Freitag, 15. November 2019

MediaMarktSaturn präsentiert Sanierungsprogramm Wie MediaMarkt die Kurve kriegen will 

Mediamarkt: Der Elektronikhändler setzt bei sich selbst den Rotstift an

Dass sie keine guten Nachrichten zu erwarten haben, dürften die Mitarbeiter von MediamarktSaturn längst geahnt haben, als Media-Saturn-Chef Ferran Reverter am Dienstag vor die Belegschaft trat, um ihr das Sanierungsprogramm des Elektronikhändlers vorzustellen. Ihre Befürchtungen sollten sich bewahrheiten. Mehrere hundert von ihnen dürften alleine in Deutschland in den kommenden Monaten ihre Jobs verlieren, ließ der Chef von Europas größter Elektronikkette am Dienstag die Öffentlichkeit wissen.

Um auch künftig gegen die Konkurrenz von Amazon & Co bestehen zu können, hat Mediamarkt-Saturn-Mutter Ceconomy das lange erwartete Großreinemachen ausgerufen. Die Verwaltung soll um 20 Prozent verschlankt, im Backoffice massiv zentralisiert werden, bei der Werbung gespart und mehr auf günstiges Online statt auf teures Print gesetzt werden. Auch Nebengeschäfte wie die Recommerce-Beteiligungen Flip4New sollen auf den Prüfstand gestellt und womöglich abgestoßen oder geschlossen werden.

"Wir müssen handeln", betonte der seit März amtierende Ceconomy-Chef Jörn Werner in einer Telefonkonferenz mit Blick auf die schwindende Profitabilität. MediaMarktSaturn sei zu komplex, ineffizient und die Rollen unklar.

Auch wenn die Börse die lange erwartete Sanierung begrüßte und der Kurs zeitweise um mehr als 10 Prozent zulegte - über den Berg sind Ceconomy und die der Holding untergeordnete Elektronikkette noch lange nicht.

Und das nicht nur, weil nun erst einmal monatelange Verhandlungen mit den Mitarbeitervertretern anstehen. Und weil die Neustrukturierung im laufenden Geschäftsjahr erst einmal kosten wird: Bis zu 170 Millionen Euro plus bis zu 20 Millionen Euro für Abschreibungen von Beteiligungen alleine im laufenden Jahr.

Es ist nach wie vor unklar, wie es nach dem Abbruch und Aufräumarbeiten weiter gehen soll: Denn abgesehen von allzu bekannten Schlagworten wie Agilität, Kundenzentrierung, einer stärkeren "Performance-Kultur" und mehr Zentralisierung blieb die künftige Strategie recht vage.

Die Elektronikkette müsse sich "mit ihren Kunden verändern" forderte Werner. Was - abseits von Kostenreduzierung und Agilität - strategisch folgen soll, soll nach den Worten von Werner aber erst Ende des Jahres spruchreif sein.

Vor allem sei es nun wichtig, "vom Reden ins Handeln zu kommen", erklärte er. Die Aktionäre zumindest, so scheint es, scheinen wieder Hoffnung zu schöpfen. Damit dies auch die Belegschaft und langfristig auch die Kunden tun, muss die neue Führung aber auch jenseits des Rotstifts bald strategisch liefern.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung