Sonntag, 31. Mai 2020

Warnung vor Finanzierungsrisiken Tom Tailor setzt auf Staatshilfe

Die Läden in Europa sind weitgehend geschlossen: Tom Tailor warnt vor Finanzierungsrisiken und setzt auf Staatshilfe
Sabine Skiba/Tom Tailor
Die Läden in Europa sind weitgehend geschlossen: Tom Tailor warnt vor Finanzierungsrisiken und setzt auf Staatshilfe

Die kriselnde Modekette Tom Tailor gerät wegen der Schließung ihrer Läden zur Eindämmung des Coronavirus in Bedrängnis. Das Unternehmen leide unter einem signifikanten Umsatz- und Ertragsrückgang und sehe erhebliche Finanzierungsrisiken durch die Corona-Krise, warnte der Konzern am Montagabend in einer Pflichtmitteilung an die Börse.

Es bestehe sowohl das Risiko von Liquiditätsengpässen als auch die Gefahr der Nichteinhaltung von Kreditkennzahlen. Im Herbst hatte sich die Modekette erst nach langem Ringen mit seinen Konsortialbanken und dem chinesischen Mehrheitsaktionär Fosun auf eine neue Finanzierungsstruktur verständigen können.

Die Marktbedingungen in fast allen relevanten Märkten der Gruppe hätten sich deutlich verschlechtert. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Ausbreitung des Coronavirus habe die Gruppe die eigenen Filialen in den meisten europäischen Märkten bis auf Weiteres geschlossen. Auch das laufende Geschäft mit Großkunden sei durch die angeordneten Einschränkungen betroffen. Der Onlinehandel der Tom-Tailor-Gruppe und der Online-Großkunden sei aktuell nicht betroffen.


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Tom Tailor will nun die Kosten drücken und hofft auf staatliche Hilfen. Der Vorstand wolle die in Europa angekündigten finanziellen Unterstützungsprogramme beantragen, erklärte das Unternehmen weiter.

Dazu gehören unter anderem staatliche Finanzierungsprogramme, Stundung von Steuerzahlungen, sowie Kurzarbeit, die bereits von der Gesellschaft für die eigenen Filialen beantragt worden sei. Am Dienstag will Tom Tailor nur die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 veröffentlichen und nicht wie ursprünglich geplant den vollständigen Jahresabschluss 2019.

Erst vor drei Tagen ist die konkurrierende Modekette Esprit in ihrer Liquiditätsnot in ein Schutzschirmverfahren nach deutschem Insolvenzrecht geflüchtet.

rei/dpa/Reuters

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