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Sarenza: Wie das französische Zappos Zalando Kunden abjagen will

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Französischer Online-Schuhhändler Sarenza Dieser Mann will Zalando das Fürchten lehren

Er hat die klassische französische CEO-Karriere hinter sich, war auf einer Grande Ècole, AOL-Chef in Frankreich und hat sein Geld als Wagniskapitalgeber in diverse Unternehmen investiert. Aktuell allerdings kümmert sich Sarenza-CEO und -Großaktionär Stéphane Treppoz um seine wahrscheinlich größte Wette. Dem europaweiten Angriff auf Zalando und Amazon.

Hierzulande noch relativ wenig bekannt, ist der Internet-Schuhversender Sarenza in Frankreich eine große Nummer. In Schuhen ist der Online-Pureplayer nach eigenen Angaben in Frankreich die Nummer eins . "Wir haben dort eine Markenbekanntheit von mehr als 90 Prozent", sagt Treppoz.

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Sarenza: Wie das französische Zappos Zalando Kunden abjagen will

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Doch Frankreich allein - wo Sarenza zuletzt um 25 Prozent gewachsen ist - reicht nicht mehr aus. Jedenfalls nicht, um mit Wettbewerbern wie Zalando mitzuhalten, dessen Umsatz 2015 um stattliche rund 34 Prozent zulegte. Und deshalb macht sich Sarenza nun daran, auch die anderen europäischen Länder zu erobern.

Zwar ist der Startschuss für die Expansion schon vor einigen Jahren gefallen. 2009 ging es in Großbritannien los. Mittlerweile ist Sarenza in rund 20 europäischen Länder vertreten. Doch angesichts der Schwäche in Frankreich, dessen einst dominierender Umsatzanteil zuletzt auf die Hälfte absank, bläst Sarenza nun aktiv zum Angriff auf Platzhirsche wie Zalando und Amazon .

Kampf um lukrative Nische

"Wir investieren massiv", sagt Treppoz, der neben dem CEO-Job auch größten Anteilseigner an Sarenza ist. 60 Prozent des Unternehmens gehören dem Management, dessen Führungsriege zu gleichen Teilen aus Frauen und Männern besteht. "In Belgien und Frankreich kennt uns jeder. In Deutschland noch nicht, aber das wird sich ändern."

Um die mit TV-Spots und massiver PR begleitete massive Expansion zu finanzieren, hat der Zappos-Klon seine Kasse noch einmal ordentlich aufgefüllt. 2015 sammelte das Unternehmen 74 Millionen Euro von Investoren ein. Und bereitet sich darauf vor, nach acht Jahren schwarzer Zahlen angesichts der Expansion 2016 das zweite Jahr in Folge Verluste zu schreiben.

Anders als Wettbewerber wie Zalando und Amazon und ähnlich wie das 2009 von Amazon übernommene Zappos konzentriert sich Sarenza allerdings nur auf Schuhe und Accessoires. Und macht entsprechend weniger Umsatz als die anderen reinen Online-Händler.

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Kam Sarenza 2015 auf rund fünf Millionen Kunden und einem Umsatz von etwa 200 Millionen Euro liegt der Umsatz bei Zalando mittlerweile bei knapp drei Milliarden Euro.

Doch in ihrem Segment wollen die Franzosen die besten sein und Zalando das Fürchten lehren. "Wir sind der einzige Schuhspezialist", so Treppoz. "Wir haben alleine 70 Marken, die es nicht bei unserer Konkurrenz gibt."

Sarenza will sich als Spezialist etablieren

Statt auf lukrative Eigenmarken setzt Sarenza eher auf das markenaffine Klientel. "Auf Kunden, die bereit sind, für Qualität und Design zu zahlen", wie der 49-Jährige es ausdrückt. "Der Kern unseres Geschäftesmodells ist es, die besten Schuhmarken zu verkaufen, die es gibt."

Entsprechend gering ist der Anteil von Eigenmarken am Umsatz. Er liegt bei rund 10 Prozent - deutlich niedriger als bei einigen Konkurrenten. Bei Zalando beispielsweise lag er bereits vor Jahren fast doppelt so hoch.

Um für diese zahlungskräftige Klientel attraktiv zu sein, setzt Sarenza auf guten Service. Neben kostenlosem Versand und 100 Tage Rückgaberecht wie es auch Zalando anbietet, spielt hier auch besonders schnelle Lieferung eine Rolle. Modefans, die vor 10 Uhr bestellen, bekommen ihre Ware aus dem hochautomatisierten Sarenza-Warenlager bei Paris innerhalb von 24 Stunden zugestellt. Für Fragen und Probleme steht eine Hotline zur Verfügung.

"Zalando ist extrem effizient in dem, was es macht, sagt Treppoz. "Aber wir stellen den Kunden in den Mittelpunkt, versuchen durch Service zu punkten."

Dass er Amazon und Zalando niemals an Größe überragen werde, sei ihm klar, sagt der Sarenza-Chef. "Aber wenn man das richtige Angebot hat, kann man auch gegen die großen Jungs wie Zalando und Amazon gegenhalten."

"Und das haben wir," gibt er sich kampfbereit. "Wir wollen sie mit einem besseren Angebot und besserem Service schlagen. Es ist ein Kampf. Und wir kämpfen."

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