Dienstag, 17. September 2019

"Geeinigt wie die Pferdehändler" Krisenkonzern Steinhoff verkauft Poco nach Österreich

Blick in eine Poco-Filiale
Steinhoff International
Blick in eine Poco-Filiale

Der oberösterreichische Möbelhändler XXXLutz übernimmt vom Krisenkonzern Steinhoff die Anteile an der deutschen Möbelkette Poco. Die XXXLutz-Gruppe freue sich über den Zuwachs von 123 Einrichtungshäusern mit fast 8000 Mitarbeitern in Deutschland mit einem Gesamtumsatz von 1,6 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen mit Sitz in Wels am Mittwochabend mit.

XXXLutz bestätigte damit entsprechende Medienberichte des "Handelsblatt" und der "Oberösterreichischen Nachrichten". Mit dem Deal sei auch der Rechtsstreit über Poco mit Steinhoff beigelegt worden, teilte XXXLutz weiter mit. In den nächsten Tagen sollen die Verträge erstellt und der Kauf der Anteile bei den Wettbewerbsbehörden angemeldet werden.

Laut "Handelsblatt" beträgt der Kaufpreis 266 Millionen Euro. Die Übernahme ist Teil eines Vergleichs zwischen den zerstrittenen Möbelkonzernen. In der juristischen Auseinandersetzung um die Poco-Anteile hätten sich die Vertreter des angeschlagenen Steinhoff-Konzerns und Andreas Seifert, Eigentümer der XXXLutz-Kette, bereits am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Dortmund auf einen Vergleich geeinigt, so die Wirtschaftszeitung.

"Geeinigt wie die Pferdehändler"

Der Deal sieht vor, dass Steinhoff seinen 50-Prozent-Anteil an Poco für 266 Millionen Euro an den Konkurrenten Seifert veräußert. Steinhoff hatte Poco zuvor mit 650 Millionen Euro bewertet, Seifert mit 472 Millionen. Poco-Firmengründer Peter Pohlmann sagte dem "Handelsblatt" zufolge: "Wir haben uns geeinigt wie die Pferdehändler: Wir treffen uns in der Mitte." Laut Pohlmann muss seine Familienstiftung noch zustimmen.

Dies gilt aber offenbar als Formsache, denn: "Bei XXXLutz ist Poco besser aufgehoben, XXXLutz hat bessere Möglichkeiten als wir", wird Pohlmann zitiert. Ursprünglich hatten sich Steinhoff und die XXXLutz-Gruppe gemeinsam an Poco beteiligt. In der Folge machten sich Seifert und Steinhoff laut "OÖN" aber die Anteile streitig und warfen dem jeweils anderen schwere Vertragsverletzungen vor.

Der Kauf gelte vorbehaltlich der Genehmigung durch die Kartellbehörden, teilte XXXLutz weiter mit. Der Umsatz der XXXLutz-Gruppe steige mit der Übernahme auf 5,6 Milliarden Euro, die Mitarbeiteranzahl betrage nunmehr mehr als 30.000. Die Filialanzahl erhöht sich auf insgesamt 380. Poco werde weiter als eigenständige Einheit innerhalb der XXXLutz-Gruppe mit eigenem Management geführt. Die Zentrale bleibe in Bergkamen in Nordrhein-Westfalen.

Steinhoff steckt derzeit wegen eines Bilanzskandals, bei dem auch Poco ein Rolle spielt, in einer schweren Krise und kämpft ums Überleben. Der Konzern hatte sich in den vergangenen Monaten auch mit dem Verkauf von Aktienpaketen an Beteiligungen Liquidität verschafft. In Österreich wurde eine Leiner-Immobilie an Rene Benko notverkauft. Die Steinhoff-Aktien waren seit Bekanntwerden des Bilanzskandals um mehr als 90 Prozent abgestürzt.

luk, dpa-afx

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