Schiffsverkehr normalisiert Stau nach Suezkanal-Blockade aufgelöst

Nach der beendeten Blockade durch die »Ever Given« hat nun auch das letzte wartende Schiff den Suezkanal passiert. Für die Reederei dürfte es dennoch teuer werden.
Riese aus Stahl: Das 400 Meter lange Containerschiff "Ever Given" bewegt sich wieder

Riese aus Stahl: Das 400 Meter lange Containerschiff "Ever Given" bewegt sich wieder

Foto: - / dpa

Elf Tage nachdem das Containerschiff »Ever Given« im Suezkanal auf Grund lief, ist der Stau aufgelöst. Das teilte die Kanalbehörde in Ägypten laut der Staatszeitung »Al-Ahram«  und weiteren ägyptischen Medien mit. Demnach hätten alle insgesamt 422 Schiffe, die in den vergangenen Tagen im oder vor dem Kanal ausharren mussten, die Schiffspassage zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer passiert.

Bereits vorab sprach Usama Rabi, Vorsitzender der Kanalbehörde, im ägyptischen Fernsehsender MBC Masr von einer Entspannung bei Kanalverkehr. Bis Sonntag werde sich der Verkehr demnach »komplett normalisiert« haben. Bereits am Freitag durchfuhr der US-Flugzeugträger »USS Eisenhower« den Kanal in südlicher Richtung. Die Kanalbehörde veröffentlichte ein Video des Flugzeugträgers, der langsam den Kanal passierte.

Die 400 Meter lange »Ever Given« hatte sich am Dienstag vergangener Woche in der östlichen Kanalwand verkeilt und dann quer gelegen. Rund eine Woche lang war der Weg für wartende Schiffe versperrt – die Blockade sorgte für Verzögerung im Welthandel und bei Lieferketten. Nach einer knappen Woche hatten Schlepper die »Ever Given« am Montag wieder frei gezogen. Der Stau begann sich aufzulösen.

Derzeit liegt die »Ever Given« im Großen Bittersee zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Suezkanals. Die Ermittlungen zur Frage, wie das Containerschiff »Ever Given« im Kanal auf Grund laufen konnte, dauerten an. Ägypten will unter anderem den Schiffsdatenschreiber auswerten und mit den 25 Besatzungsmitgliedern sprechen.

Erst nach dem Abschluss der Ermittlungen werde es Gespräche über Schadensersatz geben, sagte Rabi. Das Land erhofft sich eine hohe Ausfallsumme. Ägypten will dem 400 Meter langen Containerschiff die Weiterfahrt erst bei einer Einigung erlauben. Auch die Seefahrtsbehörde Panamas, unter dessen Flagge das Schiff fährt, und das für die technische Leitung verantwortliche Unternehmen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) haben eigene Ermittlungen angekündigt.

Blockade traf auch deutsche Chemie- und Autoindustrie

Wann die "Ever Given" ihre Fahrt in nördlicher Richtung auf dem Weg nach Rotterdam im Kanal fortsetzen kann, war zunächst unklar. Laut Admiral Rabi, Vorsitzender der Kanalbehörde, soll das Containerschiff zunächst am Großen Bittersee am nördlichen Ende des Suezkanals untersucht werden. Zudem sollen Ermittlungen die Ursache für den Unfall klären. Die Ursache könnten ersten Ermittlungen zufolge "starker Wind" gewesen aber auch "menschliches Versagen" sein. Der Frachter war am Dienstag auf Grund gelaufen. Bagger und Schlepper hatten tagelang versucht, das 400 Meter lange Schiff freizulegen.

Von der Blockade waren in Deutschland insbesondere die Chemie- und Autoindustrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau betroffen. Die Branchen bekommen Bestandteile für ihre Produktion aus Asien, die über den Suezkanal transportiert werden, erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Unternehmen planen demnach bei Seetransporten zwar zwei bis fünf Tage als Puffer ein. Bei einer längeren Sperrung drohe aber zeitweise ein Stillstand der Produktion. Die Lage für die deutsche Industrie sei auch ohne die Sperrung bereits angespannt gewesen.

"Schon die Corona-Krise hat für Verwerfungen im maritimen Handel gesorgt und die Preise für den Container-Transport explodieren lassen", sagte Vincent Stamer, Experte für maritimen Handel beim Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die Schiffshavarie im Suezkanal und ihre Nachwirkungen seien als zusätzliche Belastung hinzugekommen.

Das Schiff eines japanischen Eigentümers war vergangene Woche mit zwei Lotsen an Bord auf Grund gelaufen und hatte die wichtige Handelsroute in beide Richtungen blockiert. Der 193 Kilometer lange Kanal ist die kürzeste Verbindung zwischen Europa und Asien und der entscheidende Korridor für Rohöl und Importwaren nach Europa.

la/dpa/reuters