Top 10 Global Consumer Trends Jeder ist ein Experte - so tickt der Verbraucher der Zukunft

Zurück zu den Basics, weniger Plastik, jeder ist ein Experte: 10 Trends, die das Verhalten von Konsumenten verändern

Zurück zu den Basics, weniger Plastik, jeder ist ein Experte: 10 Trends, die das Verhalten von Konsumenten verändern

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Was sind die wichtigsten Trends, die das Verhalten von Kunden und Verbrauchern bestimmen? Worauf müssen Unternehmen achten, wenn sie ihre Waren und Dienstleistungen erfolgreich beim Kunden platzieren wollen? Das Marktforschungunternehmen Euromonitor International versucht, mit seinem Bericht über die "Top 10 Global Consumer Trends"  eine Antwort auf diese Fragen zu geben. manager-magazin.de veröffentlicht exklusiv die wichtigsten Ergebnisse.

1) Jeder ist ein Experte

Verbraucher sind besser informiert als je zuvor - die Digitalisierung gibt ihnen mehr Möglichkeiten denn je, sich über angebotene Produkte zu informieren und auszutauschen. Dieser Trend bedeutet eine Machtverschiebung vom Einzelhändler zum Verbraucher: Während sich Verbraucher früher auf eine bestimmte Marke verlassen haben, müssen Unternehmen heutzutage innovativ sein und den Käufern niedrige Preise bei hoher Qualität bieten. Für Endverbraucher wird es immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit, im Netz Informationen zu sammeln und ihre Erfahrungen in Verbraucherforen auszutauschen. Unternehmen, die sich diesem Informationshunger ihrer Kunden nicht stellen, riskieren ihre Marktstellung.

2) Ich kann auf mich selbst aufpassen

Verbraucher haben mehr Möglichkeiten, für sich selbst zu sorgen und ihre individuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Dieser Trend zeigt sich bereits im Bereich Gesundheit und Fitness: Eine Gesundheits- oder Fitness-App auf dem Smartphone ersetzt in vielen Fällen bereits den Gang zu einem Fitness-Trainer, in manchen Fällen sogar den Arztbesuch. Anders gesagt: Wir sind weniger auf professionelle Hilfe angewiesen, um bestimmte Probleme des Alltags zu lösen oder individuelle Wünsche zu erfüllen. Verbraucher haben die Möglichkeit, sich ihren individuellen Lifestyle-Service zusammenzustellen, und sind dadurch weniger abhängig von den Glücksversprechen etablierter Marken.

3) Ich will es - sofort!

Lange Wartezeiten wird sich künftig kaum ein Unternehmen noch erlauben können. Je effizienter unsere Arbeit und unser soziales Umfeld durchgetaktet werden, desto größer ist das Verlangen, sich sofort mit einer Ware oder einer Dienstleistung zu belohnen. Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen ihre Kundendaten gut managen - und deren Bedürfnisse in Rekordzeit erfüllen.

4) Zurück zu den Basics

Verbraucher in Industrieländern ändern ihre Konsumgewohnheiten. Einfachheit, Authentizität und Individualität sind Werte, die den Konsum von morgen stärker bestimmen werden als bisher. Denn kaum jemand will sich (zumindest öffentlich) noch als plumper Materialist outen, der wahllos massenhaft Waren anhäuft. Sozialer Status definiert sich nicht mehr über die Menge, die wir konsumieren. Laut Euromonitor dürfte dieses Konsumverhalten auch schrittweise in den Emerging Markets eine größere Rolle spielen. Nachahmer-Produkte sollten es dann schwerer haben als bisher.

Weg mit dem Plastikmüll

Plastikmüll im Meer: Den Teufelskreis durchbrechen

Plastikmüll im Meer: Den Teufelskreis durchbrechen

Foto: Mike_Nelson/ dpa

5) Weg mit dem Plastik

Plastik und Verpackungsmüll vergiften die Meere und unsere Umwelt. Seit China sich weigert, den Plastikmüll der westlichen Welt diskret im eigenen Land zu entsorgen, wird über Alternativen zum Einwegplastik diskutiert. Dieser Trend dürfte sich weiter verstärken.

