Machtfrage geklärt Christian Haub übernimmt Mehrheit an Tengelmann

Der Handelskonzern Tengelmann entkommt dem zähen Familienstreit. Die Erben des verstorbenen Chefs Karl-Erivan Haub haben ihre Anteile an dessen Bruder Christian verkauft. Der kann jetzt durchstarten.
Herr über Tengelmann: Karl-Erivans Bruder Christian Haub hat die Zweidrittelmehrheit sicher

Herr über Tengelmann: Karl-Erivans Bruder Christian Haub hat die Zweidrittelmehrheit sicher

Foto: Tengelmann

Beim Handelskonzern Tengelmann sind die Machtverhältnisse geklärt. Die Erben des für tot erklärten Ex-Chefs Karl-Erivan Haub haben ihre Anteile an dem Unternehmen an dessen Bruder Christian (56) verkauft. Der notarielle Kaufvertrag sei am Donnerstag unterzeichnet worden, teilten die Anwälte beider Seiten, Mark Binz und Peter Gauweiler, mit. Sie sprachen von "langwierigen und harten", aber fairen Verhandlungen, die damit zum Abschluss gekommen seien. Das manager magazin hatte im April berichtet , dass sich dieser Deal abzeichnete.

Christian Haub, der nach dem Verschwinden von Karl-Erivan Haub in den Schweizer Alpen die Leitung der Tengelmann-Gruppe übernommen hatte, wird mit 68,67 Prozent Mehrheitsgesellschafter. Die restlichen Anteile von 31,33 Prozent hält sein Bruder Georg Haub (59). Dieser übt keine Funktion im Unternehmen aus, gilt aber als interessiert am Immobiliengeschäft. Denkbar wäre eine Abspaltung im Tausch gegen die übrigen Anteile, sodass Christian Haub Tengelmann zu 100 Prozent kontrollieren würde.

Zum Kaufpreis und zu den Einzelheiten des Vertrags machten die Anwälte keine Angaben. Christian Haub hatte 1,1 Milliarden Euro geboten, Karl-Erivan Haubs Witwe Katrin Haub jedoch 1,6 Milliarden Euro gefordert. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe den gesamten Firmenwert vor Corona auf rund vier Milliarden Euro taxiert, sagte Christian Haubs Anwalt Mark Binz dem "Handelsblatt" im vergangenen Oktober, der Preis für ein Drittel der Anteile läge demnach etwa in der Mitte zwischen den beiden Vorstellungen.

Karl-Erivan Haub war im April 2018 nicht von einer Skitour im schweizerischen Zermatt zurückgekehrt. Das Amtsgericht Köln hatte ihn im vergangenen Monat für tot erklärt. Dieser Beschluss war am Mittwoch rechtskräftig geworden. Zu Tengelmann gehören die Baumarktkette Obi und der Textildiscounter Kik, die nun beide kapitalmarktreif werden sollen. Vor allem in den USA will Christian Haub, der dort lange lebte, wachsen. Von weiteren Ketten wie Kaiser's Tengelmann, Netto oder Tedi hat sich der Konzern getrennt.

ak/dpa-afx
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