Umsatzeinbruch bei Richemont "Ein beispielloses Ausmaß an Erschütterung"

Wie wenige andere wird die Luxusgüterindustrie hart von der Corona-Krise getroffen. Davon bleibt auch der Schweizer Branchenriese Richemont nicht verschont - dessen Umsätze sich binnen drei Monaten halbierten.
Luxusuhr von Vacheron Constantin: Die Marke gehört zum Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont.

Luxusuhr von Vacheron Constantin: Die Marke gehört zum Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont.

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

Die Corona-Krise brockt der lange verwöhnten Luxusgüterbranche einen historischen Absturz ein. Nachdem bereits der Uhrenriese Swatch und die Modemarke Burberry im Frühlingsquartal schwere Absatzeinbußen gemeldet hatten, brach nun auch bei Konkurrent Richemont fast die Hälfte des Geschäfts weg. Von April bis Juni sackte der Umsatz um 47 Prozent auf 1,99 Milliarden Euro ab, wie Richemont am Donnerstag mitteilte. Damit beschleunigte sich der Rückgang, der sich in den ersten drei Monaten des Jahres noch auf 18 Prozent belaufen hatte. "In den Zahlen spiegelt sich ein beispielloses Ausmaß an Erschütterung wider", erklärte das Management von Richemont.

Der Hersteller von Cartier-Schmuck und Luxusuhren von Vacheron Constantin und Jaeger Le Coultre sowie Zeitmessern der Marken A. Lange & Söhne, Baume & Mercier und IWC litt wie die gesamte Branche unter Ladenschließungen, einer gedrückten Verbraucherstimmung sowie der eingeschränkten Reisetätigkeit. So fehlte in den meisten Ländern die wichtige Kundengruppe der Chinesen. In Europa brachen die Umsätze deshalb um 59 Prozent ein. In China selbst hat das Geschäft dagegen um 47 Prozent angezogen, weil die Menschen auf Auslandsreisen verzichteten und stattdessen in der Heimat in Ladengeschäften und im Internet zugriffen. Einen Ausblick legte Richemont nicht vor.

Die Geschäftsbereiche wurden alle stark beeinträchtigt. Während die Schmuckverkäufe um 41 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro sanken, brachen sie bei den Uhren gar um 56 Prozent auf 359 Millionen Euro ein. Bereits im Schlussquartal des im März abgeschlossenen Geschäftsjahres 2019/20 war der Umsatz im Zuge der Corona-Pandemie um ein Fünftel zurückgegangen.

Es sei nun entscheidend, wie sich die Kunden verhielten, wenn die Geschäfte wieder öffneten, erklärte Bernstein-Analyst Luca Solca. "Der große Appetit der chinesischen Verbraucher auf die Topmarken von Richemont wirkt in dieser Hinsicht beruhigend." Weniger zuversichtlich äußerte sich sein Kollege Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank. Im laufenden Geschäftsjahr dürfte der Gewinn kräftig sinken und eine Normalisierung des Geschäfts könnte auf sich warten lassen. Ein Risikofaktor sei vor allem das Geschäft mit Touristen, das rund 40 Prozent zum Umsatz beisteuern dürfte. An der Börse sackten die Aktien von Richemont  um 5,5 Prozent ab.

mg/Reuters