Kursrallye nach Insolvenzantrag Reliance will sich mit insolventer Kosmetikfirma Revlon schmücken

Die von Debra Perelman geführte Kosmetikfirma Revlon kämpft ums Überleben und hat in den USA einen Antrag auf Gläubigerschutz gestellt. Nun bringt sich der indische Mischkonzern Reliance in Stellung. Nach dem jüngsten Kursrutsch gibt die Nachricht gebeutelten Anlegern wieder Hoffnung.
Anschluss verpasst: Revolon-Chefin Debra Perelman führt die Kosmetikfirma seit 2018

Anschluss verpasst: Revolon-Chefin Debra Perelman führt die Kosmetikfirma seit 2018

Foto: Bebeto Matthews / AP

Die kriselnde US-Kosmetikfirma Revlon ist ins Visier des indischen Mischkonzerns Reliance geraten. Revlon passe gut zu den Plänen von Reliance, daher erwäge das Unternehmen eine Übernahme, berichtet der indische Finanznachrichtensender "ET Now " unter Berufung auf Insider bei Twitter. Reliance habe in den vergangenen Monaten verstärkt in Mode und Kosmetik investiert. Die Nachricht katapultierte die Revlon-Aktie  am Freitag um mehr als 50 Prozent in die Höhe.

Revlon hatte am Donnerstag Gläubigerschutz nach "Chapter 11" der US-Insolvenzordnung beantragt. Bereits vor einer Woche hatte das "Wall Street Journal" berichtet, Revlon habe wegen des steigenden Schuldenbergs Gespräche mit Banken gestartet, um die drohende Insolvenz noch abzuwenden. Der Aktienkurs stürzte daraufhin von 4,30 US-Dollar auf 1,17 US-Dollar ab. Anfang November 2021 hatte das Papier noch mehr als 17 Dollar gekostet.

Das 90 Jahre alte Unternehmen, das für seine Nagellacke und Lippenstifte bekannt ist, hat in den vergangenen Jahren Marktanteile an Start-ups wie Kylie Jenner's Kylie Cosmetics sowie Fenty Beauty von Rihanna verloren. Zudem leidet Revlon derzeit wie viele Firmen unter den Störungen in den Lieferketten und den steigenden Rohstoffpreisen. Die Lieferengpässe hätten zu einem intensiven Wettbewerb um die für die Herstellung der Produkte notwendigen Inhaltsstoffe geführt, heißt es in dem Insolvenzantrag. Gleichzeitig hätten langjährige Lieferanten begonnen, bei neuen Aufträgen Vorkasse zu verlangen. Die Inflation und der Arbeitskräftemangel hätten die Probleme noch verschärft.

Tochter von Hauptaktionär führt Revlon

Revlon wurde 1932 von den Brüdern Charles und Joseph Revson sowie Charles Lachman gegründet und verkaufte anfangs lediglich Nagellack. Im Jahr 1970 war es das erste Kosmetikunternehmen, das mit einem schwarzen Model – Naomi Sims – arbeitete. 15 Jahre später wurde die Firma an den Investor MacAndrews & Forbes verkauft. Diese von dem US-Investor Ron Perelman (79) gegründete Holding ist nach wie vor Hauptaktionär von Revlon. Perelmann brachte Revlon 1996 dann auch an die Börse. Im Jahr 2016 übernahm Revlon das von Elizabeth Arden gegründete gleichnamige Unternehmen. Die Firma zählt Marken wie Britney Spears Fragrances und Christina Aguilera Fragrances zu ihrem Portfolio.

Im vergangenen Jahr verbuchte Revlon mit 6000 Mitarbeitern nur noch einen Umsatz von 2,1 Milliarden US-Dollar, ein Rückgang von 22 Prozent gegenüber dem Jahr 2017. Geführt wird das Unternehmen seit 2018 von Debra Perelman, der Tochter von Ron Perelman. Einer aktuellen Ranglist der Modefachzeitschrift "WWD" liegt Revlon heute nur noch auf Platz 22 der größten Kosmetikhersteller der Welt.

mg/Reuters, AP