Optimismus an der Börse Zalando spürt Inflation und Kaufzurückhaltung

Zalando hat im zweiten Quartal wieder sinkende Umsätze und Gewinne hinnehmen müssen. Europas größter Mode-Onlinehändler will aber wieder wachsen. Anleger sind optimistisch.
Sinkende Zahlen: Zalando hatte bereits Ende Juni die Prognose gesenkt

Sinkende Zahlen: Zalando hatte bereits Ende Juni die Prognose gesenkt

Foto: Jens Kalaene / dpa

Der Online-Modehändler Zalando hat im zweiten Quartal sinkende Umsätze und Gewinne hinnehmen müssen. Verantwortlich dafür waren eine schwächere Konsumlaune, Inflationsdruck und einzelne Lieferengpässe, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Europas größter Online-Modehändler will die sinkenden Umsätze aber schnellstmöglich hinter sich lassen. "Unser Fundament ist sehr stark. Wir erwarten eine Rückkehr zu Wachstum und Profitabilität", sagte Co-Chef Robert Gentz (38) am Donnerstag mit Blick auf die zweite Jahreshälfte. Die Zuversicht kam am Aktienmarkt gut an. Das in diesem Jahr stark gebeutelte Papier kletterte mehr als acht Prozent und führte damit die Gewinner im deutschen Leitindex Dax an.

Im ersten wie auch zweiten Quartal bekam der Berliner Konzern die Kaufzurückhaltung seiner Kunden, die hohe Inflation und einzelne Lieferengpässe beispielsweise bei Schuhen noch mit voller Wucht zu spüren. Die Erlöse schrumpften von April bis Juni um vier Prozent auf 2,62 Milliarden Euro. Damit fiel das Minus noch mal größer aus als zum Jahresstart, als Zalando den ersten Umsatz-Rückgang seit Firmengründung vor 14 Jahren hinnehmen musste.

"Das Leben wird teurer und die Verbraucher sind zurückhaltend beim Konsum, das spüren wir"

Zalando-Co-Chef Robert Gentz

"Das Leben wird teurer und die Verbraucher sind zurückhaltend beim Konsum, das spüren wir", sagte Gentz. Durchschnittlich kauften Kunden bei Zalando zuletzt für 55,90 Euro ein und gaben damit weniger Geld aus als im Vorjahr. Der Inflationsdruck und höhere Retouren belasteten jüngst auch die britischen Konkurrenten Asos und Boohoo. Zalando hatte bereits Ende Juni die Prognose gesenkt

Die Zahl der Kunden wächst

Trotz des Gegenwindes konnte Zalando Kunden gewinnen: Die Zahl stieg auf Jahressicht um elf Prozent auf mehr als 49 Millionen. Diese fragten Gentz zufolge vor allem günstigere Modemarken nach, aber auch Luxusmarken, "weil sich manche Kunden etwas gönnen wollen". Erst im Juni übernahm Zalando die Luxus-Medienmarke Highsnobiety. Jüngst profitierte auch der deutsche Herren-Ausstatter Hugo Boss vom anhaltend hohen Interesse, edlere Kleidung zu erwerben.

Zalando achtet inzwischen mehr auf seine Ausgaben und hat in allen 25 Märkten einen Mindestbestellwert eingeführt, sein Marketing eingedampft und investiert weniger in die Logistik. Auch die Zahl der derzeit 17.000 Mitarbeiter soll nach Jahren des rasanten Aufbaus zunächst nicht mehr steigen. Gerüchten über einen Einstieg in den US-Markt erteilte Gentz eine Absage und sagte, aktuell wolle sich das Unternehmen auf Europa konzentrieren.

Der Co-Chef bestätigte den im Juni gesenkten Ausblick, wonach der Umsatz zwischen null und drei Prozent im Gesamtjahr zulegen soll und ein bereinigtes Betriebsergebnis von 180 bis 260 Millionen Euro angepeilt wird. Im abgelaufenen Quartal sank das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) um 58 Prozent auf 77,4 Millionen Euro. Im Vorquartal hatte allerdings noch ein bereinigter Betriebsverlust von knapp 52 Millionen Euro in der Bilanz gestanden. Gentz zeigte sich zuversichtlich, dass das Ziel von einem Bruttowarenwert von mehr als 30 Milliarden Euro bis 2025 erreicht wird.

sio/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.