Astrid Arndt Zalando holt nach Kritik erste Frau in den Vorstand

Europas größter Online-Modehändler setzt sich nach dem Corona-Jahr deutlich höhere Ziele. Ein längst fälliges setzte der Dax-Anwärter jetzt um und holt die erste Frau in seinen bislang von Männern dominierten Vorstand.
Kennt sich mit Menschen aus: Astrid Arndt führte bei Zalando bisher die Abteilung People & Organisation und ist im Vorstand jetzt unter anderem für Personalfragen zuständig

Kennt sich mit Menschen aus: Astrid Arndt führte bei Zalando bisher die Abteilung People & Organisation und ist im Vorstand jetzt unter anderem für Personalfragen zuständig

Foto: Zalando

Europas größter Online-Modehändler Zalando holt mit Astrid Arndt Anfang April erstmals eine Frau in den Vorstand. Das Unternehmen reagiert damit auch auf Kritik an seiner seit 13 Jahren komplett männlichen, fünfköpfigen Führung. Arndt soll sich unter anderem um Personalfragen kümmern. Die Managerin ist seit gut drei Jahren bei Zalando und führt seit November 2019 die Abteilung People & Organisation.

Der langjährige Co-Chef Rubin Ritter (39) verlässt Zalando wie im Dezember angekündigt nach der Hauptversammlung. Ab April werden die Zalando-Gründer Robert Gentz (37) und David Schneider (38) allein als Co-Chefs weitermachen. "Unser 30-Milliarden-Ziel können wir nur erreichen, wenn wir die richtigen Talente haben", sagte Zalando-Co-CEO Gentz zur Berufung von Arndt. "Um sie weiter im großen Stil anzuziehen, braucht es eine dezidierte Rolle." Arndt solle außerdem die Anstrengungen für mehr Inklusion vorantreiben.

Zalando hatte bereits am Vortag Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt und demzufolge sein bereinigtes Betriebsergebnis (Ebit) im Corona-Jahr nahezu verdoppelt. Nun will das Unternehmen den Schwung aus der Corona-Krise mitnehmen und noch stärker wachsen. Das Bruttowarenvolumen (GMV) - der Wert aller verkauften Waren - soll bis 2025 auf mehr als 30 Milliarden Euro steigen, teilte Zalando am Dienstag mit, das längst als Anwärter für den deutschen Leitindex Dax gehandelt wird. Das entspräche einer Verdreifachung zum vergangenen Jahr, als das Bruttowarenvolumen auf 10,7 Milliarden Euro kletterte.

Zalando wandelt sich zum Plattformanbieter

Zalando profitiert davon, dass immer mehr Menschen angesichts vielerorts in der Pandemie geschlossener Läden im Internet ihre Kleidung kaufen und nach Hause liefern lassen. Die Zahl der Kunden stieg um ein Viertel auf inzwischen 38,7 Millionen.

Die europäische Nummer eins wandelt sich gerade von einem reinen Händler zu einem Plattformanbieter, der Provisionen verlangt und mit Logistik-Dienstleistungen Geld verdient. Auch Amazon ging einst diesen Weg, ließ viel mehr andere Händler für eigene Geschäfte auf seine Plattform - und verdiente sehr gut ihnen. Das weitere Wachstum bei Zalando soll sich zudem aus der Expansion in neue Länder speisen. So will Zalando noch in diesem Jahr sein Geschäft auf Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Slowakei und Slowenien ausweiten. 2022 sollen dann Rumänien und Ungarn folgen. Aktuell ist der Modehändler mit rund 14.000 Mitarbeitern in 17 Ländern aktiv.

Nach anfänglichen Problemen in der Corona-Krise, auf die das Unternehmen unter anderem mit einem Sparprogramm reagierte, trumpfte Zalando auf. Das Nettoergebnis kletterte 2020 um mehr als das Doppelte auf rund 226 Millionen Euro nach knapp 100 Millionen Euro im Vorjahr. Die Erlöse stiegen im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf acht Milliarden Euro und sollen dieses Jahr um maximal 29 Prozent zulegen.

rei/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.