Markteinstieg geplant Uber Eats greift Lieferando in Deutschland an

Schlechte Nachrichten für Deutschlands Marktführer: Uber will mit seinem Essenslieferdienst nun auch hierzulande starten. Die Aktien der Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway rutschen ab.
Start in Berlin: Ähnlich wie der finnische Lieferando-Konkurrent Wolt will Uber Eats Deutschland von der Hauptstadt aus erobern

Start in Berlin: Ähnlich wie der finnische Lieferando-Konkurrent Wolt will Uber Eats Deutschland von der Hauptstadt aus erobern

Foto: - / dpa

Uber steigt in das Geschäft mit Essenslieferungen in Deutschland ein, das aktuell von Lieferando beherrscht wird. Der Fahrdienst-Vermittler will seinen Dienst Uber Eats in einigen Wochen zunächst in Berlin starten, wie der zuständige Topmanager Pierre-Dimitri Gore-Coty der "Financial Times " (kostenpflichtig) sagte. In der Corona-Pandemie wurden Essenslieferungen für Uber zu einem deutlich wichtigeren Geschäftsbereich, während es bei Fahrdiensten Einbrüche gab.

Uber habe bereits eine Vielzahl großer und kleiner Restaurants in Berlin an Bord geholt, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Man wolle in Deutschland eine Marktlücke mit dem Angebot von Lieferlogistik an Gaststätten füllen: Die meisten Restaurants lieferten bisher selbst aus.

Laut Gore-Coty gibt es im deutschen Markt Interesse an einer Alternative zum klaren Marktführer Lieferando, da der zum Konzern Just Eat Takeaway gehörende Dienst "außerordentlich hohe" Gebühren habe. Der Chef von Just Eat Takeaway, Jitse Groen (42), hatte schon vor Wochen die Folgen eines Markteintritts von Uber Eats heruntergespielt. "Unser größter Konkurrent in Deutschland ist das Telefon - nicht etwa Deliveroo oder Uber Eats", sagte er und verwies darauf, dass die meisten Verbraucher nach wie vor in den Lokalen anriefen.

Für Uber Eats kann es in Deutschland in der Tat sehr schwierig werden. Das Unternehmen setzt in den meisten Ländern auf selbstständige Gig-Worker, die nur für die Auslieferung der Bestellung bezahlt werden. Das ist günstiger als die Fahrer anzustellen. Ähnlich werden auch die Mietwagen-Chauffeure in der Fahrdienst-Vermittlung von Flottenpartnern beschäftigt. Doch in Deutschland halten viele dieses Modell für illegal.

Aktie von Just Eat Takeaway unter Druck

Auch Uber ist es offensichtlich zu heikel: Der Dienst will hierzulande mit Subunternehmern operieren, die dann die Fahrer bezahlen. Wie genau, lässt der Dienst noch offen. Lieferando beschäftigt dagegen alle seine 10.000 Fahrer sozialversicherungspflichtig. Auch der Lieferando-Konkurrent Wolt geht so vor.

Aktionäre von Just Eat Takeaway  beruhigte dies indes nicht: Die Papiere der Niederländer büßten am Morgen in London 4,4 Prozent ein. Deutschland ist der wichtigste Markt für das Unternehmen, ein neuer Konkurrent daher keine gute Nachricht für den Lieferdienst. So kommentierte Takeaway-Chef Groen den Markteintritt denn auch mit den Worten: "Interessante Möglichkeit, unseren Aktienkurs zu drücken". Groen vermutet wohl als eigentliches Ziel hinter dem Markteintritt die Schwächung von Just Eat Takeaway. In den USA greift Takeaway durch die Übernahme von Grubhub nämlich Uber Eats an.

Bei den Anlegern von Delivery Hero  drückte die Nachricht eher wenig auf die Stimmung, zuletzt bewegten sich die Papiere des Dax-Mitglieds leicht mit 0,3 Prozent im Minus. Seit dem Verkauf der Deutschland-Aktivitäten an Takeaway im Jahr 2018 ist das Unternehmen in Deutschland nicht mehr mit einem Lieferdienst aktiv. Beim Kochboxenlieferanten Hellofresh  fiel das Minus mit 1,6 Prozent am Mittwoch deutlicher aus.

Deliveroo  hatte den deutschen Markt 2019 aufgegeben. Uber hatte 2019 seine Pläne für einen Markteintritt in Deutschland in letzter Minute gestoppt. Damals waren nach Informationen von manager magazin  hunderte Millionen Dollar budgetiert. Hierzulande relativ neu ist der finnische Lieferdienst Wolt. Vorstandschef Miki Kuusi (30) hatte im Interview mit dem manager magazin  jüngst erklärt, wie er den Marktführer attackieren will.

mg/dpa-afx