Dienstag, 25. Juni 2019

Rücksendungen auf dem Müll? Wie Amazon, Zalando und Otto mit Retouren umgehen

Paketflut Mit der Zahl der Online-Bestellungen steigt auch die Zahl der Retouren - die zurückgesendete Ware nimmt dann verschiedene Wege

2. Teil: Landen Retouren auf dem Müll?

Nicht mehr zu verkaufende Waren gingen an gemeinnützige Organisationen, dazu arbeite das Unternehmen mit der Plattform Innatura und für Lebensmittel mit lokalen Tafeln zusammen, heißt es auf Anfrage. Darüber hinaus gingen Waren ins Produktrecycling oder würden an Aufkäufer veräußert, die sie dann weiterverkauften. Zahlen nennt Amazon nicht. Erst vor kurzem war der Onlinehändler in die Schlagzeilen geraten, da ihm vorgeworfen wurde, ein Großteil der Retouren zu vernichten.

Mangels verlässlicher Daten bleibt unklar, wie viel beschädigte oder retournierte Ware tatsächlich in den Müll kommen

Ein Otto-Sprecher berichtet, ein "ganz geringer Prozentteil" der Retouren könne nicht mehr in einen neuwertigen Zustand versetzt werden. Wie Amazon verkauft auch Otto beschädigte Ware an Verwertungsfirmen, die die Ware dann auf eigene Rechnung weiter vertreiben.

"Im uns bekannten Markt für Konsumgüter inklusive Textilien, Lebensmitteln und Werkzeug handelt Amazon unserer Einschätzung nach absolut vorbildlich", berichtet Stefan Grimm, Geschäftsführer der Schnäppchenplattform Restposten.de, gegenüber dem Fachdienst "Internet World Business".

Amazon verkauft aber nicht nur auf eigene Rechnung, sondern tritt auch als Lager- und Versand-Dienstleister für viele kleinere Online-Händler auf - eine dieser Dienstleistungen ist die Entsorgung. Fragen zum diesbezüglichen Prozedere beantwortete Amazon lediglich mit einem allgemeinen Bekenntnis zur Müllvermeidung.

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So bleibt mangels verlässlicher Daten unklar, wie viel beschädigte oder retournierte Ware tatsächlich entsorgt wird. Legt man die von Zalando angegebene sehr niedrige Entsorgungsquote von 0,05 Prozent der Artikel als Basis einer Schätzung für die ganze Branche zugrunde, würde das bedeuten, dass europaweit bei einer zweistelligen Milliardenzahl von Sendungen alljährlich mehrere Millionen Artikel entsorgt werden - mindestens.

Doch damit sticht der Online-Handel rein mengenmäßig keineswegs hervor, eher im Gegenteil. Die Umweltorganisation WWF schätzte 2017, dass allein in Deutschland jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen.

Carsten Hoefer, dpa / Alexandra Knape

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