China-Ware zu Kampfpreisen Diese App setzt Amazon bei jungen Kunden zu

Prominente Unterstützung: Neymar und eine Reihe weiterer Fußballstars sollen Wish weltweit bekannter machen

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Foto: Wish Shopping/youtube

Mehr Wumms ist eigentlich kaum denkbar. Kaum zwei Stunden hatte der brasilianische Fußballstar Neymar das Werbevideo der Shopping-App Wish auf seinem Instagramm-Profil gepostet, da hatten schon zwei Millionen Menschen das Video  gesehen.

Und Neymar war nicht der einzige Weltstar, dessen Fangemeinde auf das Filmchen ansprang. Spielten doch neben ihm auch bekannte Kicker wie Gareth Bale, Paul Pogba, Gigi Buffon, Tim Howard und Robin van Persie in dem Spot mit, den die Shopping-App Wish zur WM lanciert hatte.

Inzwischen ist die Shopping App Wish vielen ein Begriff. Weitgehend unbemerkt, selbst von eingefleischten Onlineshoppern, hat sich in den USA und Europa mit Wish ein Konkurrent gebildet, der dem Onlineriesen Amazon  auch hierzulande schon Geschäftsanteile streitig macht. Und der vor allem bei tech-affinen, preisbewussten Shoppern sehr beliebt ist.

Turnschuhe für vier Euro, ein Smartphone für gerade mal 28 - und die Smartwatch für 8 Euro. Das sind Preise, die die Herzen von Schnäppchenjägern höher schlagen lassen. Dass die Halbwertszeit vieler Produkte, von denen die meisten direkt aus China stammen, eher gering ist, stört nur wenige. Und dass es oft Wochen dauert, bis die Ware eintrudelt und der Versand zudem extra berechnet wird, tut der Begeisterung vieler Besteller kaum einen Abbruch.

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Auch in Deutschland hat Wish bereits eine Fangemeinde gefunden: mehrere Hunderttausend Nutzer haben die kostenlose App herunter geladen .

Bei den Shopping-Apps auf dem iPhone rangiert Wish laut dem Analysten App Annie  bei den täglichen Downloads neuerdings auf Rang eins - noch vor Zalando und Amazon. Und auch in weiteren 33 Ländern, darunter Frankreich, Polen, der Schweiz und Irland liegt Wish in der Shoppingkategorie bei den iPhones ganz vorne.

Wie kann das sein?

Smartphone-Shopper drücken öfter auf "Kaufen"

Kauften viele Onlineshopper früher vor allem über den Desktop ein, hat sich der Trend gewandelt. Selbst in Deutschland shoppt mittlerweile fast jeder Zweite über Smartphone oder Tablet - und immer mehr auch über Apps, wie eine aktuelle Studie des Technologieunternehmens Criteo zeigt . Für deren Betreiber ein lohnendes Geschäft: Tippen doch bei einer App drei Mal so viele Kunden  das "Kaufen" Symbol als bei einer mobilen Website.

Wieviel Umsatz der neue Online-Marktplatz hierzulande erzielt, der selbst gar keine Produkte verkauft, sondern vor allem chinesischen Billigherstellern einen Zugang zu europäischen und amerikanischen Kunden verschafft, ist unbekannt. Aktuelle Geschäftszahlen veröffentlicht Wish keine. Auf Anfragen von manager-magazin.de reagierte das Unternehmen nicht.

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Foto: Darren Hauck/ AP

Die jüngsten Zahlen stammen von 2016. Damals sprach Wish-Chef Pater Szulczewski davon, dass der Umsatz deutlich jenseits von zwei Milliarden Dollar liege - bei einem einstelligen Millionengewinn. Und davon, dass sich der Umsatz der App, in die Geldgeber wie der Staatsfonds Temasek aus Singapur, Founders Fund und Yahoo Gründer Jerry Yang mehr als 1,25 Milliarden Dollar gepumpt haben, in den vergangenen Jahren um jeweils mehr als verdoppelt habe.

16 Produkte jährlich kaufte 2016 demnach jeder Kunde im Durchschnitt. Aktuell sollen es mehr als 300 Millionen Kunden sein, die regelmäßig über die App shoppen, die der der frühere Google-Programmierer Szulczewski zusammen mit Danny Zhang, einem Ex-Yahoo-Programmierer, 2010 gegründet hat.

