Möglicher Milliardendeal Unilever lässt bei GSK-Konsumgütersparte nicht locker

Es könnte der größte Deal seit Beginn der Corona-Pandemie werden: Unilever will das Konsumgütergeschäft von Glaxosmithkline übernehmen. Das Gebot von 60 Milliarden Euro wiesen die Briten noch als zu niedrig zurück – nun will Unilever offenbar noch einmal nachlegen.
Passt ins Programm: Unilever will sein Portfolio mit der GSK-Sparte vergrößern

Passt ins Programm: Unilever will sein Portfolio mit der GSK-Sparte vergrößern

Foto: imago stock&people / imago/Newscast

Der Langnese-Eis-Hersteller Unilever pokert mit vielen Milliarden Dollar um die Konsumgütersparte des britischen Pharmariesen Glaxosmithkline (GSK). Unilever sieht den Hersteller von Sensodyne-Zahnpasta und Voltaren-Schmerzmittel als strategisch gut passend an und signalisierte am Montag, sich nach der abgelehnten Offerte in Höhe von 50 Milliarden Pfund (60 Milliarden Euro) nicht geschlagen zu geben. "Die Übernahme würde eine Wachstumsplattform schaffen für das kombinierte Geschäft in den USA, China und Indien und uns weitere Möglichkeiten in anderen Schwellenländern ermöglichen", erklärte Unilever. GSK-Aktien  legten an der Londoner Börse um 5 Prozent zu, Titel von Unilever  gaben um 4 Prozent nach.

Ein Übernahmedeal mit diesem Volumen wäre weltweit der größte seit Beginn der Coronavirus-Pandemie. Unilever mit seinen Marken wie Rexona-Deo und Dove-Duschgel könnte dadurch sein Schönheits- und Körperpflegeportfolio stärken und es mit Konzernen wie Estée Lauder und L’Oréal aufnehmen. GSK würde dem Druck seiner Investoren nachgeben, die seit einiger Zeit auf eine Abspaltung der Konsumgütersparte drängen. An dieser ist der US-Pharmakonzern Pfizer mit 32 Prozent beteiligt, seit beide Firmen ihre entsprechenden Geschäfte im Jahr 2019 zusammengelegt haben.

GSK hatte die 50 Milliarden Pfund schwere Offerte von Unilever abgelehnt und den gebotenen Betrag am Wochenende als zu niedrig bezeichnet. An der ohnehin geplanten Abspaltung in Form eines Börsengangs halte der Vorstand weiterhin fest. Die Agentur "Bloomberg" hatte unter Berufung auf Insider berichtet, im Hintergrund stünden Investoren, die auf einem höheren Preis oder alternativ einen Börsengang der Sparte beharrten. Unilever habe auch mit Banken über eine Finanzierung einer möglichen höheren Offerte gesprochen. Nach einer Übernahme könne Unilever Teile der Sparte an Finanzinvestoren und andere Käufer weiterveräußern und die Erlöse ebenfalls zur Finanzierung der Akquisition verwenden.

Investoren wetten auf höheren Aktienkurs

Die Konsumgütersparte erlöste zuletzt zehn Milliarden Pfund und steuerte damit fast ein Drittel zum gesamten Jahresumsatz von GSK bei. GSK erhielt nach eigenen Angaben bereits mehrere Angebote von Unilever, zuletzt kurz vor Weihnachten in Höhe von 41,7 Milliarden Pfund (50 Milliarden Euro) in bar und 8,3 Milliarden Pfund (zehn Milliarden Euro) in Form von Unilever-Aktien. Im vergangenen Jahr hatte der aktivistische Investor Elliott einen Verkauf der GSK-Sparte gefordert. Wenn sich GSK komplett davon trenne, könne dies den Aktienkurs um 45 Prozent nach oben treiben, hatte Elliott vorgerechnet.

James Edwardes Jones von der Bank RBC zeigte sich insgesamt nicht überrascht über das Käuferinteresse an der GSK-Sparte – wohl aber, dass es sich dabei um Unilever handele. Der Analyst hält dies "für keine gute Idee". Er habe eher Unternehmen wie Rekitt Benckiser oder Procter & Gamble im Sinn gehabt. Er nimmt an, dass Unilever den Vorstoß gemacht hat, um die schwierigen Aussichten im bestehenden Geschäft zu überdecken.

Unilever habe mit geschätzt zwei Dritteln des Geschäfts keine Überlappungen. Das Portfolio bestehe zu einem Großteil aus nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten, ein Feld, in dem Unilever bislang noch nicht vertreten sei und in dem das Unternehmen keinerlei Erfahrung mit regulatorischen Dingen habe. Dies könne es für Unilever schwierig machen, die dann übernommenen Produkte etwa in neuen Märkten auszurollen, schätzt der Experte. Zudem dürfte sich eine Übernahme finanziell auch mit Blick auf mögliche Synergien nicht lohnen und eine hochverschuldete Unilever zurücklassen.

Auch der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) spaltet sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten ab. Derzeit gibt es weltweit eine Welle solcher Unternehmens-Aufspaltungen oder Trennungen von Sparten. Sie folgen der Theorie, dass Mischkonzerne an der Börse oft niedriger bewertet werden als ihre Einzelteile.

cr/Reuters, dpa-afx