Münchener Traditionskonzern Rodenstock wird an nächsten Finanzinvestor weitergereicht

Seit die Gründerfamilie 2003 ausstieg, befindet sich der Brillenhersteller Rodenstock in der Hand von Finanzinvestoren. Nun greift der britische Investor Apax zu - für den Verkäufer offenbar ein lohnendes Geschäft.
Applaus, Applaus: Rodenstock wurde für rund 1,5 Milliarden Euro verkauft - einschließlich Schulden

Applaus, Applaus: Rodenstock wurde für rund 1,5 Milliarden Euro verkauft - einschließlich Schulden

Foto: Tobias Hase / dpa / picture alliance

Der Münchener Brillen- und Brillengläser-Hersteller Rodenstock bekommt nach fünf Jahren einen neuen Eigentümer. Die britische Firma Apax Partners ist der vierte Finanzinvestor, der sich den Traditionskonzern mit 4900 Mitarbeitern einverleibt. Er übernimmt Rodenstock von der britisch-amerikanischen Compass Partners und will das Wachstum beschleunigen, wie Apax Partners am Mittwoch mitteilte. Laut Finanzkreisen wird das 1877 gegründete Unternehmen bei der Übernahme - einschließlich Schulden - mit rund 1,5 Milliarden Euro bewertet. Apax und Compass wollten sich dazu nicht äußern.

Rodenstock-Chef Anders Hedegaard hofft auf mehr Geld für die Expansion: "Apax steht für wachstumsorientierte Investitionen und wird Rodenstock bei der Fortführung unserer Strategie zur Entwicklung hochwertiger Brillengläser unterstützen." Mit Apax wolle Rodenstock seine Marktpräsenz ausbauen. Rodenstock stellt neben Gläsern auch Brillengestelle unter den Marken Rodenstock und Porsche Design her. Das Unternehmen habe die Corona-Krise gut überstanden, sagte Apax-Partner Steven Dyson.

Zahlen für 2020 liegen noch nicht vor. Im Jahr 2019 hatte Rodenstock 450 Millionen Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 103 Millionen Euro erwirtschaftet. Für das laufende Jahr wurden zuletzt 115 bis 130 Millionen Euro Ebitda anvisiert.

Compass Partners hatte allerdings im vergangenen Jahr wegen eines vorübergehenden Umsatzeinbruchs in der Corona-Pandemie 75 Millionen Euro frisches Kapital nachschießen müssen. Trotzdem dürfte sich das Engagement für den Investor gelohnt haben. Die Gründerfamilie hatte Rodenstock 2003 an die Beteiligunsgfirma Permira verkauft. Diese reichte das Unternehmen 2006 für 700 Millionen Euro an Bridgepoint. In der Finanzkrise 2008 geriet Rodenstock in eine tiefe Krise, so dass Bridgepoint erst 2016 mit Compass einen neuen Eigentümer fand.

mg/Reuters
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