Containerriese blockiert Suezkanal "Das ist wie ein riesiger gestrandeter Wal"

Noch immer steckt eines der größten Containerschiffe der Welt im Suezkanal fest. Die um Hilfe gerufene Spezialfirma macht wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende der Blockade.
Große Aufgabe, viel Optimismus: Unermüdlich versucht dieser tapfere, noch unbekannte Baggerführer, die "Ever Given" im Suezkanal freizuschaufeln

Große Aufgabe, viel Optimismus: Unermüdlich versucht dieser tapfere, noch unbekannte Baggerführer, die "Ever Given" im Suezkanal freizuschaufeln

Foto: - / dpa

Das verunglückte Containerschiff "Ever Given" blockiert auch am Donnerstag noch immer den Suezkanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Acht Schlepper, der größte von ihnen mit einer Zugkraft von 160 Tonnen, hätten am Morgen weiter versucht, das Schiff von den Ufern zu ziehen, teilte die Kanalverwaltung Suez Canal Authority (SCA) mit. Es könne je nach Situation Wochen dauern, bis das Schiff wieder frei sei, warnte Peter Berdowski, CEO der niederländischen Firma Boskalis, die versucht, das Schiff zu befreien. "Das ist wie ein riesiger gestrandeter Wal. Da ist enormes Gewicht auf dem Sand."

Möglicherweise müsse man mit einer Kombination aus Gewichtsreduzierungen, Sand ausbaggern und Schleppern arbeiten. Bisher haben Schlepper versucht, das Schiff zu bewegen und Bagger, den Schlamm um das massive Schiff herum zu beseitigen. Die Löschung der Ladung würde die Bergungsarbeiten erheblich verzögern, wie ein Beamter der Kanalverwaltung sagte.

Reuters

Der 224.000 Tonnen schwere und 400 Meter lange Frachter gehört zu den größten Containerschiffen der Welt. Der Hafenbehörde zufolge war er im Zuge eines Sandsturms bei starkem Wind manövrierunfähig geworden, vom Kurs abgekommen und in der Nähe der Hafenstadt Suez auf Grund gelaufen. Ein Stromausfall sei entgegen vorheriger Meldungen laut der Gesellschaft Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) in Singapur, die für das technische Management des Containerschiffs verantwortlich ist, nicht für den Unfall verantwortlich.

Seit Dienstag blockiert das Schiff nun den Kanal vollständig in Diagonalstellung. "So etwas ist uns noch nicht untergekommen", sagte Ranjith Raja vom Finanz-Recherchezentrum Refinitiv. "Es ist wahrscheinlich, dass der Rückstau mehrere Tage oder Wochen in Anspruch nehmen wird".

Japanische Reederei entschuldigt sich

Die 25 indischen Besatzungsmitglieder der "Ever Given" seien in Sicherheit, erklärte BSM weiter. Es gebe keine Umweltverschmutzung und keinen Schaden an der Fracht. Die japanische Reederei Shoei Kisen, der das Schiff gehört, entschuldigte sich inzwischen für den Vorfall. "Wir werden weiter hart daran arbeiten, diese Situation so schnell wie möglich zu lösen", hieß es aus dem Unternehmen.

Nach Angaben von Experten aus Schifffahrtskreisen dürfte auf den japanischen Eigner und die Versicherer Forderungen in Millionenhöhe zukommen. "Alles fällt auf das Schiff zurück", sagte David Smith, zuständig für die Seefahrt beim Versicherungsbroker McGill and Partners. Zwei Insidern zufolge ist die "Ever Given" bei japanischen Firmen versichert. In Branchenkreisen war von 100 bis 140 Millionen Dollar an Versicherungssumme allein für Schäden am Rumpf und den Maschinen die Rede. Zudem dürften die Besitzer der gestauten Schiffe einen Ausgleich fordern. Ein Anwalt, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: "Das ist möglicherweise das größte Desaster mit einem Containerschiff, bei dem es keinen Knall gab."

Der 1869 eröffnete Suezkanal dient vor allem der Erleichterung der Handelsverbindungen zwischen Asien und Europa. Durch die 196 Kilometer lange Wasserstraße fließen rund 12 Prozent des globalen Frachtvolumens und etwa 30 Prozent des Containervolumens. Im vergangenen Jahr passierten der Kanalbehörde zufolge fast 19.000 Schiffe und damit durchschnittlich fast 52 Schiffe pro Tag die Wasserstraße. Die alternative Route um die Südspitze Afrikas dauert gut eine Woche länger.

Zu diesem Umweg könnten nun aber die Schiffe gezwungen werden, wenn die Blockade wirklich länger dauert. Inzwischen stauen sich rund 150 Frachter im beziehungsweise vor dem Kanal, wie sich auch bei dem Schiffstracker von "Vesselfinder"  sehen lässt. Die Wirtschaft fürchtet weitreichende Schäden, schließlich ist der Suezkanal eine der wichtigsten Handelsrouten für Fracht, Öl und Erdgas.

mg/Reuters, AFP, AP
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