Who-is-Who im Cannabis-Markt Diese Cannabis-Konzerne sollten Sie kennen

Cannabis-Blatt: Eine Branche zwischen Hoffnung und Hype

Cannabis-Blatt: Eine Branche zwischen Hoffnung und Hype

Foto: © Laszlo Balogh / Reuters

Cannabis ist eines der Geschäftsfelder, das - selbst ohne dessen Konsum - aktuell die Phantasie vieler Anleger und Industrievertreter anregt. Sowohl in derGetränke- als auch in der Tabakindustrie sehen viele in dem Geschäft mit den legal Highs einen möglichen Megatrend. Nachdem so mancher CEO das Geschäft mit Craft-Bier, Wellness-Getränken oder auch mit E-Zigaretten lange unterschätzt hatte, will nun jeder beim Cannabis-Hype dabei sein.

In einigen Branchen hat ein regelrechtes "Reise nach Jerusalem-Spiel" eingesetzt, wie die Zeitschrift "Forbes" es nennt. Um angesichts der noch recht überschaubaren Zahl möglicher Übernahmekandidaten nicht leer auszugehen, sichert sich ein Konzern nach dem anderen Zugriff auf führende Unternehmen der Cannabis-Branche.

Und auch in Deutschland ist der Cannabis-Trend angekommen. Was sich schon dadurch zeigt, dass sich auch Kreditech-Gründer Sebastian Diemer mit einer Neugründung in den Cannabis-Markt stürzt (während das einst von ihm gegründete Fintech schwere Zeiten durchlebt). Diemer versucht, sich mit dem Unternehmen Farmako als Großhändler für medizinisches Cannabis zu etablieren.

Bislang ist die Zahl der Unternehmen, die tatächlich international oder regional in großem Stil Cannabis produzieren, noch recht übersichtlich. Und deren Aktien, so sie an der Börse notiert sind, sehr volatil: Binnen kurzer Zeit hat sich der Börsenwert vieler wichtiger Player im Markt verdoppelt - oder eben auch halbiert. manager-magazin.de stellt die größten und umworbensten Konzerne vor.

Canopy Growth

Canopy Growth: Der klare Marktführer

Canopy Growth: Der klare Marktführer

Foto: REUTERS

Mit einer Marktkapitalisierung von 10,63 Milliarden Dollar ist Canopy Growth aktuell das größte Cannabis-Unternehmen der Welt. Seit seiner Gründung - damals noch unter dem Namen Tweed Marijuana - im kanadischen Smith Falls ist der Cannabis-Produzent stark gewachsen. Und hat mit Hilfe von Investoren wie den Fondsriesen Vanguard und Blackrock reihenweise Unternehmen in Deutschland, Jamaika, Chile, Brasilien, Australien, Tschechien und Lesotho zugekauft.

Dabei ist Canopy Growth längst nicht mehr nur auf medizinische Produkte beschränkt. Über seine Tochter Tweed betreibt Canopy in Staaten, in denen Marihuana legalisiert ist, bereits eine Reihe von Läden, in denen Kunden Cannabis auch zum Freizeit-Gebrauch kaufen können.

Canopy Growth war dann auch der Konzern, für den sich der Corona-Brauer Constellation Brands bei seinem Einstieg ins Cannabis-Geschäft entschied. Im August stockte der Brauer seine bis dahin 10-prozentige Beteiligung für vier Milliarden Dollar auf 38 Prozent auf. Und sicherte sich Zugriff auf eine mögliche Mehrheitsbeteiligung in der Zukunft..

Tilray - die Wette von Peter Thiel

Cannabis zum Kauf in einem kanadischen Ladengeschäft

Cannabis zum Kauf in einem kanadischen Ladengeschäft

Foto: CHRIS WATTIE/ REUTERS

Das 2013 im kanadischen Nanaimo gegründete Tilray ist der erste Cannabis Unternehmen, das am Nasdaq gelistet wurde. Seit seinem Börsengang im Juni 2018 hat das Unternehmen, das medizinisches Cannabis herstellt und an dem der vom US-Investor Peter Thiel gegründete Founders Fund massiv investiert ist, zeitweise mehr als 600 Prozent an der Börse gewonnen - einen großen Teil davon aber wieder abgeben müssen.

Aktuell steht ein Plus von mehr als 300 Prozent zu Buche. Allerdings gelten bis Mitte Januar noch umfangreiche Haltefristen - und nur ein Bruchteil der Tilray-Aktien wird aktuell frei gehandelt.

Wie volatil die Tilray-Aktie ist, zeigte sich im Oktober anlässlich der Ankündigung Pepsis, zunächst nicht ins Cannabis-Geschäft einsteigen zu wollen: Das Papier von Tilray stürzte um 20 Prozent ab. 

Mit mehr als 9 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung ist Tilray eines der Schwergewicht am nordmaerikanischen Aktienmarkt. Was die Produktionsmenge angeht, sind Konkurrenten wie Aurora dem Unternehmen jedoch weit voraus.Und auch von der Gewinnzone ist Tilray angesichts seiner aktuell aggressiven Expansionsstrategie noch weit entfernt.

