Wolfram Keil Benkos Mann fürs Grobe bei Karstadt

Mit der Benko-Übernahme bekommt bei Karstadt eine neue Managerriege das Sagen. An der Aufsichtsratspitze: ein Deutscher, Wolfram Keil. Ein erfahrener Sanierer, der in der Vergangenheit wenig zimperlich war.
Wolfram Keil: Der Geschäftsführer von Benkos Signa-Retail GmbH hat Sanierungserfahrung bei verschiedenen Finanzinvestoren gesammelt

Wolfram Keil: Der Geschäftsführer von Benkos Signa-Retail GmbH hat Sanierungserfahrung bei verschiedenen Finanzinvestoren gesammelt

Foto: Signa

Hamburg - Stets "fesch", wie der Österreicher sagt, braungebrannt und mit einem Faible für Ferraris und teure Klamotten. Der österreichische Immobilieninvestor René Benko ist im Nachbarland Deutschland mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund. Schließlich nennt er - wenn der Deal beim Bundeskartellamt durchgeht - künftig die Warenhauskette Karstadt sein eigen, die die Einkaufsstraßen des Landes prägt.

Weniger bekannt - zumindest in der Öffentlichkeit - ist hingegen der Mann, in dessen Händen Benko seine Neuerwerbung legt. Der Deutsche Wolfram Keil, Geschäftsführer der Signa Retail GmbH, und seit Donnerstagabend als Nachfolger von Stephan Fanderl auch Karstadt-Aufsichtsratschef. Und damit derjenigen Signa-Sparte, die -künftig 100 Prozent der verbliebenen 83 Karstadt Filialen halten wird.

Dass Keil, der einst an der Uni Bochum studierte, seine Arbeit lieber abseits des Scheinwerferlichtes erledigt, wurde schon bei der Bekanntgabe des Deals deutlich. Karstadt müsse "raus aus den Medien und der zermürbenden öffentlichen Diskussion", ließ Keil schon vor Wochen verkünden. "Deswegen werden wir auch in nächster Zeit keine Wasserstandsberichterstattung betreiben oder weitere mediale Ankündigungen durchführen." Schließlich wolle man sich auf die Sanierung konzentrieren.

Und darin hat der Endvierziger (geboren 1967), der seit 2011 bei Signa beschäftigt ist, viel Erfahrung.

Erfahrung gesammelt bei Finanzinvestoren

Vor seinem Engagement bei den Österreichern war der Immobilienexperte bei den diversen Finanzinvestoren beschäftigt. Von Terra Firma über Cerberus bis hin zu Square Four - Unternehmen, die im Volksmund gerne auch Heuschrecken genannt werden.

Dort sammelte er - meist als Finanzverantwortlicher - Erfahrungen im Sanieren angeschlagener Unternehmen - oder zumindest darin, aus dem, was davon noch verblieben war, den größtmöglichen Gewinn zu schlagen. Er arbeitete offenbar zielstrebig, fackelt nicht lange und suchte sich danach schnell eine neue Aufgabe. Meist blieb er kaum länger als zwei Jahre bei einem Unternehmen.

So agierte er während seiner Zeit bei Terra Firma als Interims-Finanzvorstand (CFO) des Wohnungskonzerns Deutschen Annington. Ein Investment das Terra-Firma-Chef Guy Hands einiges an Kopfzerbrechen bereitet haben dürfte. Anders als beiTank und Rast, wo die Rendite schnell gemacht war - Raststätten-Pächter aber über die vom Investor aufgebürdete massive Schuldenlast und dessen rauen Geschäftsgebaren klagen.

Sanierungskurs beim Schuhhersteller Rohde

Eine weitere Station Keils von März bis Dezember 2008 war der zeitweise insolvente Schuhersteller Rohde. Dort wirkte der Diplom-Ökonom von der Uni Bochum im Auftrag des Investors Square Four ebenfalls als Interims-CFO. Der Finanzinvestor übernahm den hessischen Schuhhersteller mit 300 seiner einst mehr als 1000 Beschäftigten und sicherte dank massiver Lohnverzichte und einer Landesbürgschaft schließlich auch das Überleben der Marke.

Genutzt hat es - zumindest vielen deutschen Beschäftigten - letzlich wenig. Sie mühten sich, verzichteten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und nahmen auch beim Gehalt teils zweistellige Einbußen in Kauf. Als die Beschäftigungsgarantie 2010 auslief, half aber auch das nichts mehr. Vor ein paar Jahren gingen bei der deutschen Produktion die Lichter aus. Das Aus für rund 120 weitere Jobs.

Das geschah, wie Keil es gerne hat: weitgehend außerhalb der Medien. Wenn er, Fanderl und Benko sich nun Karstadt zurechtmeißeln wird das allerdings kaum im Stillen möglich sein.

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