Zehn Jahre nach der Insolvenz Die Schlecker-Frauen bekommen noch etwas Geld

22.600 ehemalige Schlecker-Beschäftigte sollen zehn Jahre nach Insolvenz der Drogeriemarktkette noch etwas Geld erhalten. Es waren überwiegend Frauen, die für Schlecker arbeiteten, ihren Job verloren und jetzt nur einen Bruchteil ihrer Ansprüche ausgezahlt bekommen.
Und plötzlich arbeitslos: Eine Schlecker-Beschäftigte entfernt im März 2012 das Firmelogo von der Eingangstür einer Filiale in Hannover. Rund 23.000 Beschäftigte, die meisten von ihnen Frauen, verloren mit der Insolvenz ihren Job.

Und plötzlich arbeitslos: Eine Schlecker-Beschäftigte entfernt im März 2012 das Firmelogo von der Eingangstür einer Filiale in Hannover. Rund 23.000 Beschäftigte, die meisten von ihnen Frauen, verloren mit der Insolvenz ihren Job.

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Rund 22.600 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker sollen Geld erhalten. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bereite derzeit Abschlagszahlungen in Höhe von rund 21,3 Millionen Euro vor, teilte sein Sprecher am Dienstag mit. Ein Teil davon gehe auch an Krankenkassen, Sozialversicherungen und die Bundesagentur für Arbeit. Zuvor hatten mehrere Medien über die Ankündigung berichtet.

Bei den ehemaligen Beschäftigten soll das Geld demnach im Juli auf dem Konto landen. Es gehe unter anderem um Ansprüche der ehemaligen Beschäftigten aus Löhnen, Weihnachts- und Urlaubsgeld. Die Höhe entspreche etwas mehr als 15 Prozent der Ansprüche.

Ein paar Hundert Euro, mehr haben Ex-Schlecker-Beschäftigte nicht zu erwarten

Wie viel Geld die Betroffenen jeweils erhalten, habe der Insolvenzverwalter den ehemaligen Beschäftigten in den vergangenen Tagen mitgeteilt. Die Mehrheit von ihnen werde eine "niedrige bis mittlere dreistellige Summe erhalten", sagte der Sprecher. Die restlichen Ansprüche der Ex-Mitarbeiter blieben zwar bestehen. Man könne aber erst zum Ende des Insolvenzverfahrens sagen, ob und in welcher Höhe diese beglichen werden. Derzeit sei davon auszugehen, dass das Verfahren "in zwei bis drei Jahren" abgeschlossen wird.

Schlecker, einst die größte Drogeriemarktkette Europas mit Sitz im baden-württembergischen Ehingen, hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Eine Rettung schlug fehl. Tausende Mitarbeiterinnen - es waren vor allem Frauen - verloren ihren Arbeitsplatz.

Schlecker-Kinder waren vorzeitig aus Haft entlassen worden

Der Fall Schlecker hatte für die Familie noch ein rechtliches Nachspiel. Die Kinder des Drogeriemarktunternehmers Anton Schlecker, Lars und Meike Schlecker, mussten im April 2019 eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten antreten, nachdem der Bundesgerichtshof die Revision gegen Urteile des Landgerichts Stuttgart zurückgewiesen hatte. Den beiden Kindern von Anton Schlecker war Untreue, Insolvenzverschleppung, Bankrott und Beihilfe zum Bankrott ihres Vaters zur Last gelegt worden. Der Vater war zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Die Familie hatte die einst größte Drogeriemarktkette Europas heruntergewirtschaftet.

Die Schlecker-Kinder hatten sich nach Überzeugung der Richter unrechtmäßig Gewinne aus der zum Schlecker-Imperium gehörenden Logistik-Firma LDG ausgezahlt - nur Tage bevor der Konzern in die Insolvenz ging. Sie mussten ihre Haftstrafen nicht in Gänze absitzen und waren Ende Mai vergangenen Jahres vorzeitig aus den Berliner Gefängnissen entlassen worden.

rei/dpa-afx