Dienstag, 24. September 2019

WM-Fanartikel Das schwierige Geschäft mit den neuen Vuvuzelas

Fanartikel: Warten auf das Sambamärchen
Media Markt

Prächtige Kauflaune in Deutschland, gute Stimmung zur Fußball-WM - doch hilft das auch den Firmen, die ihre Hoffnungen in Fanartikel gesetzt haben? Caxirola und Combinho treten die Nachfolge der Vuvuzela in einem satten Markt an - und ein Stadionverbot kommt obendrauf.

Hamburg - So gut wie zuletzt 2006 ist das Konsumklima in Deutschland. Obwohl die Bürger kaum steigende Einkommen erwarten, zeigen sie sich deutlich ausgabefreudiger. Die Konsumforscher von der GfK begründen das mit den niedrigen Zinsen, also einem Wohin-mit-dem-Geld-Effekt. Der Vergleich mit dem Jahr der Fußball-WM in Deutschland ist ihnen keine weitere Erwähnung wert.

So gut wie 2006 - das würden sich auch die Hersteller von Fanartikeln für ihr Geschäft wünschen. Das "Sommermärchen" hat mit dem massenhaften Verkauf von Autoflaggen, Blumenketten und sonstigem Dekor in Schwarz-Rot-Gold die bis heute unerreichte Messlatte für die Branche gesetzt. 70 Euro gaben die Fans damals durchschnittlich für solche Devotionalien aus, hat der Marketing-Professor Markus Voeth von der Universität Hohenheim ermittelt.

Seitdem jedoch ging es steil abwärts. Zur WM 2010 in Südafrika sank der Umsatz pro Fan auf 36 Euro. Und diesmal wollten die befragten Erwachsenen nur noch 12,75 Euro ausgeben. Umgerechnet auf die Bevölkerung entspräche das einem Umsatz von allenfalls einer halben Milliarde Euro.

"Was löst die Vuvuzela ab?"

Für echte Sportartikel wie Trikots oder Bälle können sich die Fans noch erwärmen. Allein Adidas Börsen-Chart zeigen glaubt bereits nach zwei WM-Wochen, die Rekordmarke von zwei Milliarden Euro Umsatz mit Fußballprodukten in diesem Jahr sicher zu knacken. Auch Bier- und Fleischproduzenten können sich über eine Sonderkonjunktur freuen. Doch Accessoires made in China fanden 46 Prozent der Befragten insgesamt überflüssig. "Überteuert", "Qualität zu minderwertig" oder "nicht das dabei, was ich suche", lauteten die häufigsten Urteile.

Manche Firmen wie das Startup Myapito versuchen trotzdem ihr Glück mit Trillerpfeifen in brasilianischer Anmutung. Besonders groß ist die WM-Wette der Firma Brandivision aus dem rheinischen Monheim. Der gelang zur WM 2010 ein Coup mit dem Verkauf der Vuvuzela. Die südafrikanische Tröte war überall im Gespräch und ging 5,3 Millionen Mal über die Ladentische von Edeka und anderen Vertriebspartnern wie Aral oder Shell. Sieben Millionen Euro Umsatz will Brandivision damit erzielt haben.

"Was löst die Vuvuzela ab?", lautet daher die Existenzfrage, die sich die Unternehmer selbst stellten. "Da der Erfolg aus 2010 unsere Handlungen gerechtfertigt hat, haben wir uns nach dem Vuvuzela-Projekt hingesetzt und darüber nachgedacht, was der Transmitter der Fußball-WM in Brasilien sein könnte", berichten sie auf ihrer Website. Das Ergebnis heißt Combinho, ein Gerät aus Trommel, Pfeife, Rassel und Ratsche in einem.

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