Aurora - kurzer Flirt mit Coca-Cola

Cannabis im Labor: Bislang dominiert noch der medizinische Handel das Geschäf t

Cannabis im Labor: Bislang dominiert noch der medizinische Handel das Geschäf t

Foto: ddp/interTOPICS

Mit einer Marktkapitalisierung von 5,6 Milliarden Dollar spielt auch der kanadische Produzent Aurora in der ersten Liga der Cannabis-Konzerne mit. Zwar liegt die Marktkapitalsierung bei anderen höher. Mit einer potenzielen Produktionsmenge von mehr als 500.000 Kilogramm übertrifft Aurora Wettbewerber wie das deutlich höher bewertete Tilray jedoch deutlich.

Bereits 2006 gegründet, gehört Aurora zu den Pionieren der Cannabis-Industrie - und ist seitdem durch internationale Zukäufe - auch in Deutschland - stark gewachsen. Dabei konzentiert sich Aurora - anders als andere Anbieter - bislang auf den Markt für medizinisches Cannabis, hat mittlerweile aber auch ins Nebengeschäft mit Gewächshäusern investiert.

Der Aktienkurs ist - wie bei vielen anderen Cannabis-Aktien auch - durch starke Volatilität gekennzeichnet. Zwischen Januar und Dezember hat sich der Wert der Aktie fast halbiert. Allerdings gab es zwischenzeitlich im September, als Gespräche mit dem Getränkehersteller Coca-Cola publik wurden, kurzzeitig massiven Aufwind.

Cronos - die Wette von Altria

Cannabis-Pflanzen in einem Uni-Testversuch

Cannabis-Pflanzen in einem Uni-Testversuch

Foto: REUTERS

Mit 2,3 Milliarden Marktkapitalisierung ist Cronos bislang eine der eher kleineren Nummern im Cannabis-Markt. Das könnte sich allerdings künftig ändern.

Nicht nur dass ein avisierter Einstieg des Marlboro-Herstellers Altria den Konzern deutlich höher bewertet. Altria will angeblich 45 Prozent des Unternehmens für rund 1,8 Milliarden Dollar erwerben. Auch so sorgt der Einstieg des Tabakriesen, der sich angeblich für rund eine Milliarde Dollar eine Aufstockung um weitere 10 Prozent gesichert hat, für jede Menge Phantasie.

Dabei ist Cronos streng genommen eine Investmentfirma, die in kanadische Cannabis-Unternehmen investiert: Diese hält unter anderem jeweils 100 Prozent an Medizinal-Cannabis-Hersteller Peace Naturals, dem "Recreational use"-Produzenten Original BC sowie 21,5 Prozent an der Whistler Medical Marijuana Company.

Mit dem Geld von Altria im Rücken will Cronos nun global weiter wachsen: seine Produktionskapazitäten von aktuell mehr als 115. 000 Kilogramm pro Jahr weiter ausbauen und in den Ausbau der internationalen Infrastruktur investieren.

CannTrust - Partnerschaft mit Apotex

Cannabis Knospen auf einem Tablett

Cannabis Knospen auf einem Tablett

Foto: REUTERS

CannTrust war Presseberichten zufolge neben Cronos ein weiterer potenzieller Partner, mit dem Altria Gespräche geführt hat. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 600.000 Dollar ist das Unternehmen in Kanada bereits etabliert, es ist profitabel und verfügt mit dem größten kanadischen Generikahersteller Apotex auf seinem Heimmarkt über einen schlagkräftgen Partner.

Aber auch auf dem Markt für Freizeitgebrauch ist CannTrust aktiv: ist eine Partnerschaft mit dem größten Getränkedistributeur in Kanada eingegangen. Und ist beim kanadischen Cannabis-Händler National Access Cannabis Corp investiert.

Aphria - Zukäufe und Vorwürfe

Aphria-CEO Vic Neufeld

Aphria-CEO Vic Neufeld

Foto: REUTERS

Das 2014 gegründete Aphria nimmt im ohnehin volatilen Cannabis-Markt noch einmal eine Ausnahmestellung ein. Alleine im abgelaufenen Jahr ist der Kurs der Aktie um mehr als 44 Prozent eingebrochen. Im letzten Monat noch um mehr als 50 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 1,3 Milliarden Dollar.

Ursächlich für den Absturz von Aphria waren Vorwürfe von Shortsellern, die das kanadischen Unternehmen neben Insidergeschäften der Marktmanipulation und Bilanzfälschung bezichtigt. Vorwürfe, die Aphria vehement zurückweist.

Seit seinem Marktstart hat Aphria, wie viele Konkurrenten auch, umfangreich international zugekauft und sich sowohl im Medizin- aber auch im Freizeitbereich schlagkräftige Partner gesucht. So ging Aphria bereits 2016 eine Partnerschaft mit dem "Cannabis Starbucks" Tokyo Smoke ein. Und sicherte sich über den Zukauf von Nuuvera eine starke Marktposition in Deutschland und Italien.

Curaleaf - der vertikale Player

Getrocknetes Marijuana für den Massenmarkt

Getrocknetes Marijuana für den Massenmarkt

Foto: REUTERS

Der US-Cannabiskonzern Curaleaf Holdings gehört in den USA zu den bekannteren Cannabis-Unternehmen. Das vertikal integrierte Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 2,6 Milliarden Dollar deckt die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion über die Weiterverarbeitung bis zum Verkauf ab.

Und bietet Cannabis in dieversen Darreichungsformen von Tinkturen über Kapseln bis hinzu Konzentraten zum Vaporisieren an. Der klare Schwerpunkt des Geschäftes - mit 12 Anbauplantagen, 10 Weiterverarbeitungsniederlassungen und 33 Verkaufsstellen - liegt in den USA.