Dienstag, 23. Juli 2019

Karl-Erivan Haub nach Skitour weiter vermisst Schneemassen verzögern Suche nach Ex-Tengelmann-Chef

Bleibt vermisst: Ex-Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub

Zermatt - Trotz sommerlicher Temperaturen am Berg muss die Familie von Karl-Erivan Haub weiter auf die Bergung des früheren Tengelmann-Chefs warten. Weil es im vergangenen Winter so heftig geschneit hat, liegt der Schnee oberhalb von Zermatt am Matterhorn weiterhin meterdick, wie der Rettungschef von Zermatt, Anjan Truffer, der Deutschen Presse-Agentur am Montag sagte. Eine neue Suche nach dem seit April in der Schweiz vermissten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub könnte sich daher bis Ende September oder Oktober verzögern, hieß es.

"Wir werden uns sicher im September erneut mit der Familie Haub besprechen, wie es weiter geht", sagte Truffer. In anderen Jahren wäre den Angaben zufolge eine gezielte Suche schon Mitte oder Ende August möglich gewesen.

Die "WAZ" hatte bereits Ende Juli berichtet, dass die Suche wegen der aktuellen Witterungsbedingungen wohl erst im September fortgesetzt werden kann. Sollte ein früher Wintereinbruch prognostiziert werden, sei es aber auch denkbar, dass früher mit der Suche begonnen werde, hieß es.

Noch bis in den Juni hatten Suchtrupps nach französischen Medienberichten niedriger gelegene Zonen des Massivs abgesucht, wo die Leiche Haubs vermutet wird. Allerdings ohne Erfolg.

Bergführer, die Sommertouren in der Region begleiten, halten stets Ausschau nach Vermissten oder Verunglückten. Im Juli war in einer anderen Region, direkt am Matterhorn, etwa die Leiche eines japanischen Bergsteigers entdeckt worden. Wenn ein Skitourenläufer aber im Winter in eine Gletscherspalte stürzt, muss gezielt gesucht werden. Dafür brauchen Bergführer eine spezielle Ausrüstung, die sie auf normalen Touren nicht dabei haben.

Haub war am 7. April von einem Training für das härteste Skitourrennen der Alpen, der "Patrouille de Glaciers", nicht zurückgekehrt. Retter waren in dem eisigen Skigebiet tagelang mit Hubschraubern, Spürhunden und Suchtrupps unterwegs, um ihn zu suchen. Das letzte Lebenszeichen stammte von einer Videokamera, die Haub an der Bergstation einer Luftseilbahn am Klein Matterhorn auf 3820 Metern aufgenommen hatte. Nach dem Unglück gab es dort mehrere Meter Neuschnee.

Die Familie und die Bergretter gingen eine knappe Woche nach dem Verschwinden Haubs davon aus, dass er verunglückt und möglicherweise in eine Gletscherspalte gestürzt ist. Sie wollen den Leichnam bergen. Nach Haubs Verschwinden hatte dessen jüngerer Bruder Christian in der Unternehmensgruppe die alleinige Geschäftsführung übernommen.

mit dpa

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