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Gerry Weber, Steilmann, Esprit: Die Probleme der deutschen Mode-Hersteller

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SinnLeffers und Co. - das langsame Sterben Warum ein deutscher Modehändler nach dem anderen einknickt

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Gerry Weber, Steilmann, Esprit: Die Probleme der deutschen Mode-Hersteller

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Es ist ein Massensiechtum, das aktuell auf deutschen Einkaufsstraßen grassiert. Letztes Opfer: die Modekette SinnLeffers. Der einst zu Karstadt-Quelle gehörende Modehändler hat am Montag Insolvenz beantragt, wenige Tage nach einem ähnlichen Schritt der Nürnberger Modekette Wöhrl, zu der SinnLeffers seit 2013 gehört. Die Nürnberger, die sich in eine Vorstufe der Insolvenz flüchteten, wollen voraussichtlich zehn ihrer 34 Modehäuser schließen.

Es sind graue Zeiten für Deutschlands Modewelt. Reihenweise sind in den vergangenen Jahren Modehersteller und Einzelhändler in die Knie gegangen oder zumindest in finanzielle Schieflage geraten. Die Liste des Leidens reicht von Gerry Weber über Steilmann bis hin zu Strenesse und Wolford. Allein in den Jahren von 2010 bis 2014 hat die Zahl der Modehändler laut aktuellen Zahlen des Handelsverbandes Textil (BTE)  um mehr als 3500 abgenommen.

Betroffen waren vor allem kleinere Unternehmen - während einige neue mittelgroße und Groß-Betriebe entstanden. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Zahl nach Schätzungen des BTE sogar nahezu halbiert.  Und das, obwohl jede deutsche Frau nach Branchenberechnungen im Durchschnitt 30 Kilogramm Kleidung pro Jahr kauft .

Doch davon kriegen viele Händler auf den deutschen Einkaufsstraßen nicht mehr viel mit. Sie führen einen Kampf gegen gleich mehrere Gegner, den viele von ihnen auf Dauer wohl nicht überleben werden.

Kreditversicherer rechnet mit weiteren Pleiten - Bonität nimmt ab

Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet jedenfalls noch mit einer ganzen Reihe von Pleiten. Die Bonität der Branche habe im Durchschnitt spürbar abgenommen, erklärt Euler Hermes CEO Ron van het Hof in einer manager magazin vorliegenden aktuellen Marktanalyse. "Es wird nach unserer Einschätzung auch in der Zukunft das ein oder andere Textilunternehmen geben, das in Schieflage gerät."

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In Schieflage: Bei diesen Mittelständlern griffen Anleger daneben

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Die Gründe für die angespannte Lage sind vielfältig. Und auch wenn jedes Unternehmen es mit jeweils spezifischen, mitunter auch selbst verschuldeten Problemen zu tun hat, gibt es Umstände, die gleich einer ganzen Reihe von Playern in der Modebranche derzeit schwer zusetzen.

Eines davon ist das zunehmende Onlinegeschäft, das im abgelaufenen Jahr laut Euler Hermes bereits 40 Prozent des Gesamtgeschäftes ausmachte. Eine Entwicklung, der manche Händler nur wenig entgegen zu setzen haben. Zum einen, weil viele - wie beispielsweise SinnLeffers - Marken im Portfolio haben, die Kunden auch über Online-Kanäle meist günstiger bekommen könnten.

Zum anderen leiden die Unternehmen, weil der Aufbau eines professionellen Onlineangebotes viel Geld kostet - und selbst viele deutsche und internationale Ketten am Aufbau eines professionellen Onlinegeschäftes bislang gescheitert sind.

Und auch an der Beratungskompetenz - mit der die stationären Händler eigentlich gegen die Onlinekonkurrenz punkten könnten - wird wegen der hohen Lohnkosten gerade bei den angeschlagenen Händlern häufig gespart.

Nicht nur Online greift an - Primark setzt Händlern zu

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Weil viele Kunden mittlerweile lieber per Internet vom heimischen Sofas aus auf Shoppingtour gehen, ist die Zahl der Kunden, die zum Einkaufen durch deutsche Geschäfte ziehen, deutlich gesunken. Um ganze 17 Prozent ist nach Angaben der Strategieberatuung OC&C die Zahl der Shoppingwilligen, die einen realen Shop aufsuchen, seit 2007 gesunken.

Doch dieses Phänomen trifft natürlich nur für einen Teil der deutschen Städte zu. In Hamburg, Berlin und München wälzen sich auch heute noch jedes Wochenende Menschenmassen durch die Innenstädte. Die Kunden kaufen allerdings Studien zufolge heute deutlich gezielter und teils auch preisbewusster ein.

Profiteure dieser Entwicklungen sind unter anderem so genannte Fast-Fashion-Ketten wie Primark, Zara oder H&M, die ihre Kunden mit billiger und immer neuer Ware bei Laune halten.

Um schätzungsweise elf Prozent dürften die Verkäufe von Primark in diesem Jahr zulegen. Alleine im kommenden Jahr sollen fünf neue Läden des Händlers in Deutschland aufmachen, der aus Kostengründen auf ein eigenes Online-Angebot verzichtet.

"Anbieter wie Primark entwerten Kleidung"

Eine Entwicklung mit Langzeitfolgen für viele Hersteller und Händler, die in der Branche so manchen verbittert. "Anbieter wie Primark entwerten Kleidung völlig und die Preise für Textilien sinken immer weiter. Das ist schlimm", klagte erst kürzlich S.Oliver-Chef Armin Fichtel in einem Interview . "Die Leute reden immer von Nachhaltigkeit, und dann gehen sie zu Primark und kommen mit vollen Tüten raus."

Jammern wird allerdings nichts nutzen - weil das Onlinegeschäft weiter wächst und alleine bis zum kommenden Jahr um weitere zehn Prozentpunkte steigen dürfte. 

Zudem hat neben etablierten Bekleidungsspezialisten wie Zalando oder Otto auch Amazon  mittlerweile das Modebusiness für sich entdeckt und forciert sein Wachstum dort. Ein Fakt, der weiteren Druck ausüben dürfte.

Ein Ende des Siechtums im Textilgeschäft ist abseits lukrativer Nischen daher noch nicht in Sicht, ist Euler-Hermes-CEO van het Hof überzeugt. "Das werden", sagt er, "wohl nicht die letzten Insolvenzen gewesen sein".