Stockende Lieferketten Süßwarenindustrie schlägt Alarm

Deutschlands Süßwarenhersteller sehen sich in der schwierigsten Situation seit Gründung der Bundesrepublik. Hohe Kosten und stockende Lieferketten führen zu vielen Engpässen und gefährden Existenzen.
Damit könnte es bald schwierig werden: Süßigkeiten im Überfluss

Damit könnte es bald schwierig werden: Süßigkeiten im Überfluss

Foto: Christina Horsten/ DPA

Die Auswirkungen des Ukrainekriegs bedrohen viele Süßwarenhersteller in ihrer Existenz. Energie, Agrarrohstoffe, Verpackungen und auch der Transport hätten sich stark verteuert, hieß es in einer Mitteilung des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) am Montagabend. "Der Ukraine-Krieg verschärft die Situation drastisch und in existenzbedrohendem Maße." Die drohende Gasknappheit sei zudem ein Damoklesschwert, das im schlimmsten Fall zum Runterfahren der Produktion führen könnte, da Gas für die Branche der wichtigste Energieträger sei.

Hinzu komme, dass der Markt für wichtige Rohstoffe leer gefegt sei und Lieferketten nicht mehr funktionierten. Saftige Erhöhungen der Bezugspreise und Lieferschwierigkeiten gebe es etwa bei Weizen, Sonnenblumenöl und Nüssen. Einige Unternehmen seien bereits um ihre Existenz besorgt. Die Belastungsgrenze sei erreicht, so der BDSI.

"Wir müssen gemeinsam mit der Politik und auch mit dem Lebensmittelhandel dafür sorgen, dass in den Supermärkten nicht ganze Regale leer bleiben", sagte Verbandschef Bastian Fassin. Dieses Risiko bestehe auch für viele Süßwaren. Die Politik müsse "alle Maßnahmen prüfen, die dazu beitragen, dass die Hersteller von Lebensmitteln weiter produzieren können".

Als Beispiel schlägt der Verband eine vorübergehende Ausnahme bei der Deklarationspflicht vor, der zufolge das, was drin ist, auch draufstehen muss. Wird also das Rezept geändert, muss auch die Verpackung anders bedruckt werden. Das sei derzeit angesichts des knappen Verpackungsmaterials gar nicht so leicht – Verzögerungen seien absehbar, argumentierte der BDSI. Wenn zum Beispiel Rapsöl anstelle des knappen Sonnenblumenöls eingesetzt werde, sollte dies nicht mehr ausdrücklich auf der Verpackung angegeben werden müssen, forderte der Verband, der die Hersteller von Süßigkeiten und Knabberartikeln vertritt.

hr/dpa-afx
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