Statt den tödlichen Kreislauf weiter zu beschleunigen, in dem Mikroplastik im Fisch am Ende wieder auf unseren eigenen Tellern landet, dürften Industrie und Verbraucher nach Wegen suchen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und Lösungen zu finden. Nachhaltige Produkte ohne Plastikmüll dürften künftig immer stärker gefragt sein: Verbraucher werden in Zukunft bereit sein, mehr Geld zu investieren, um die Verwendung von Plastik im Alltag zu minimieren. Laut Euromonitor müssen nicht nur die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, sondern auch die Hersteller von Schönheits- und Körperpflegeprodukten diesen Trend mitgehen.

6) Der bewusste Konsument gewinnt an Bedeutung

Früher galt der Verbraucher, der seine Kaufentscheidung auch von ethischen Fragen abhängig machte, als Vertreter einer kleinen Minderheit. Inzwischen stellen sich immer mehr Menschen die Frage, welcher Hersteller eigentlich hinter dem Produkt ihrer Wahl steht - und wie sich dieser Hersteller verhält. Große Konsumgüterhersteller achten stärker auf den bewussten Konsumenten als früher - denn sie wissen, dass es viele Alternativen zu ihrem Produkt gibt, sollten sie im Test des bewussten Konsumenten durchfallen.

Verantwortungsvolles Wirtschaften gewinnt an Bedeutung: Dies gilt für Textilunternehmen, die darauf achten müssen, dass in ihren Produktionsstätten soziale Mindeststandards eingehalten werden. Aber auch Lebensmittel- und Konsumgüterkonzerne müssen ihre Produktionsmethoden offenlegen - nicht nur mit Blick auf Tierversuche und industrielle Landwirtschaft.

Die Lust, etwas zu verpassen - aus Fomo wird Jomo

7) Die Freude, etwas zu verpassen - aus Fomo wird Jomo

Das Phänomen "Fear of missing out" ("Fomo") hat Konzerne wie Facebook oder Apple reich gemacht: Die Angst, etwas zu verpassen, hat über Jahre die Konsumbereitschaft der Verbraucher weltweit erhöht. Inzwischen gewinnt der gegenläufige Trend an Schwung: Viele Verbraucher empfinden Freude daran, etwas zu verpassen (Joy of missing out, Jomo). Sie wollen über ihre Freizeit und über ihre Aktivitäten selbst bestimmen - und empfinden es als Gewinn von Lebensqualität, sich auch einmal auszustöpseln und offline zu sein.

Wir sind alterslos

8) Wir sind alterslos

Der Anteil älterer Menschen in den westlichen Industrienationen steigt. Dennoch werden diejenigen Unternehmen am erfolgreichsten sein, die nicht für bestimmte Altersgruppen produzieren, heißt es im Consumer Trends Report von Euromonitor . Produkte und Services müssen weltweit verfügbar sein - und haben dann gute Chancen, über Altersgruppen hinweg konsumiert und genutzt zu werden. Die "Baby Boomer Generation" (ab 1965 geboren) hat mehr gemeinsam mit "Millenials" (ab 2000) und "Post-Millenials", als viele glauben, so die These. Unternehmen dürften gut damit fahren, eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede dieser Altersgruppen im Blick zu behalten.

Wir können jederzeit zusammensein - digital ...

9) Wir können zusammensein - digital

Hochgeschwindigkeits-Internet ist an immer mehr Orten der Welt verfügbar. Selbst in Deutschland soll das mobile Internet in den kommenden Jahren deutlich beschleunigt werden. Damit ist die Grundlage für interaktives Erleben und den Austausch großer Datenmengen gelegt. Ausbildung, Weiterbildung, Freizeitgestaltung, Dating, Gaming - Verbraucher erwarten, dass sie in der Onlinewelt Erlebnisse haben, die sich wie Erlebnisse in der realen Welt anfühlen. Die Möglichkeiten, sich weltweit zusammenzufinden und Interessengemeinschaften zu bilden, verschafft auch Handelskonzernen und Dienstleistern weltweit neue Möglichkeiten.

... aber wir waren noch nie so allein

10) … Aber wir waren noch nie so allein

Während das Internet immer mehr Menschen miteinander verbindet, zerfallen die traditionellen Familienhaushalte. Nach Berechnungen des Pew Research Centers nimmt die Zahl der Single-Haushalte in den westlichen Industrienationen zu: Wenn die Baby-Boomer in den USA in einigen Jahren das 50. Lebensjahr vollenden, dürfte jeder vierte von ihnen als Single leben. Die Zahl der Familien und Ehegemeinschaften nimmt ab - mit drastischen Folgen für das Konsumverhalten der Menschen.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.