Donnerstag, 19. September 2019

Erlebniszone Supermarkt Rewe plant Kaufhalle mit Abend-Weinbar

Rewe-Supermarkt: Künftig in einzelnen Filialen auch mit angeschlossener Abend-Weinbar

Vapiano-Gründer Mark Korzilius bastelt für den Supermarktkonzern Rewe ein neues Shop-Konzept mit eigener Gastronomie. Und auch im Online-Geschäft will sich Rewe Hilfe von erfolgreichen Startup-Gründern holen.

Köln - Heimlich, still und leise hat Mark Korzilius seine neueste Geschäftsidee an den Start gebracht: Auf dem Kölner Hohenzollernring eröffnete der Vapiano-Gründer im Mai den ersten Laden seines neuen Gastro-Konzepts B.Easy, ganz ohne großes Tam-Tam und Marketingaktionen. "Wir sind noch im Testbetrieb", erklärt Korzilius den bescheidenen Start. Die große Eröffnungsfeier muss bis Ende Juni warten. Die ersten Wochen nach der Eröffnung eines neuen Restaurants seien immer die Hölle, sagt Korzilius. "Man steht in dieser Zeit extrem unter Beobachtung. Das Team muss sich erst mal einspielen, man entdeckt noch tausend Kleinigkeiten, die man optimieren kann. Deshalb starten wir ganz leise."

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Mark Korzilius weiß: Wenn er ein neues Lokal eröffnet, ist der Druck besonders groß. Jedes seiner neuen Konzepte wird schließlich am Erfolg seiner ersten großen Geschäftsidee gemessen: der Nudelladen-Kette Vapiano. Die gilt in der Branche als beispiellose Erfolgsgeschichte. Mit einem Mix aus Fast Food- und Restaurant-Atmosphäre war Vapiano im Jahr 2002 so rasant gestartet, dass fortan fast im Monatstakt neue Lokale eröffneten, mal als Eigenbetrieb, mal als Franchise-Filiale, mal als Joint-Venture. Rund 130 Lokale betreibt die Kette inzwischen, 2016 sollen es noch einmal doppelt so viele sein. Korzilius stieg bei Vapiano schon vor Jahren aus und versucht sich seither an neuen Gastro-Konzepten. Ein Erfolg auf Vapiano-Niveau wollte bisher allerdings nicht gelingen.

Grund genug also, erst einmal ein paar Wochen lang den Ball flach zu halten und zu schauen, wie B.Easy bei den Kölnern ankommt. Zumal Korzilius in Köln gleichzeitig an einem weiteren neuen Laden arbeitet: Gemeinsam mit dem Supermarktkonzern Rewe, der hier seinen Hauptsitz hat, bastelt er an einem neuartigen Supermarktkonzept. Im Juli und August sollen die ersten beiden Filialen eröffnen. "Made by Rewe" sollen die neuen Läden heißen, und auch hier gilt die Devise: heimlich, still und leise. Bis zur Eröffnung Ende Juli am Kölner Waidmarkt soll die Konkurrenz nicht allzuviel von Korzilius' neuen Ideen für das Lebensmittelsortiment erfahren.

Viel darf Korzilius daher nicht verraten, nur so viel wurde bisher offiziell preisgegeben: Es wird ein bistroähnliches Gastronomieangebot direkt im Laden geben, das sich abends in eine Art Weinbar verwandelt. Die eigentliche Kernidee sei jedoch noch eine andere: Korzilius gibt sich mysteriös. "Die Idee für ein neuartiges Lebensmittelkonzept hatte ich schon vor einigen Jahren. Das Gastronomiekonzept passt als Ergänzung gut dazu."

1,5 Milliarden Euro in die Modernisierung der Rewe-Läden

Den Kölner Supermarktkonzern habe er sich gezielt als Partner für die Verwirklichung seiner Idee ausgesucht. Rewe gilt in der Branche als experimentierfreudig: In den vergangenen Jahren startete der Konzern bereits Testläufe mit mehreren neuen Ladenkonzepten. Konzernchef Alain Caparros will den Supermarktkonzern zum modernen Handelsunternehmen umbauen - dazu soll Rewe eine Art Inkubator für Startup-Gründungen werden, sich an jungen Unternehmen beteiligen und deren Ideen im Konzern umsetzen.

Das gilt für das Online-Geschäft, in dem Rewe bisher noch nicht mit besonders innovativen eigenen Ideen aufgefallen ist. Und auch im stationären Geschäft mit den Rewe-Supermärkten, wo neue Ideen gefragt sind, um die Konkurrenz auszustechen. Caparros will dieses Jahr 1,5 Milliarden Euro in die Modernisierung der Rewe-Läden investieren, zehn Millionen Euro sollen in den Ausbau des Online-Geschäfts fließen.

Dahinter stecke die Notwendigkeit, zusätzliche Einnahmequellen zum klassischen Supermarktgeschäft zu finden, sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH): "Der klassische Lebensmitteleinzelhandel ist in Deutschland ein hartes Geschäft, die Margen sind extrem niedrig." Wer online und offline lukrative Nischen finde, in denen die Zahlungsbereitschaft der Kunden größer sei als am Supermarktregal, könnte künftig im Wettbewerb die Nase vorn haben, sagt Hudetz.

Das Prinzip: Für den Latte Macchiato im Lieblings-Café geben Kunden ohne mit der Wimper zu zucken um die vier Euro aus. Im Supermarkt regen sie sich gleichzeitig auf, wenn die Packung Kaffee zehn Cent teurer wird. "Also müssen Lebensmitteleinzelhändler es schaffen, zusätzlich zum Kerngeschäft auch Angebote zu machen, für die Kunden gerne mehr zahlen." Dabei könnten Supermarktbetreiber von anderen Branchen und erfolgreichen Online-Unternehmern viel lernen. "Andere Branchen sind da schon viel weiter, vor allem in Sachen individueller Kundenansprache", berichtet Hudetz. Neue Ideen und Know-how durch Startup-Übernahmen und die Beteiligung branchenfremde Unternehmer zuzukaufen, hält er daher für eine sinnvolle Strategie. "Das gilt insbesondere im Online-Geschäft. Da kann es sich niemand leisten, jetzt bei Null anzufangen."

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