Dienstag, 25. Februar 2020

 Sistema-Gründer Wladimir Jewtuschenkow Dieser Russe steckt hinter dem Kauf der Real-Supermärkte

Wladimir Jewtuschenkow: Der russische Oligarch steht hinter der SCP Group, die die Handelskette Real von der Metro übernimmt
imago images/ITAR-TASS
Wladimir Jewtuschenkow: Der russische Oligarch steht hinter der SCP Group, die die Handelskette Real von der Metro übernimmt

2. Teil: Wie Sistema die Fühler ins Ausland ausstreckt

Mit seiner unauffälligen, skandalvermeidenden Art ist Jewtuschenkow, der in Moskau den Ruf eines "stillen Oligarchen" hat, allerdings sehr erfolgreich.

Nach einem Studium der Chemie und einer Tätigkeit als Manager einer staatlichen Kunststofffabrik zog er Ende der 80er Jahre in die Moskauer Stadtregierung ein und übernahm dort kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Leitung des Ressorts Wissenschaft und Technik. Unter dessen Ägide fiel die Umwandlung der Moskauer Staatsbetriebe in marktwirtschaftlich arbeitende Dienstleistungsfirmen.

Jewtuschenkow wusste die Chance zu nutzen. Und gründete 1993 sein Unternehmen Sistema - mit dem er in den 90er Jahren mittels der Übernahme von Telefonbetreibern den größten Telekommunikationskonzern in Russland aufbaute.

Felix Jewtuschenkow - der Sohn des Oligarchen

Später kamen Handelsunternehmen, eine Agrarholding, die zu den größten Landbesitzern Russlands zählt, ein privater Klinikkonzern, Medien, eine Immobilienholding, Energieunternehmen, eine Hotelgruppe, Finanzdienstleitungen und Technologieunternehmen hinzu.

Das Gros seines Milliardenumsatzes erwirtschaftet Sistema noch immer in Russland. Der Mischkonzern hat seine Geschäftsaktivitäten in den vergangenen Jahrzehnten aber auch ins Ausland ausgeweitet - unter anderem nach Asien und Europa. Dort investiert Sistema neben dem klassischen Immobilien- und Telekommunikationsgeschäft mittlerweile auch umfangreich in internationale Start-ups.

Der Schaffensdrang Jewtuschenkows, der sich selbst als geborenes Arbeitstier beschreibt, scheint auch mit 71 Jahren noch immer nicht abgenommen haben. Bei Sistema hat er noch immer den Verwaltungsratsvorsitz inne und sitzt dem Strategie-Komitee vor. Und jettet durch die Welt, um etwa an internationalen Wirtschaftstreffen teilzunehmen.

Hohe Ansprüche stellt er aber nicht nur an sich, sondern auch an seine beiden Kinder. Sie mussten sich im Unternehmen hochdienen. Vererbtes Vermögen sei noch niemandem gut bekommen, erklärte der Oligarch vor Jahren.

Dass sich sein Sohn Felix als SCP-Oberhaupt bei der Real-Übernahme gegen den Konkurrenten Redos durchgesetzt hat, dürfte ganz nach dem Geschmack des Vaters gewesen sein. Und dass er dafür noch 200 Millionen Euro weniger gezahlt hat als Metro ursprünglich hatte erzielen wollen, wahrscheinlich noch mehr.

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