnerstagabend nachbörslich ein. Auf der Handelsplattform Tradegate fiel sie im Vergleich zum Xetra-Schluss um fast 9 Prozent auf 23,30 Euro. Im Xetra-Hauptgeschäft wäre das der tiefste Stand seit Anfang 2019.

Beim Onlinegiganten häufen sich die Probleme:  schwache Zahlen, Managementfehler, schlechte Stimmung. Gründer Robert Gentz (38) hat mit schmerzhaften Abgängen zu kämpfen, etwa von Co-CEO Rubin Ritter. Manche ehemalige Topleute nahmen sogar kräftige Gehaltseinbußen in Kauf, um Zalando hinter sich zu lassen.

Das zweite Quartal ist laut Zalando deutlich schlechter verlaufen als von Analysten erwartet, die im Schnitt ein Umsatzwachstum von 1,5 Prozent und ein bereinigtes Betriebsergebnis von 104 Millionen Euro prognostizierten. Allerdings sei man noch profitabel gewesen, teilte Zalando weiter mit. Im ersten Quartal hatte ein bereinigter Betriebsverlust von knapp 52 Millionen Euro und der erste Umsatzrückgang in der Firmengeschichte in der Bilanz gestanden. Im Gesamtjahr soll das bereinigte Ebit zwischen 180 und 260 Millionen Euro liegen. Auch die Investitionen schraubt Zalando leicht nach unten und will 2022 nun noch 350 bis 400 Millionen Euro in die Hand nehmen statt 400 bis 500 Millionen Euro.

In der Corona-Krise gehörte Zalando wie Asos und Boohoo aus Großbritannien sowie About You aus Hamburg zu den Gewinnern, weil viele Menschen wegen geschlossener Läden online Kleidung und Kosmetik kauften. Nun gehen sie auch wieder in Modeläden und halten sich zudem mit Blick auf ihr Portemonnaie beim Einkaufen stärker zurück. Die Inflation im Euro-Raum war im Mai auf ein Rekordniveau von 8,1 Prozent nach oben geschnellt. In Deutschland kosteten Waren und Dienstleistungen im selben Monat durchschnittlich 7,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor - ein so starker Anstieg wie seit annähernd 50 Jahren nicht mehr.

dri/Reuters, dpa-afxp
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