Freitag, 20. September 2019

Modelabel in Not Strenesse beantragt zum zweiten Mal Insolvenz

2008 war die Welt für Strenesse noch in Ordnung: Sogar die Fußballnationalmannschaft unter Führung von Bundestrainer Joachim Löw (r.) ließ von den Designer aus Bayern ausstatten

Das Modeunternehmen Strenesse kommt einfach nicht richtig auf die Beine. Nach dem ersten Insolvenzantrag im Jahr 2014 hat der ehemalige Ausstatter der Fußball-Nationalmannschaft nun erneut Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt

Der Antrag wurde bereits am 26. Juni beim Amtsgericht im bayerischen Nördlingen eingereicht, erklärte eine Sprecherin am Dienstag auf Anfrage von manager-magazin.de. An diesem Standort beschäftigt das Modeunternehmen noch rund 60 Mitarbeiter von ehemals 240 im Jahr 2016.

Die übernommenen Betriebs- und Vertriebsstrukturen der ehemaligen Strenesse AG hätten sich "nur bedingt anpassungsfähig erwiesen", heißt es weiter in einer Mitteilung, die manager-magazin.de vorliegt. "Die Eigenverwaltung eröffnet uns die Chance, die aus der Vergangenheit übernommenen Belastungen und Verpflichtungen anzupassen", schreibt Geschäftsführerin Micaela Sabatier. Die Kollektionsentwicklung, die Produktion und die Auslieferungen wolle Strenesse weiterführen.

Strenesse gehört seit 2016 der Beteiligungsgesellschaft H2P mit Sitz im Schweizer Kanton Zug. Das Unternehmen firmiert seitdem als Strenesse New und verfügt in Deutschland laut eigenen Angaben über sieben Läden in Innenstädten und sechs in Outletcentern.

Sabatier soll operativ weiter die Geschäfte führen. Allerdings bekommt das ehemalige Model den Sanierungsexperten Hubert Ampferl von der Kanzlei Beck & Partner an die Seite gestellt. Er soll die Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen überwachen. Zum vorläufigen Sachwalter wurde der in Eigenverwaltungsverfahren versierte Rechtsanwalt Martin Hörmann bestellt.


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Strenesse hatte im Zuge des ersten Insolvenzverfahrens und danach einiges zur Gesundung versucht. Läden wurden geschlossen, Personal abgebaut und die Kosten um rund 40 Prozent gesenkt. Auch hatte Strenesse die Produktlinie und die Designsprache in den vergangenen Monaten deutlich erneuert, um sich im Markt wieder als internationale Premiummarke zu positionieren. Ganz offensichtlich reichte aber zum Schluss das Geld nicht, um diese Strategie durchzuhalten und umzusetzen.

Der Modehersteller aus Nördlingen war vor der ersten Insolvenz 65 Jahre lang von der Gründerfamilie Strehle geführt worden. Lange galt Strenesse als ein Aushängeschild deutscher Designermode. Strenesse ist nicht das erste Opfer im deutschen Modemarkt, der vielerorts von Billiganbietern beherrscht wird.

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