Montag, 24. Februar 2020

 Sistema-Gründer Wladimir Jewtuschenkow Dieser Russe steckt hinter dem Kauf der Real-Supermärkte

Wladimir Jewtuschenkow: Der russische Oligarch steht hinter der SCP Group, die die Handelskette Real von der Metro übernimmt
imago images/ITAR-TASS
Wladimir Jewtuschenkow: Der russische Oligarch steht hinter der SCP Group, die die Handelskette Real von der Metro übernimmt

Daran, dass einem Oligarchen wie ihm in Deutschland Misstrauen entgegenschlägt, ist Wladimir Jewtuschenkow gewohnt: 2006 scheiterte sein Versuch, bei der Telekom einzusteigen, am Widerstand der deutschen Politik. Wenig später fiel dann der Blick des Milliardärs auf den Chiphersteller Infineon. Auch aus diesem Deal wurde nichts. Mit dem Kauf der Handelskette Real von Metro, der am Donnerstag endgültig offiziell werden soll, hat er jetzt endlich den großen Deal auf deutschem Boden geschafft.

Nach langem Verhandeln und Gezerre - zunächst noch mit einem anderen Bieter - hatte sich Metro mit dem Konsortium um den Investor SCP Group auf den Verkauf der kriselnden Supermarktkette mit rund 34.000 Beschäftigten und 276 Märkten verständigt. 30 davon, schätzt nun Metro, werden wahrscheinlich geschlossen werden.

Dass weder X-Bricks noch die dahinter stehende SCP vom Namen her russisch anmuten, dürfte kein Zufall sein. Auch bei seinen anderen Unternehmungen in Europa agierte der russische Oligarch zuletzt unter westlichen Namen. So etwa bei der in Luxemburg registrierten weltweit aktiven Investmentgesellschaft Redline Capital, bei der Jewtuschenkows Tochter Tatjana im Investmentkomitee sitzt.

Und auch beim Real-Käufer SCP mit Sitz in Luxemburg, an dessen Spitze als Verwaltungsratspräsident das zweite Kind des Oligarchen, Felix Jewtuschenkow, sitzt. Dessen Mutter, Jewtuschenkows Ehefrau Natalia, sitzt wiederum im Aufsichtsrat der ebenfalls in Luxemburg registrierten East West United Bank, die wie SCP (kurz für Sistema Capital Partners) ebenfalls zum börsenregistrierten russischen Sistema-Konglomerat gehört. Zusammen mit seinem Sohn Felix hält Jewtuschenkow daran mehr als 64 Prozent.

Felix ist mit Anfang 40 mittlerweile Aufsichtsratsmitglied von Sistema und mit etwas mehr als 5 Prozent einer der größten Anteilseigner.

Wladimir Jewtuschenkow, dessen Vermögen die US-Zeitschrift Forbes aktuell auf 2,4 Milliarden Dollar taxiert, hat sich in seiner Karriere immer anpassen müssen. So musste er Mitte der 2010er Jahre auf politischen Druck seine Beteiligung am russischen Mineralölunternehmen Bashneft abtreten, nachdem er wegen des Verdachts der Geldwäsche unter Hausarrest gestellt worden war. In internationalen Medien war daraufhin von einem zweiten Fall "Yukos" die Rede.

Anders als dessen Chef Michail Chodorkowski war Jewtuschenkow allerdings wieder schnell auf freiem Fuß, nachdem er in dem Konflikt einlenkte. "Der Staat sitzt immer am längeren Hebel", so seine Erkenntnis, die er vor Jahren mit dem SPIEGEL teilte.

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