Hedgefonds-Milliardär Investor Nelson Peltz rückt in Unilevers Verwaltungsrat

Der aktivistische Investor Nelson Peltz aus New York, eine schillernde Wall-Street-Legende, soll in den Verwaltungsrat des Konsumgüter-Giganten Unilever einziehen. Das Management kann sich auf unbequeme Fragen einstellen.
Wall-Street-Legende: Investor Nelson Peltz mischt künftig Unilever auf

Wall-Street-Legende: Investor Nelson Peltz mischt künftig Unilever auf

Foto: Mike Blake / REUTERS

Es ist eine Aufsehen erregende Personalie: Der aktivistische Investor Nelson Peltz (79) soll im Juli in den Verwaltungsrat des Konsumgüterkonzerns Unilever einziehen. Peltz, der mit seinem New Yorker Hedgefonds Trian inzwischen rund 1,5 Prozent der Unilever-Aktien hält, sei zum nicht-geschäftsführenden Verwaltungsratsmitglied ernannt worden, teilte der Konzern am Dienstag in London mit. Er werde Mitglied des Vergütungsausschusses. Unter den übrigen Investoren wurde die Meldung sehr positiv aufgenommen. Unilever-Aktien  legten zuletzt um 7 Prozent zu.

Aktivistische Investoren wie Peltz steigen gern bei Konzernen ein, die Schwierigkeiten haben und drängen dann auf Veränderungen. Erst in der vergangenen Woche wurden zwei Abgesandte von aktivistischen Hedgefonds für das Board des Siemens-Rivalen Toshiba nominiert. Auch deutsche Unternehmen gelten aktuell als attraktive Ziele für die Hegdefonds.

Peltz hat eine schillernde Karriere hinter sich. Seit Jahren erwirbt er immer wieder Aktienpakete großer Konsumgüterkonzerne wie Heinz, PepsiCo, Mondelez oder Kraft, um Einfluss zu gewinnen. So zog er auch ins Board von Mondelez und Procter & Gamble (2018) ein. Er ist zehnfacher Vater, allein mit seiner dritten Frau, dem Ex-Model Claudia Heffner, hat er acht Kinder. Seine Tochter Nicola (27) ist mit Brooklyn Beckham (23) verheiratet, dem Sohn von Ex-Spice Girl Victoria Beckham (48) und Ex-Fußballstar David Beckham (47). Peltz' persönliches Vermögen wurde zuletzt auf 1,8 Milliarden Dollar geschätzt.

Nun also Unilever. "Wir freuen uns darauf, mit dem Management und dem Vorstand zusammenzuarbeiten, um die Strategie, das operative Geschäft, die Nachhaltigkeit und den Shareholder Value von Unilever voranzutreiben", sagte Peltz. Mit anderen Worten: Für die Konzernführung um CEO Alan Jope (59) dürfte es ungemütlich werden.

Analysten begrüßen Einstieg des Investors

Der Einstieg von Peltz kommt für Jope zu einer schwierigen Zeit. Er war Anfang des Jahres mit dem Versuch gescheitert, in einem Megadeal das Konsumentengeschäft des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline zu übernehmen. Sein 68-Milliarden-Dollar-Angebot war als "fundamental unterbewertet" zurückgewiesen worden. In der Finanzwelt löste der gescheiterte Versuch, heftige Kritik aus. Zudem machen steigende Kosten dem Konzern zu schaffen.

Die Unruhe nach dem geplatzten Deal nutzte Peltz – und baute eine Position auf. Als Ende Januar Meldungen seines Engagements die Runde machten, sprang der Kurs schon einmal um 6 Prozent. In den Folgemonaten waren die Papiere jedoch eingebrochen und liegen derzeit rund 30 Prozent unter dem Höchststand von 2019. Nun hoffen die Investoren, dass Peltz mehr Druck macht. Die Analysten von der kanadischen Bank RBC etwa hießen die Nachricht seiner Nominierung für das Board "willkommen". Analyst James Edwardes Jones hofft, dass Peltz "positive Veränderungen bei Kultur, Vergütung und Organisationsstruktur anregen kann", so wie er es bei Procter & Gamble getan habe.

"Wir haben ausführliche und konstruktive Gespräche mit ihm und dem Trian-Team geführt und sind überzeugt, dass Nelsons Erfahrung in der globalen Konsumgüterindustrie für Unilever von großem Wert sein wird", sagte Unilever-Verwaltungsratschef Nils Andersen (61).

lhy/Reuters