Von der Wunschliste zum Marktplatz der Massen

Damals allerdings noch als eine Art Wunschliste, auf der Nutzer interessante Produkte speichern konnten, die sie bei Onlinehändlern entdeckt hatten. Als Szulczewski und Zhang merkten, dass er vor allem chinesisches Billigprodukte waren, für die sich die Leute interessierten, starteten sie die App in ihrer heutigen Form.

Anders als Shoppingportale wie Amazon  oder Ebay arbeitet Wish allerdings nicht mit Suchfunktionen, sondern kuratiert mit Hilfe von Algorithmen Waren, die für die Nutzer interessant sein könnten. Und versucht diese dann so schnell wie möglich, zur Kasse zu lotsen. Was bestellt ist, ist bestellt.

Dabei arbeitet die App im dauerhaften Schnäppchenmodus, preist permanent angebliche Preisnachlässe an - und variiert dazu bei Bedarf auch den Preis in einem vorher mit den Händlern vereinbarten Fenster.

Das Geschäftsmodell hingegen ist denkbar einfach: Pro verkauftem Artikel kassiert Wish entweder einen fixen Prozentsatz - oder einen vereinbarten Fixbetrag.

Dass die erst wenige Jahre alte App so schnell wachsen konnte, führt der CEO darauf zurück, dass die Anzahl von preissensiblen Käufern, die gerne shoppen, aber über sehr begrenzte Ressourcen verfügen, lange von vielen Anbietern und Investoren unterschätzt wurde.

"Die unsichtbare Hälfte", wie er es nennt, deren Existenz - wie die der Trump-Wähler - von vielen lange übersehen wurde.

Wie Wish-Kunden ticken

Der Wish-Kunde tickt anders als der durchschnittliche Amazon-Käufer. Während es für Amazon-Kunden oft neben dem Preis auch das Einkaufserlebnis und der Service sind, die bei der Anbieterwahl den Ausschlag geben, steht bei den Wish-Kunden klar der Preis im Vordergrund, wie Szulczewski einräumt.

Einmal gekauft müssen sich die Kunden allerdings in Geduld üben. Oft dauere es zwei drei Wochen, bis die Ware ankommt, räumt Szulczewski ein. Für die Einsparungen nähmen viele Kunden dies aber gerne in Kauf. "Unsere Nutzer sind bereit zwei oder drei Wochen zu warten, um zwei, drei Euro zu sparen", fasst er die Erkenntnisse der App zusammen.

Keine Suche, kurze Einkaufszeit, kleine Bildschirme, mehr Bilder

Doch manch einer will es dann doch lieber schneller, weshalb Wish im vergangenen Jahr ein Express-Programm auflegte. Dessen Teilnehmer müssen zusichern, dass die Kunden die Ware innerhalb von 6 Tagen bekommen. In Europa seien auch 2 bis 3 Tage Lieferzeit machbar, ist Szulczewski überzeugt. Ein Wert, der Wish näher in Richtung Amazon rücken könnte.

Daran, schneller an europäische Kunden liefern zu können, arbeitet Wish mit Hochdruck - und zwar mit Hilfe des chinesischen Logistikers SF Express. So will die chinesische Logistik-Nummer zwei den Flughafen Leipzig-Halle zu seinem Europa-Drehkreuz machen. Eine entsprechende Absichtserklärung ist bereits unterschrieben. 

Europäische Warenlager und Drehkreuz - Wish drückt aufs Tempo

Zudem hat SF Express bereits Ende 2017 in der estnischen Hauptstadt Talinn ein Lager für Wish-Marktplatzbeschicker  eingerichtet, von dem aus sie Kunden aus elf europäischen Ländern schneller beliefern können.

Für Wish ist es vor allem die Masse, die das Geschäft macht. Und die dafür sorgt, dass die Händler die Waren zuverlässig liefern. Man müsse einer der größten drei Absatzkanäle der Kunden sein, erläuterte Szulczewski 2016 auf einer Technologiekonferenz das Prinzip.

Lange waren es vor allem Facebook und andere Social-Media-Kanäle, auf denen Wish für hunderte Millionen Werbedollar neue Nutzer warb.

Mit seinem Fußball-Werbespot und dem Logo auf dem Trikot der Los Angeles Lakers geht Wish nun einen Schritt weiter - und versucht auch Leute, die nicht unbedingt digitale First-Mover sind, für seine Produkte zu begeistern.

Ein Plan, der zumindest im ersten Schritt aufgeht. Seit dem - extrem kostspieligen - Fußballervideo sind die Downloadzahlen noch einmal massiv hochgeschnellt.

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