Mittwoch, 16. Oktober 2019

China-Ware zu Kampfpreisen Diese App setzt Amazon bei jungen Kunden zu

Prominente Unterstützung: Neymar und eine Reihe weiterer Fußballstars sollen Wish weltweit bekannter machen
Wish Shopping/youtube
Prominente Unterstützung: Neymar und eine Reihe weiterer Fußballstars sollen Wish weltweit bekannter machen

2. Teil: Smartphone-Shopper drücken öfter auf "Kaufen"

Kauften viele Onlineshopper früher vor allem über den Desktop ein, hat sich der Trend gewandelt. Selbst in Deutschland shoppt mittlerweile fast jeder Zweite über Smartphone oder Tablet - und immer mehr auch über Apps, wie eine aktuelle Studie des Technologieunternehmens Criteo zeigt. Für deren Betreiber ein lohnendes Geschäft: Tippen doch bei einer App drei Mal so viele Kunden das "Kaufen" Symbol als bei einer mobilen Website.

Wieviel Umsatz der neue Online-Marktplatz hierzulande erzielt, der selbst gar keine Produkte verkauft, sondern vor allem chinesischen Billigherstellern einen Zugang zu europäischen und amerikanischen Kunden verschafft, ist unbekannt. Aktuelle Geschäftszahlen veröffentlicht Wish keine. Auf Anfragen von manager-magazin.de reagierte das Unternehmen nicht.

Los Angeles Lakers : Auch das NBA-Team wirbt seit einigen Monaten für Wish

Die jüngsten Zahlen stammen von 2016. Damals sprach Wish-Chef Pater Szulczewski davon, dass der Umsatz deutlich jenseits von zwei Milliarden Dollar liege - bei einem einstelligen Millionengewinn. Und davon, dass sich der Umsatz der App, in die Geldgeber wie der Staatsfonds Temasek aus Singapur, Founders Fund und Yahoo Gründer Jerry Yang mehr als 1,25 Milliarden Dollar gepumpt haben, in den vergangenen Jahren um jeweils mehr als verdoppelt habe.

16 Produkte jährlich kaufte 2016 demnach jeder Kunde im Durchschnitt. Aktuell sollen es mehr als 300 Millionen Kunden sein, die regelmäßig über die App shoppen, die der der frühere Google-Programmierer Szulczewski zusammen mit Danny Zhang, einem Ex-Yahoo-Programmierer, 2010 gegründet hat.

Von der Wunschliste zum Marktplatz der Massen

Damals allerdings noch als eine Art Wunschliste, auf der Nutzer interessante Produkte speichern konnten, die sie bei Onlinehändlern entdeckt hatten. Als Szulczewski und Zhang merkten, dass er vor allem chinesisches Billigprodukte waren, für die sich die Leute interessierten, starteten sie die App in ihrer heutigen Form.

Anders als Shoppingportale wie Amazon Börsen-Chart zeigen oder Ebay arbeitet Wish allerdings nicht mit Suchfunktionen, sondern kuratiert mit Hilfe von Algorithmen Waren, die für die Nutzer interessant sein könnten. Und versucht diese dann so schnell wie möglich, zur Kasse zu lotsen. Was bestellt ist, ist bestellt.

Dabei arbeitet die App im dauerhaften Schnäppchenmodus, preist permanent angebliche Preisnachlässe an - und variiert dazu bei Bedarf auch den Preis in einem vorher mit den Händlern vereinbarten Fenster.

Das Geschäftsmodell hingegen ist denkbar einfach: Pro verkauftem Artikel kassiert Wish entweder einen fixen Prozentsatz - oder einen vereinbarten Fixbetrag.

Dass die erst wenige Jahre alte App so schnell wachsen konnte, führt der CEO darauf zurück, dass die Anzahl von preissensiblen Käufern, die gerne shoppen, aber über sehr begrenzte Ressourcen verfügen, lange von vielen Anbietern und Investoren unterschätzt wurde.

"Die unsichtbare Hälfte", wie er es nennt, deren Existenz - wie die der Trump-Wähler - von vielen lange übersehen wurde.

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