Rose-Bikes-Geschäftsführer "Können 45.000 Räder derzeit nicht fertigstellen"

Rose Bikes kann derzeit zehntausende Fahrräder wegen fehlender Teile nicht montieren. Geschäftsführer Thorsten Heckrath-Rose verrät, wie das Unternehmen dem Mangel in der Produktion trotzt – und wie er mit Angeboten von Finanzinvestoren umgehen würde.
Das Gespräch führte Lutz Reiche
"In ruhigeres Fahrwasser kommen und durchatmen können": Familienunternehmer Thorsten Heckrath-Rose (49) kann trotz aller Probleme auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr blicken, für das neue wünscht sich der Betriebswirt ein wenig mehr Normalität – und vor allem stabile Lieferketten

"In ruhigeres Fahrwasser kommen und durchatmen können": Familienunternehmer Thorsten Heckrath-Rose (49) kann trotz aller Probleme auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr blicken, für das neue wünscht sich der Betriebswirt ein wenig mehr Normalität – und vor allem stabile Lieferketten

Foto: PR

Thorsten Heckrath-Rose erscheint locker und etwas hemdsärmelig zum Video-Interview. Er ist einer von drei Geschäftsführern des Fahrradherstellers und Versandhändlers Rose Bikes aus Bocholt. Der Familienunternehmer sitzt im T-Shirt in einem schmucklosen Raum, das Fenster im Hintergrund ist weit offen, in der Ecke ein Rennrad geparkt. Ein Lächeln, freundliche Begrüßung, ein kurzer Plausch. Mit der ersten Frage dann richtet sich der Blick voll konzentriert auf den Bildschirm.

manager magazin: Herr Heckrath-Rose, 2022 ist für viele Unternehmen ein Krisenjahr - Lockdowns, Lieferkettenprobleme, Teilemangel, steigende Rohstoffkosten. Wie sehr setzt das Rose Bikes zu?

Thorsten Heckrath-Rose: Wir hatten einen guten Sommer. Während der Markt stagniert, werden wir in diesem Jahr 40 bis 50 Prozent mehr Fahrräder produziert und verkauft haben als im Geschäftsjahr zuvor. Aber natürlich trifft auch uns die Krise. Wir haben die Abhängigkeit von Asien deutlich gespürt. Wir konnten Produktionsserien nicht komplettieren, obwohl wir schon wirklich viel Ware im Lager hatten. Oft fehlten noch ein oder zwei Komponenten.

Lässt sich beziffern, wie viele Fahrräder Sie angesichts der Probleme nicht bauen konnten?

Wir haben 60.000 Fahrräder, die fast fertig sind. Aber wir können etwa nur ein Viertel davon komplettieren. Beim Rest fehlen Teile – das ist gerade unser großes Problem.

Der Fahrradhersteller und Versandhändler Rose Bikes hat seinen Sitz in Bocholt (NRW). Das Familienunternehmen beschäftigt rund 480 Menschen. Ob Rennrad, Mountain-, Trekking oder E-Bike – Rose entwirft seine Räder in Deutschland und montiert sie von Hand in Bocholt. Rahmen und Komponenten kommen großteils aus Asien. Der Direktanbieter vertreibt seine Fahrräder über das Internet, fünf Stores (Bocholt, Berlin, München, Köln, Posthausen) in Deutschland und zwei weitere in der Schweiz. Hinzu kommen weniger aufwendige Shop-in-Shop-Flächen in einzelnen deutschen Städten. Im Internet verkauft Rose Bikes zudem Fahrradteile, Zubehör und Bekleidung sowohl der eigenen als auch von fremden Marken.

Erwin Rose (79), Tochter Stefanie (49) und Ehemann Thorsten Heckrath-Rose (49) führen gleichberechtigt die Geschäfte. Als kleiner Fahrradladen im Jahr 1907 von Heinrich Rose gegründet, übernahm 1932 Heinrich junior das Geschäft, verkaufte im Sommer Fahrräder und im Winter Nähmaschinen. Ab den frühen 80er führt Erwin Rose das Unternehmen, importiert als einer der ersten Europäer japanische Bikes und baut den Versandhandel auf. Der erste Rose-Versandkatalog erscheint 1982 in drei Sprachen, wächst auf bis zu 1000 Seiten und 600.000 Exemplare an. Rose Bikes wächst fortlaufend, 1994 führt Erwin die kanadische Marke "Red Bull" in Deutschland ein. Ab 2011 bringt die Familie Räder unter der Eigenmarke Rose auf den Markt und montiert sie in Bocholt. Der Katalog wird 2017 eingestellt, 80 Prozent seines Umsatzes erlöst Rose Bikes online.

Was tun Sie dagegen?

Wir müssen flexibel reagieren und ständig lernen. Wir haben die Produktionsserien verkleinert und oft mit dem, was vorhanden ist, schließlich gebaut. Wir haben in Absprache mit Kunden auch häufig einzelne Teile getauscht, um schneller liefern zu können. Diese Krise erfordert enorm viel Austausch und Kommunikation – aber zum Glück ziehen alle mit, sogar die Konkurrenz.

Wie meinen Sie das?

Wir haben eine Tauschbörse mit anderen Bike-Herstellern eingerichtet, also unsere Bedarfslisten hin- und hergeschickt. Dadurch konnten wir Hunderte Räder schneller produzieren. Das sind jetzt keine großen Zahlen, aber in so einer Lage hilft bildlich gesprochen jeder Tropfen. Zugleich war es schön zu sehen, dass sich die Hersteller in der Krise trotz einer Konkurrenzsituation helfen.

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