Philip Morris-Chef Jacek Olczak Marlboro-Hersteller träumt von einer "Welt ohne Zigaretten"

Bis 2030 sollen Marlboro und Co aus den Verkaufsregalen in Großbritannien fliegen, kündigt Philipp Morris an. Der Konzern will sich neu aufstellen und langsam zu einem "Gesundheits- und Wellness-Unternehmen" wandeln. Kritiker sprechen von Heuchelei.
Auf dem Rückzug: Der Tabak-Riese Philip Morris will klassische Zigaretten seiner Marken Marlboro und Co aus britischen Verkaufsregalen verbannen und sein Geld verstärkt mit angeblich weniger gesundheitsschädlichen Produkten verdienen

Auf dem Rückzug: Der Tabak-Riese Philip Morris will klassische Zigaretten seiner Marken Marlboro und Co aus britischen Verkaufsregalen verbannen und sein Geld verstärkt mit angeblich weniger gesundheitsschädlichen Produkten verdienen

Foto: Mel Evans/ AP

Er könne sich "eine Welt ohne Zigaretten vorstellen ... und tatsächlich, je früher es passiert, desto besser ist es für alle", sagte Jacek Olczak (56) am Wochenende dem britischen "Telegraph" . Überraschend ist das, weil Olczak Chef von Philip Morris ist, einem der weltgrößten Tabakkonzerne mit Marken wie Marlboro, Chesterfield oder L&M. "Ich möchte, dass diese Gesellschaft das Rauchen hinter sich lässt", sagte Olczak. "Ich denke, dass man in Großbritannien in maximal zehn Jahren das Problem des Rauchens komplett lösen kann."

Die Aussagen erscheinen im ersten Moment überraschend, kommen aber nicht von ungefähr: Die britische Regierung hat vor zwei Jahren angekündigt, auf der Insel klassische Tabakprodukte bis zum Jahr 2030 verbieten zu wollen. Bis dahin sollen nun auch die Glimmstengel von Marlboro und Co aus britischen Verkaufsregalen verschwinden, erklärte Olczak.

Doch es gibt noch handfestere Gründe für den Abschied vom Tabak: Die klassische Zigarette ist auf dem Rückzug, die Erlöse gehen zurück. Olczaks Strategie ist es, den Konzern zu diversifizieren. So sucht Philip Morris schon länger und mit Nachdruck, sein Geschäft in vermeintlich weniger gesundheitsschädlichen Nikotin-Produkten wie den einem Stift ähnelnden Tabakerhitzer Ipqos. Gut ein Viertel seiner weltweiten Umsätze von rund 28 Milliarden US-Dollar spielt der Tabak-Riese mittlerweile mit alternativen Produkten ein. Philip Morris hatte sich 2008 von der US-Muttergesellschaft Altria abgespalten

Kürzlich hatte Philip Morris angekündigt, es wolle in Zukunft gar die Hälfte seines Umsatzes mit Nichtraucherprodukten erwirtschaften und sich parallel in ein "Gesundheits- und Wellness-Unternehmen" verwandeln, dessen Managergehälter auch an das Ziel geknüpft seien, "die Welt zu entrauchen", indem die Zigaretten zusehends verschwinden.

Aktivisten dagegen werfen Philip Morris Heuchelei vor – etwa als der Konzern unlängst eine Milliarde Pfund für Vectura bot, ein britisches Apothekenunternehmen, das Asthma-Inhalatoren herstellt. Sie argumentieren, dass sich Tabakkonzerne wie Philip Morris als Teil der Lösung für eine rauchfreie Welt positionieren, während sie weiterhin krebserregende Zigaretten verkaufen und bewerben.

rei
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